Ruth Müller
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich gebe es ganz offen zu: Ich mähe noch selbst – kein Roboter, keine App, ganz klassisch am Samstag mit dem Schiebemäher. Das hat einen ganz einfachen Grund. Ich teile mir meinen Garten mit einem kleinen, stacheligen Mitbewohner, mit einem Igel. Er kommt in der Nacht raus, schnauft sich durchs Beet, kackt manchmal auf meine Terrasse, schaut nach Würmern, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihn sehe und höre. Ich möchte ihn nicht missen. Genau solche Igel sind es, die in anderen Gärten nachts von Mährobotern erfasst, verstümmelt oder getötet werden. Auch mein Igel läuft Gefahr, Opfer eines Mähroboters zu werden. Wer einmal so ein Bild gesehen hat – abgerissene Stacheln, verletzte Beinchen, blutige Spuren auf dem Rasen –, der vergisst das nicht mehr so schnell. Deshalb stehen wir heute hier. Der Igel ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz eine besonders geschützte Art. Dennoch erleben wir auch bei uns in Bayern einen drastischen Rückgang dieser einst häufigen Tiere. Die Deutsche Wildtierstiftung hat den Igel zum Wildtier des Jahres 2024 gewählt, weil sein Bestand bedroht ist. Inzwischen steht der Igel sogar auf der Roten Liste. Die Ursachen sind vielschichtig. Wir reden heute über einen Faktor. Das sind Mähroboter, und zwar gerade deren nächtlicher Einsatz. Igel sind nachtaktiv. Sie fliehen nicht, sie rollen sich bei Gefahr zusammen – das wissen wir alle. Genau deshalb werden sie von den Mährobotern verstümmelt oder getötet. Selbst Modelle mit Sensoren erkennen Kleintiere oft nicht zuverlässig. Das gilt im Übrigen auch für andere Wildtiere, die unterwegs sind. Der Deutsche Tierschutzbund warnt seit Jahren vor dieser Gefahr. Der Landesbund für Vogelschutz begrüßt ein nächtliches Mähverbot. Auch Pro Igel e. V. fordert ein Verkaufsverbot für Geräte ohne Tiererkennung. Köln hat bereits gehandelt und den nächtlichen Einsatz untersagt. Und in Bayern? – Die Gemeinde Eichenau regelt es über eine gemeindliche Verordnung, die in vielen Gemeinden schon jetzt gilt: über die Hausarbeits- und Musiklärmverordnung nach Bundesimmissionsrecht. Nach 20 Uhr dürfen in den allermeisten Gemeinden in Gärten keine elektrischen Haushaltsgeräte mehr verwendet werden. Aber auffallen tut es keinem, wenn man es doch macht, weil die Mähroboter einfach verdammt leise sind. Wir haben dazu auch schon einmal einen Antrag "Igel in Gefahr: Mähroboter verpflichtend kennzeichnen!" gestellt und genau darauf hingewiesen. Der Antrag wurde damals abgelehnt. Heute liegt ein sehr ähnlicher Antrag vor, und wir sagen: Ja, das ist sinnvoll, denn das Thema ist nicht nur igelnah, sondern auch bürgernah, gut vermittelbar und überfällig. Noch ein Thema darf nicht unter den Tisch fallen, auf das wir ebenfalls mit Fragen und Anträgen hingewiesen hatten: In Bayern retten vor allem Ehrenamtliche die verletzten Igel. Ihnen möchte ich heute danken, weil die meisten Tierheime gar keine Wildtiere behandeln dürfen und können; (Beifall bei der SPD und den GRÜNEN) und wenn sie es können, dann werden sie heillos überfüllt. Ich danke an dieser Stelle den Ehrenamtlichen im Tierschutz. Auch hier ist uns schon längst eine Lösung versprochen worden, die aber immer noch auf sich warten lässt. Was macht der Freistaat Bayern? – Auf die Anfrage meiner Kollegin Anna Rasehorn antwortet die Staatsregierung sinngemäß: Aufklärung, Infoflyer, Broschüren, Bewusstsein schaffen. – Das ist alles gut, aber ehrlich: Das reicht dem Igel nicht, weil die Zahl der geschredderten Igel trotzdem steigt. Allein mit Appellen an den gesunden Menschenverstand kommen wir nicht weiter. Wir müssen klare Regeln setzen, damit nicht weiterhin jedes Jahr 36.000 Igel dem nächtlichen Einsatz von Rasenmährobotern zum Opfer fallen. Wir können und wollen nicht jede Nacht das Ordnungsamt oder den Blockwart, wie es der Kollege gesagt hat, in die Gärten schicken. Aber wir könnten mit einer Allgemeinverfügung ein Zeichen setzen. Wir können sensibilisieren, Verantwortung einfordern und den Igeln eine echte Überlebenschance geben. Darum begrüßen wir den Antrag: für mehr Artenvielfalt, für echten Tierschutz und für ein Bayern, das sich seiner ökologischen Verantwortung bewusst ist. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
