bayern.landtag.de ↗

Ulrike Müller

FREIE WÄHLER 05.06.2025 Sitzungen 19/52

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Berge sind unsere und auch meine Heimat. Für viele Menschen in Bayern sind sie kein Ausflugsziel, sondern Lebensmittelpunkt. Wer am Fuße der Alpen lebt, weiß: Unsere Landschaft ist nicht nur schön, sie ist auch Grundlage, Identität und Verantwortung. Der Antrag "Rettet die Berge – Bergliebe statt Bausünde" benennt eine echte Sorge. (Zuruf des Abgeordneten Florian von Brunn (SPD)) Ja, der Schutz der alpinen Kulturlandschaft ist wichtig. Der Tourismus lebt von der Ursprünglichkeit unserer Berge. Wer das ignoriert, sägt an dem Ast, auf dem ganze Regionen wirtschaftlich sitzen. (Johannes Becher (GRÜNE): Stimmt!) Aber, und das ist uns FREIEN WÄHLERN sehr wichtig: Bergliebe darf nicht in pauschale Bauverbote gegossen werden. Heimat heißt: mit Augenmaß handeln. Der Schutz unserer Landschaft ist richtig; er muss aber bitte mit regionalem Verstand und darf nicht mit ideologischen Vorgaben aus München und Berlin erfolgen. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN – Zuruf des Abgeordneten Florian von Brunn (SPD)) Wir FREIE WÄHLER stehen für bürgernahe und differenzierte Lösungen. Nicht jedes neue Dach ist eine Bausünde. Unsere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister wissen genau, wo Projekte passen und wo nicht. Die kommunale Selbstverwaltung ist kein Hindernis, sondern sie ist der Garant für vernünftige Entwicklung. (Zuruf des Abgeordneten Florian von Brunn (SPD)) Dass sich Bürgerinnen und Bürger in den alpenländischen Regionen um ihre Heimat selbst Gedanken machen, zeigt sich konkret immer mehr an den vielen Innenentwicklungskonzepten der Gemeinden: Bestehendes erhalten, sanft neu bauen, sodass es zur Gemeinde und Landschaft passt. Wir FREIEN WÄHLER stehen nicht für ein Weiter-so im Skitourismus. Nicht jeder neue Lift und nicht jede Beschneiungsanlage ist sinnvoll. Es werden in Bayern definitiv keine neuen Skigebiete ausgewiesen werden. Wir wollen Qualität statt Quantität. Neue Projekte müssen ökologisch tragbar und regional abgestimmt sein. Sie werden nicht einfach durchgewunken, wie das manchmal behauptet wird. Zur Wahrheit gehört auch, dass Gäste heute schnell nach Tirol oder Südtirol abbiegen, anstatt in der bayerischen Alpenregion haltzumachen. Der Druck in der Tourismusbranche ist riesengroß. Ich verstehe die Sorgen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, dass bei touristischen Großprojekten Natur und Umwelt aus dem Gleichgewicht geraten könnten. Doch der richtige Weg ist nicht die Verbotskeule, sondern: regionale Verantwortung und maßvolle Entwicklung. (Zuruf des Abgeordneten Florian von Brunn (SPD)) Liebe Kolleginnen und Kollegen von den GRÜNEN, wer pauschal von "Bausünden" spricht, trifft nicht die Realität in unseren Gemeinden. Entwicklung bedeutet nicht gleich Zerstörung. Wer jede Hütte am Hang problematisiert, macht Politik gegen die Menschen, die dort leben, wirtschaften und Verantwortung übernehmen. Die Herausforderungen sind real. Grundstückspreise steigen, Wohnraum fehlt und Zweitwohnsitze verdrängen die Einheimischen. Die Menschen vor Ort brauchen eine Perspektive. (Florian von Brunn (SPD): Sie beschreiben doch gerade die Phänomene des Übertourismus!) Wenn wir jede Entwicklung blockieren, verlieren wir unsere Jugend, unsere Familien und unser Handwerk. Bauen und entwickeln – ja, aber mit Respekt und mit regionalen Leitlinien, mit ökologischen Maßstäben und nicht mit zentralen Verboten. "Bergliebe" heißt auch, die Landwirtschaft zu stärken. Unsere Älpler und Almbauern sind die wahren Landschaftspfleger. Sie erhalten unsere Weiden, unsere Alpen und unsere gepflegten Kulturräume. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeordneten der SPD – Zuruf von den GRÜNEN) Sie brauchen keine Bürokratie, sondern Rückenwind. (Florian von Brunn (SPD): Aber auch keine Schneekanonen!) Deshalb fordern wir mehr Unterstützung für die Berglandwirtschaft, für Direktvermarktung und regionale Wertschöpfung. Wir brauchen keine Umweltpolitik aus der Großstadt, sondern eine, die am Hang funktioniert. (Zuruf des Abgeordneten Florian von Brunn (SPD)) Unsere Region lebt nicht nur vom Tourismus, sondern auch vom Mittelstand, vom Handwerk und von Innovation. Ein leuchtendes Beispiel ist tatsächlich die Außenstelle der Hochschule Kempten in Sonthofen. Mein Dank gilt diesbezüglich ganz besonders dem bayerischen Wissenschaftsministerium. Diese Initiative bringt Forschung, Ausbildung und Wirtschaft zusammen, und zwar vor Ort im Herzen der Region. Solche Projekte brauchen wir nicht seltener, sondern öfter. Darum unser Vorschlag: Gemeinsam mit den Kommunen, mit der Landwirtschaft, mit dem Tourismus, mit dem Handwerk und dem Naturschutz entwickeln wir in der Region Pläne für Natur, Wirtschaft und Lebensqualität. Deswegen unser Fazit: Ja, die Berge brauchen Schutz, aber nicht durch pauschale Verbote, sondern durch Verantwortung, Augenmaß und regionale Entscheidungskraft. Wer unsere Heimat liebt, muss ihr auch Entwicklung zutrauen, und zwar mit Maß, mit Respekt und mit Herz für die Menschen, die dort leben. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeordneten der CSU)

Alle Reden von Ulrike Müller Protokoll ↗