bayern.landtag.de ↗

Nicole Bäumler

SPD 21.05.2025 Sitzungen 19/51

Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ein Schnellschuss mit verheerenden Folgen – so kann man, ja, so muss man die Einführung der Sprachstandserhebungen durch die Staatsregierung leider zusammenfassen. Was als Antwort auf den Pisa-Schock 2023 verkauft wurde, entpuppt sich leider aktuell als pures Chaos zulasten der Kinder, der Eltern und vor allem auch der Bildungsexpertinnen und der Bildungsexperten in den Kitas und in unseren Schulen. (Beifall bei der SPD) Nicht nur die SPD-Fraktion, nein, auch die Fachöffentlichkeit hatte vor einer überhasteten Einführung dieser Sprachstandserhebungen gewarnt. Doch unsere gemeinsamen Bedenken fanden bei der Staatsregierung kein Gehör. Stattdessen wurden die Sprachstandserhebungen im Eiltempo durchgedrückt, und zwar ohne ausreichende Vorbereitung, ohne angemessene Ressourcen und ohne durchdachte Förderkonzepte. Jetzt zeigt sich leider: Unsere Befürchtungen waren alle berechtigt. Schulleitungen, Beratungslehrkräfte sowie Schulpsychologinnen und Schulpsychologen berichten von chaotischen Fortbildungen, von mangelnder Vorbereitung, von mangelnder Kommunikation sowie von bürokratischen Auswüchsen, die alle Lehrkräfte an den Rand ihrer Kräfte bringen. (Beifall bei der SPD) Ganz besonders problematisch ist die Testsituation leider auch für die betroffenen Kinder. (Unruhe – Glocke des Präsidenten) Die Lehrkräfte, die diese Testungen durchführen müssen, tun wirklich alles, um es den Kindern so angenehm wie möglich zu machen. Aber das Setting, das die Staatsregierung für diese Testungen vorgibt, ist schlichtweg fragwürdig. Vierjährige werden in eine fremde Umgebung gesetzt, von fremden Personen getestet und müssen anhand eines Testinstruments, das noch nicht einmal evaluiert ist, zeigen, was sie können. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit kindgerechter Pädagogik zu tun. (Beifall bei der SPD) Was passiert eigentlich mit den Kindern, die bei diesen Tests "durchfallen"? – So eine Sprachtestung macht doch eigentlich nur Sinn, wenn nach der Testung und der Feststellung eines Förderbedarfs auch wirklich eine echte Förderung folgt. Doch die Förderstrukturen sind völlig unzureichend. Die Staatsregierung diagnostiziert also Probleme, aber sie bietet keine Lösungen. Sie tut so, als würde sie handeln, sie schafft aber eigentlich nur neue Bürokratie und zusätzliche Belastung für die Kinder, für die Eltern sowie die Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten in den Kitas und in den Schulen. Diese hektisch eingeführten Sprachtestungen sind bildungspolitischer Aktionismus der Staatsregierung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das bringt kein Kind auch nur ein Stück weiter. (Beifall bei der SPD) Die Kinder brauchen stattdessen eine echte Sprachförderung von Anfang an. Was braucht es dafür? – Ausreichend qualifiziertes Personal in den Kitas. Wir brauchen kleinere Gruppen, mehr Zeit für individuelle Förderung und eine bessere Ausstattung der Einrichtungen. Kurz zusammengefasst: Wir brauchen eine Offensive für die frühkindliche Bildung und keine bürokratische Testmaschinerie. (Beifall bei der SPD) Unser Anliegen ist klar: Wir fordern die Staatsregierung mit diesem Berichtsantrag auf, im Bildungsausschuss transparent über den Stand der Umsetzung der Sprachtestungen zu berichten. Dieser Berichtsantrag ist ein wichtiger Schritt, damit bildungspolitische Fehlentscheidungen, die im Zusammenhang mit diesen Sprachtestungen getroffen wurden, korrigiert und durch vernünftige und durchdachte Maßnahmen ersetzt werden können. (Beifall bei der SPD)

Alle Reden von Nicole Bäumler Protokoll ↗