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Christian Zwanziger

GRÜNE 01.04.2025 Sitzungen 19/47

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Dünkel und Herr Kollege Behringer haben bereits die ergriffenen Maßnahmen gelobt. Vielen Punkten, die Frau Kollegin Bäumler vorgetragen hat, kann ich eins zu eins zustimmen. Deshalb haben wir dem Antrag der SPD auch zugestimmt. Bei den Reden von Herrn Behringer und Herrn Dünkel habe ich mich gefragt: Wann kommt da der Widerspruch? Sie haben viele Punkte gebracht, die ich einmal hinterfragen möchte. Herr Behringer, in der Zwischenbemerkung wurde die Entfernung nach Bayreuth genannt. Heute ist der 1. April. Mein Kollege Tim Pargent hat mich gebeten zu sagen, dass Bayreuth mit der Bahn ganz super angebunden sei. Da kommt man immer ganz flott hin. Das musste ich zum 1. April einmal sagen. Zurück zu den Förderlehrkräften: Im besten Fall fördern alle Menschen, die in den Schulen arbeiten, die Lehrkräfte, die Förderlehrkräfte und alle anderen, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Herr Behringer, hier würde ich Ihnen widersprechen. Sie haben gesagt, wir müssten alles bezahlbar halten. Das ist eine Binsenweisheit, die auf alles zutrifft. Die Frage lautet jedoch, wo uns Investitionen langfristig etwas bringen. Hier ist eindeutig belegt: Investitionen in Bildung rechnen sich volkswirtschaftlich immer. Deswegen bitte ich Sie, Ihre Haltung, wonach sich alles rechnen muss, dahin gehend zu hinterfragen, ob mit einer gezielten und guten Förderung in der Schule wichtige Grundsteine des Lebens gelegt werden können, mit denen volkswirtschaftlich Geld eingespart werden kann. Zu den Standorten Freising, Bayreuth und Augsburg: Anders, als dies die AfD vorgetragen hat, hat die SPD nicht gefordert, eine Verdreifachung vorzunehmen, sondern weitere Standorte für die Ausbildung zu suchen, damit eine wohnortnähere Ausbildung möglich ist. Herr Behringer, Sie haben gesagt, 200 Kilometer seien keine Entfernung mehr. Sie können aber nicht bestreiten, dass die Attraktivität dieser Ausbildung gesteigert würde, wenn der Ausbildungsort nicht 200 Kilometer entfernt liegt. Für einzelne Auszubildende sind diese 200 Kilometer kein Problem. Für die meisten würde jedoch die Attraktivität der Ausbildung gesteigert, wenn die Ausbildungsstätte näher gelegen wäre. Wir tragen deshalb die Forderung der SPD voll und ganz mit. Lasst uns versuchen, die Ausbildung noch mehr in die Fläche zu bringen. Die Zahlen der letzten Jahre, von 2015 bis 2024, besagen ja nicht, dass wir uns vor Förderlehrkräften nicht retten könnten. Der Tiefststand waren 55 Absolventen im Jahr 2020. Der Höchststand war im Jahr 2022 mit 93 Absolventen zu verzeichnen. Für die Ausbildung von Förderlehrkräften zur Sprachförderung wurden 18 Menschen zugelassen. Ich frage einmal das Hohe Haus: Glauben Sie, dass wir mit 18 Lehrkräften pro Jahr in Bayern zu einer guten Sprachförderung kommen? Jetzt schaue ich mal zu mir nach Erlangen: Die Mittelschule Eichendorffschule hat den Bundesschulpreis gewonnen, was hier auch schon öfter Thema war. Was haben die gemacht? – Die haben nicht einzelne Kinder aus dem Klassenverband herausgenommen und Eins-zu-eins-Förderung betrieben, sondern haben die Lehrkraft in dem Bereich eingesetzt, in dem die Schülerklientel nach der Grundschule oft Probleme hat, nämlich in Mathematik. Es wurde im Klassenverband gezielt gefördert. Die Schule besitzt einen Raum der Mathematik, durch den die fünften Klassen sozusagen durchgeschleust werden. Kinder, die in der Grundschule oft Angst vor Mathe hatten, wurden gezielt gefördert – und, oh Wunder, die gezielte Förderung hilft. Die Kinder gehen ganz anders aus der Schule heraus, und Mathe ist kein Angstfach mehr. Da müssen wir doch hinkommen. Herr Dünkel, Herr Behringer, natürlich gehört dazu mehr als der Einsatz von Alleinförderlehrkräften bzw. regulären Lehrkräften. Aber wenn Sie sagen, Sie wollen Gerechtigkeit schaffen und dass alles genau abgebildet wird, dann frage ich mich schon, warum weiterhin zehn Stunden pro Woche in das Deputat eingerechnet werden und in die Schulstatistik eingehen. Wenn Förderlehrkräfte zusätzlich zu allen Lehrkräften on top eingesetzt werden sollen, warum werden dann weiterhin zehn Wochenstunden eingerechnet? Ich freue mich über die lobenden Worte für den Antrag. Ich freue mich darüber, dass bei diesem Thema große Offenheit herrscht. Ich bin gespannt, wenn sich die Ergebnisse die nächsten Jahre nicht wunschgemäß einstellen, ob dann noch mal ein solcher Antrag abgelehnt wird oder ob wir gemeinsam so etwas beschließen können. Wie eingangs gesagt, ist die Fokussierung auf die Kosten beim Thema Bildung ziemlich fehl am Platz. Jeder Euro, den wir in Bildung investieren, ist ein Euro, der sich rechnet.

Alle Reden von Christian Zwanziger Protokoll ↗