Anna Rasehorn
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen der demokratischen Fraktionen! Wir alle wissen: Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Gute Ergebnisse in den Abschlussprüfungen sind auch ein Schlüssel zu weiteren Bildungschancen und zu einem erfolgreichen Berufsleben. Deswegen haben wir als SPD-Fraktion beantragt, dass in Bayern endlich ein kostenloses digitales Prüfungsarchiv von der Mittelschule bis zum Abi für alle Schüler:innen eingerichtet werden soll. Die Realität sieht allerdings leider anders aus. Wer sich gut und selbstbestimmt auf Abschlussprüfungen vorbereiten möchte, muss tief in die Tasche greifen. Für jedes Fach müssen separate Übungshefte und Prüfungskompendien gekauft werden. Ich war zum Beispiel richtig schlecht in Mathe; (Lachen bei der AfD) ich habe bestimmt vier oder fünf Bücher gekauft, die jeweils 20 Euro gekostet haben. Das sind 80 Euro, das muss man leider so sagen, und das wird langsam teuer. Was für manche Familien nach einem überschaubaren Betrag klingt, summiert sich für andere zu einem echten finanziellen Problem. Genau hier liegt das Problem. Die Qualität von individuellen Prüfungsvorbereitungen darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. (Beifall bei der SPD) Die Staatsregierung verweist zwar auf das bestehende Prüfungsarchiv der ByCS, aber, liebe Kolleg:innen, dieses Archiv enthält nur die Aufgaben ohne die Lösungen. Zur eigenständigen Vorbereitung gehört es auch, dass ich, wenn ich geübt habe, auch die Richtigkeit überprüfen kann. Ja, Lehrer:innen können im Unterricht Aufgaben und Lösungen mit den Schüler:innen durchgehen. Aber seien wir ehrlich: Im Unterricht alleine ist das keine perfekte Vorbereitung auf Abschlussprüfungen. Wir wollen ja alle gute Abschlussprüfungen haben. Schüler:innen müssen deswegen auch die Möglichkeit haben, sich selbstständig gut vorzubereiten, unabhängig davon, welche Vorbereitungen die Lehrer:innen machen und in welchem Umfang die Abschlussprüfungen des Vorjahrs behandelt worden sind. Das Kultusministerium hat im Ausschuss argumentiert, dass es zu urheberrechtlichen Problemen kommen könnte. Ich war gestern am Maria-Ward-Gymnasium und durfte im Zuge des "Tag der Freien Schulen" Stunden halten. Die Lehrer:innen haben mir gesagt: Nein, wenn sie Prüfungen erstellen, dann geben sie ihr Urheberrecht ab. Wir sehen also auch hier das Problem nicht. Andere Bundesländer haben schon längst Wege gefunden, um ihre Prüfungsarchive legal und kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Bayern als selbsternanntes Bildungsland sollte hier nicht hinterherhinken. (Beifall bei der SPD) Wir sprechen auch viel von Digitalisierung in der Bildung. Mit Mebis haben wir bereits eine sehr gut funktionierende Lernplattform, über die die Schüler:innen gut auf die Prüfungen zurückgreifen könnten. Die Ablehnung unseres Antrags war ein Fehler, aber gerade unsere Männer wissen ja, sie können Fehler auch revidieren. Deswegen rufe ich Ihnen zu: Heute könnten Sie diesen Fehler korrigieren. Stimmen Sie für unseren Antrag und gute Chancengleichheit! – In diesem Sinne einen glumperten Donnerstag! (Beifall bei der SPD)
