Marina Jakob
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe AfD, Sie fordern in Ihrem Antrag, dass die Staatsregierung eine Studie in Auftrag geben soll, um die Folgen des katastrophalen Windkraftausbaus auf Bodentemperatur und auf lokale Strömungssysteme zu ermitteln. Sie begründen das mit einem über sechs Jahre alten Artikel in der Zeitschrift "Joule". Was steht in dem Artikel? – Ich sage es Ihnen, weil Sie anscheinend nicht verstanden haben, was darin steht. Ich werde es Ihnen auf Deutsch sagen, weil es vielleicht an Ihrem Englisch liegt. Die Autoren Miller und Keith gehen von folgendem Szenario aus: Der gesamte Strombedarf in den USA würde vollständig mit Windenergie gedeckt werden. Betrachtet wurden damals die Temperaturen von bestehenden Windparks in Texas und in Iowa in Bodennähe. Wir reden von riesigen Windfarmen, von mehreren Hundert Windrädern auf einer Fläche in Texas. Unter dem Link, den Sie in Ihrem Antrag angegeben haben – herzlichen Dank dafür –, schreiben die Autoren des Beitrags eine ganze Reihe von Gründen, warum dieses Ergebnis nicht eins zu eins auf andere Regionen, wie hier in Deutschland, übertragbar ist. (Zuruf von der AfD: Darum wollen wir ja die Studie!) Zum Wichtigsten: Die Autoren schreiben in der Studie ganz klar: Windenergie führt der Atmosphäre nicht mehr Wärme zu. Ich wiederhole es: Windenergie führt der Atmosphäre nicht mehr Wärme zu. Das ist auch logisch; denn was passiert bei einem sich drehenden Windrad? – Durch die vom Windrad verursachten Turbulenzen kann kalte Luft vom Boden aufsteigen und sich oben mit der wärmeren Luftschicht durchmischen. Dadurch kann die wärmere Luft in die untere Schicht, und die Temperaturen steigen etwas an. Oben wird es etwas kühler. Es ist lediglich eine kleine Umverteilung der Luftschichten. Dieser Effekt, wie Sie ihn angesprochen haben, Herr Prof. Hahn, tritt fast nur nachts ein, weil es dort am Boden wärmer ist. (Widerspruch bei der AfD) Das betrifft nur die kleinen Flächen und nur den unmittelbaren Umkreis. Einer der beiden Autoren, Lee Miller, betont übrigens selbst in der Zeitschrift "Physics Today" im August 2020: Es geht beim Effekt der Windräder lediglich um das Durchmischen von Luftschichten. Dieser Mechanismus sei vollkommen unabhängig von den Mechanismen des Klimawandels. Dass es im direkten Umkreis von Windrädern in Bodennähe etwas wärmer ist, ist im Übrigen wirklich ein alter Hut, und das macht man sich in manchen Gegenden – wie Sie schon gesagt haben – beim Weinanbau und bei Obstplantagen zunutze. Auch ich kann hier ein Bild hochhalten, wie das aussieht. (Die Rednerin hält ein Bild hoch) Um Weinreben vor Frost zu schützen, werden in Kanada bereits seit den späten 1990er-Jahren Windräder eingesetzt. Das kanadische Landwirtschaftsministerium berichtet bereits 2010, dass zu diesem Zweck in Ontario fast 500 Windmaschinen betrieben wurden. (Tanja Schorer-Dremel (CSU): Windmaschinen oder Windräder?) In Westaustralien kommen Windräder beim Avocado-Anbau als Frostschutz zum Einsatz. Zusammenfassend kann man also sagen: Auf das globale Klima haben Windräder überhaupt keinen Einfluss, und der kleinteilige, lokale Effekt ist seit Jahrzehnten bestens bekannt und wird in der Landwirtschaft auch genutzt. Eine Studie seitens der Staatsregierung ist deswegen absolut nicht notwendig. Sie verschwendet nur unnötig Steuergeld, und deswegen lehnen wir den Antrag ab. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN, der CSU und den GRÜNEN)
