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Nikolaus Kraus

FREIE WÄHLER 04.02.2025 Sitzungen 19/41

Sehr verehrtes Präsidium, liebe Kolleginnen und Kollegen! So spät in der Nacht ist es schon; wir haben keine Zuschauer mehr. Es ist aber schön, dass der Saal noch so angenehm gefüllt ist. – Natürlich haben wir doch noch ein paar Zuschauer. Vielen Dank für das Interesse. Wir sind beim letzten Punkt. Es liegt nicht mehr viel zwischen dem Abendessen und mir. Ich habe aber noch ein paar Gedanken zu dem Punkt "Schulessen der Zukunft: bio, regional". Wir haben schon einiges pädagogisch Wertvolle gehört. Mein Vorredner hat bereits darauf hingewiesen, dass uns Gisela Sengl des Öfteren im Landwirtschaftsausschuss erklärt hat, was wir alles machen sollen, was wir falsch machen und was wir richtig machen. Wir sind der Meinung, dass wir in Bayern schon ganz viel richtig machen. Der Antrag war bereits am 27. November im Landwirtschaftsausschuss und wurde dort zu Recht abgelehnt. Wir werden ihn heute auch wieder ablehnen, das ist zumindest mein Vorschlag. Das Ziel des Antrags lautet: 100 % bio und regional. Ziele sind schön, und wir sollten sie erreichen wollen. Wir müssen die Ziele aber auch erreichen können. Das Ziel 100 % bio und regional in der Verpflegung ist sehr sportlich, eigentlich unmöglich, auch wenn viele hier im Saal diesen Wunsch haben. Seit dem Jahr 2008 unterstützt die Bayerische Staatsregierung durch acht bayerische Vernetzungsstellen für die Kita- und Schulverpflegung diese Projekte. Zur Wahrheit gehört auch: Selbst wenn wir die formulierten Ziele annähernd erreichen würden, müsste dies von irgendjemandem bezahlt werden. Die Summen, die dabei zusammenkämen, sind der Wahnsinn. Das wären viele Millionen Euro. Das gibt der Haushalt momentan bei aller Liebe nicht mehr her. Wer würde das im Endeffekt bezahlen? – Die Erziehungsberechtigten, die Eltern. Wir haben in diesem Saal einige Kommunalpolitiker, die in ihren Gemeinden Schul- und Gemeindeküchen haben. Ich weiß nicht, wer es als Gemeinderat einmal mitgemacht hat, wenn die Kosten für das Essen um 50 Cent oder um einen Euro angehoben worden sind. Da kommen dann Besucher in die Gemeinderatssitzung, die nicht mit lobenden Worten um sich werfen. Unser System hat sich bis jetzt bewährt. Wir haben ein gutes Zusammenspiel zwischen den Schulaufwandsträgern, den Schulleitungen und den sogenannten Kooperationspartnern. Die Gemeinden haben einen Werkzeugkasten mit vielen Möglichkeiten. Aus meiner Sicht ist wichtig, dass wir vor Ort Gestaltungsfreiheit haben. Wir sollten das nicht landeseinheitlich regeln; denn die Leute vor Ort wissen im Normalfall am besten, was für sie wichtig und gut ist. Die genannten acht Vernetzungsstellen bieten Hilfe an. Dort kann man sich zu Themen wie regional, bio, Speiseplan und Verpflegungsleitbildern informieren. Dort gibt es zu diesen Themen genügend Unterlagen. Bei diesem Thema besteht aber auch eine Holschuld, nicht nur eine Bringschuld. Leute, die in der Verantwortung stehen, finden bei diesen Stellen genügend Angebote. Ab der ersten Klasse werden laut den bayerischen Lehrplänen zu diesen Themen bereits die Grundlagen vermittelt. In den weiterführenden Schulen, den Mittelschulen und den Realschulen, werden die Fächer "Ernährung und Soziales" oder "Haushalt und Ernährung" gegeben. Bei diesem Thema sind jedoch nicht nur die Pädagogen in der Verantwortung, sondern auch die Eltern. Hier ist in den letzten Jahren viel versäumt worden. Wir haben heute leider nicht mehr wie früher Großfamilien, die mittags zusammen gegessen haben, wenn die Oma gekocht hat. Inzwischen ist bei den wenigsten Familien mittags ein Elternteil zu Hause, der den Kindern ein gutes Essen kocht. Ausgewogenheit ist bei der Ernährung unheimlich wichtig. Dazu gehören Gemüse, Obst, Vitamine und Kohlehydrate, aber auch Fleisch und Fisch. Meine Vorrednerin hat gesagt, dass das Essen insgesamt zu süß, zu salzig und zu fettig sei. Ich muss sagen: Auch Zucker gehört dazu; denn man sollte beim Essen Freude haben, und schmecken soll es auch. Was hilft es uns, wenn ein Essen total gesund ist, aber nicht schmeckt? Dann können wir die Kinder auch nicht davon überzeugen. Gesunde Ernährung ist das eine. Aber auch gesunde Bewegung und ein gesunder Lebensstil gehören dazu. Ein bisschen Sport würde nicht schaden. Das sollten wir berücksichtigen. Leider nimmt die Außer-Haus-Verpflegung immer mehr zu, und es wird immer mehr Fast Food und Convenience konsumiert. Es gibt aber auch Gegenbewegungen, zum Beispiel Slow Food. Am Schluss meiner Rede möchte ich die Eltern in die Pflicht nehmen. Der Staat kann nicht alles ergänzen, was die Eltern versäumt haben. Ich habe noch ein bisschen Redezeit, deshalb möchte ich noch einen Witz erzählen. Ich weiß nicht, ob Sie über Witze lachen können. Ein Mann kommt nachts von der Arbeit nach Hause und ist sehr hungrig. Seine Frau erwartet ihn freudestrahlend und sagt: Schatz, heute gibt es nichts zu essen. – Daraufhin sagt er etwas missgelaunt: Warum gibt es heute nichts zu essen? – Darauf sagt sie: Wir hatten den ganzen Tag Stromausfall. Ich konnte nichts kochen. Darauf er: Liebling, Stromausfall? Wir haben einen Gasofen. Wir brauchen keinen Strom. Darauf sie: Ja schon, aber der Büchsenöffner ist elektrisch. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN) Das ist natürlich Schmarrn. Aber, ob ihr lacht oder nicht, das hat einen wahren Hintergrund.

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