bayern.landtag.de ↗

Gabriele Triebel

GRÜNE 30.01.2025 Sitzungen 19/40

Verehrtes Präsidium, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Kollege Fackler hat es schon gesagt: Der Ton wird rauer. Er wird in der Gesellschaft rauer, und zwar allgemein, aber nicht nur unter Erwachsenen, sondern auch unter Kindern und Jugendlichen. Diese Entwicklung macht natürlich nicht vor den Schulen halt. Nach den neuesten Untersuchungen nehmen Konflikte und auch Gewalttaten in unseren Schulen zu. Es geht um Gewalt unter Schüler:innen. Es geht um Gewalt an Lehrer:innen. Es geht aber auch um Gewalt, die von Eltern gegen Lehrer ausgeht. Der uns jetzt noch vorliegende Antrag der AfD, der sich genau mit dieser Thematik beschäftigt, zeichnet folgende Situation an den Schulen: Die Lehrkraft steht vorne, doziert und vermittelt ihr Wissen. Alles, was sie daran stören könnte, muss verhindert werden. Wenn es zu Störungen kommt, dann muss der Täter – das Kind oder die Jugendliche – identifiziert und bestraft werden. Kolleginnen und Kollegen, die Schule muss auf jeden Fall auf jede Art von Gewalt reagieren. Aber Schule ist kein Law-and-Order-Ort, wo Disziplin das oberste Gebot ist und wo Kinder und Jugendliche jenseits von Straftaten kriminalisiert werden. Das oberste Gebot in einem demokratischen Bildungssystem muss sein, dass Kinder und Jugendliche durch wirksame pädagogische Mittel Handlungsoptionen jenseits von psychischer Gewalt lernen. Das heißt: Schule muss Kindern und Jugendlichen mehr Kompetenzen in Sachen Problemlösung geben, Problemlösung nicht nur in Bezug auf reine Wissensvermittlung, sondern es muss in der Schule mehr Raum für soziales Lernen geben. Dazu müssen wir sowohl Schülerinnen und Schülern als auch Lehrkräften und Eltern mehr Unterstützung geben. Schülerinnen brauchen in der Schule mehr Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, und zwar jenseits vom reinen Lernen. Das heißt, sie brauchen in der Schule mehr Mitspracherecht, sei es durch Klassenräte oder Schulparlamente; dort können sie reden und Probleme mit Worten und nicht mit physischer Gewalt austragen. Lehrkräfte brauchen mehr Zeit für Beziehungsarbeit. Sie brauchen Zeit, ihre Schüler:innen in ihrer gesamten Persönlichkeit kennenzulernen. Lehrkräfte brauchen mehr Zeit für Elternarbeit, um die Eltern näher an das Schulleben heranzuführen und dadurch auch Übergriffen durch Eltern vorzubeugen. Lehrkräfte brauchen Unterstützung von Schulpsychologinnen und Schulsozialarbeit. Leider gibt es die noch nicht an jeder Schule. Wir GRÜNE fordern das seit Jahren. (Beifall bei den GRÜNEN) Schule ist ein pädagogischer Ort, an dem Grenzüberschreitungen geahndet, aber gleichzeitig Angebote geschaffen werden müssen, um in der Zukunft Übergriffe zu verhindern. Bei dieser Prävention müssen wir deutlich besser werden. Die wachsende Alltagsgewalt ist, wie es Kollege Fackler beschrieben hat, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es ist weder wirksam noch zielführend, in der Schule darauf mit Rezepten aus dem vorletzten Jahrhundert zu reagieren. Deswegen lehnen wir diesen Antrag ab. (Beifall bei den GRÜNEN) Fünfter Vizepräsident Markus Rinderspacher: Vielen Dank, Frau Kollegin Triebel. – Nächster Redner ist Herr Kollege Michael Koller für die Fraktion der FREIEN WÄHLER.

Alle Reden von Gabriele Triebel Protokoll ↗