Anna Rasehorn
Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleginnen der demokratischen Fraktionen! Die Geburt führt vermutlich zum wunderbarsten Moment des Lebens; aber der Weg dorthin, das kann ich als Mama sagen, ist mit Sicherheit nicht vergnügungsteuerpflichtig und kann auch bei uns in Deutschland zu gefährlichen Situationen führen. In kaum einer anderen Situation im Leben fühlen sich Mutter und Kind vermutlich verletzlicher; denn sie sind in einer großen Abhängigkeitssituation. Dann ist es besonders wichtig, dass man in guten Händen ist und einem die Angst genommen wird. Ich kann sagen, bei mir war es so: Nach 26 Stunden im Kreißsaal, Geburtsstillstand, wurde bei mir der Kristeller-Handgriff angewandt. Es haben sich zwei Ärztinnen auf meinen Bauch geworfen, damit mein Kind zur Welt kommt. Das sah brachial aus, aber es hat das Leben meines Kindes gerettet. Mein Mann ist umgekippt. Ich glaube, hätte man zu diesem Zeitpunkt das Gespräch mit mir geführt, ich war sowieso neben der Spur, ich weiß nicht, ob das auf fruchtbaren Boden gefallen wäre. Natürlich kann diese Situation Angst machen und natürlich kann es für Frauen eine schwierige Situation darstellen. Deswegen ist es umso wichtiger – meine Kollegin hat es so wunderbar gesagt –, dass die Hebammen an unserer Seite sind, dass sie die Angst nehmen, dass sie das erklären. Mir wurde im Geburtsvorbereitungskurs erklärt, was der Kristeller-Handgriff ist. Im Moment der Geburt habe ich das natürlich vergessen gehabt. Deswegen ist es so unglaublich wichtig, dass diese wunderbaren Menschen an unserer Seite sind und uns gut betreuen können. (Beifall bei der SPD und den GRÜNEN) Da greift dieser Antrag viel zu kurz; denn er sagt einfach nur: Die Frauen müssen darüber informiert sein. In jedem Geburtsvorbereitungskurs – jede Schwangere hat das Recht, ihn zu besuchen – werden diese Themen erklärt, aber trotzdem kann es zu solchen Situationen kommen. Welche Konsequenz hat dieser Antrag, außer dass den Mitarbeitenden im Kreißsaal wieder einmal unterstellt wird, dass sie schlechte Arbeit leisten, und dass die Angst unter Schwangeren geschürt wird, in den Kreißsaal zu gehen, obwohl wunderbare Hebammen auf sie warten? In Ihrem Antrag geht es darum, dass diese Hebammen wohl einen schlechten Dienst machen. Dieser Antrag ist eine Schande. Was müssen wir tatsächlich dafür tun, um die Hebammen und diesen wunderbaren Job deutlich zu unterstützen? – Meine Fraktion hat zum Beispiel im Jahr 2019 einen Antragskatalog auch mit den anderen demokratischen Fraktionen diskutiert und angeregt. Ich weiß, dass das auch bei euch diskutiert wird. Es geht um die Erhöhung des Betreuungsschlüssels in Geburtsstationen, um eine Neuregelung der Geburtsfinanzierung und auch um hebammengeführte Kreißsäle. Das sind Themen, worüber wir diskutieren. Das sind alles mögliche Bausteine, um den Hebammenmangel oder auch den Kreißsaalschließungen zu begegnen. Darüber müssen wir ehrlicherweise auch betreffend den ländlichen Raum diskutieren. An Lösungen haben Sie von der AfD aber wirklich kein Interesse, sondern nur am Zündeln. Daher lehnen wir den Antrag ab. (Beifall bei der SPD und den GRÜNEN)
