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Ramona Storm

AfD 16.10.2024 Sitzungen 19/30

Wertes Präsidium, meine Damen und Herren! Eine Geburt ist schmerzhaft. Das ist allgemein bekannt. Trotzdem ist sie für Frauen eine der intensivsten und glücklichsten Erlebnisse ihres Lebens. Zur Wahrheit gehört aber auch: Viele Frauen fühlen sich im Kreißsaal alles andere als gut aufgehoben und bleiben nach der Entbindung mit einem Trauma zurück. Laut Schätzung von Human Rights Watch erleben 40 bis 50 % aller Frauen während der Geburt psychische oder körperliche Gewalt. Auch die Weltgesundheitsorganisation bestätigt, dass viele werdende Mütter während der Entbindung respektlos behandelt werden. Beleidigungen, Bedrohungen und Gewalterfahrungen während der sensiblen Phase der Geburt können zu erheblichen psychischen Störungen, zu Depressionen und zu einer gestörten Mutter-Kind-Bindung führen. Laut einer Studie geben fast 80 % aller Mütter kurz nach der Geburt an, dass sie diese als traumatisch erlebt hätten. Das ist eine Tatsache, die aus naheliegenden Gründen tabuisiert wird und an der Öffentlichkeit weitgehend vorbeigeht; denn Mütter, die die Geburt ihres Kindes offen als den schlimmsten Tag ihres Lebens bezeichnen, ernten kein Verständnis, sondern Ablehnung und manchmal sogar Verachtung. Geburten sind nun einmal schmerzhaft. Da sollen sich die Frauen nicht so anstellen. Diese Geisteshaltung führt dann zu Aussagen von Müttern wie: Mein Kind wurde mir herausgerissen. – Oder: Ich lag nach der Entbindung stundenlang herum, bis ich weiterbehandelt wurde. – Solche Sätze sollten wir von Müttern nicht hören müssen. Natürlich möchte ich betonen, dass traumatische Erlebnisse im Kreißsaal nicht die Norm sind; aber es sind zu viele, um als Einzelfall durchzugehen. Selbstverständlich richten sich die Vorwürfe nicht gegen alle Ärzte und Pflegekräfte, und ebenso selbstverständlich steckt nur in den seltensten Fällen eines unangemessenen Umgangs mit Gebärenden Bösartigkeit dahinter, sondern vielfach Zeitmangel. Zeitmangel steht aber für Personalmangel, und der ist nur bedingt auf den allgemeinen Fachkräftemangel, sondern auch darauf zurückzuführen, dass Kliniken zunehmend als Wirtschaftsunternehmen geführt werden, die gewinnorientiert arbeiten müssen. Deswegen schließen immer mehr Geburtskliniken und Abteilungen, besonders auf dem Land. Seit 1991 ist die Zahl der Kreißsäle in Deutschland um 40 % gesunken. Hebammen, die freiberuflich tätig waren, geben ihren Beruf auf, weil sie sich die hohe Versicherungsprämie nicht mehr leisten können. In bestehenden Kliniken wird der Rotstift als Erstes beim Personal angesetzt. Immer weniger Mitarbeiter müssen immer mehr Menschen versorgen. Hier muss ein Umdenken stattfinden: Im Gesundheitswesen müssen die Menschen, nicht die Gewinnmaximierung im Mittelpunkt stehen. Deshalb möchten wir nicht nur für einen rücksichtsvolleren Umgang mit werdenden Müttern sensibilisieren, sondern auch konkrete Maßnahmen anregen. Speziell Ärzte und Pflegekräfte müssen hier besser geschult werden, besser noch: Der Umgang mit Gebärenden sollte stärker in der Ausbildung verankert werden. Dazu gehört auch, dass schwangere Frauen umfassend informiert und aktiv in die Entscheidungsprozesse während der Geburt einbezogen werden; denn Gewalt, egal welcher Art, hat im Gesundheitswesen keinen Platz. Dennoch soll nicht unerwähnt bleiben, dass die überwiegende Mehrheit der Ärzte und Pflegekräfte oft unter erschwerten Bedingungen eine gute und verantwortungsvolle Arbeit leistet und oft selbst Opfer der Verhältnisse ist; aber die Erfahrungen vieler Frauen im Kreißsaal sind eben nicht von der Hand zu weisen. (Beifall bei der AfD)

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