Nikolaus Kraus
Frau Präsidentin, Kolleginnen und Kollegen, werte Zuhörer! In der vergangenen Zeit haben wir einen ganz schönen Rundumschlag gehört. Gleich einmal zur Kollegin Ruth Müller: Ich darf mich auch bedanken bei den Bauern. Erntedank bedeutet, es ist nicht alles von Menschenhand gemacht. Der Herrgott gehört in Bayern besonders dazu; aber ich lege den Finger auch ein wenig in die Wunde: Das Papier, das von der Bischofskonferenz gekommen ist, war nicht ganz in Ordnung. Man lernt einfach nicht dazu. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Vor gefühlten 30 Jahren war in meiner bescheidenen Gemeinde eine Eröffnung von Misereor. Das Hilfswerk hat zusammen mit den Bund Naturschutz ein Papier herausgebracht. In Bezug auf die Landwirtschaft war die Kernaussage vor 30 Jahren: Die Bauern vergiften den Boden, die Lebensmittel, das Wasser, einfach alles. Nehmt es nicht persönlich, aber wenn ich die meisten meiner Mitbürger ansehe, dann sehen sie nicht unterernährt aus, im Gegenteil. Ja, mir geht es auch so. Wie hat einmal ein berühmter bayerischer Mensch aus der Landwirtschaft gesagt? – Die Landwirtschaft hat nach dem Krieg den Auftrag bekommen, die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Wir haben seit Menschengedenken erstmals den Luxus, dass wir zu viele Lebensmittel haben. Für unsere Eltern und unsere Großeltern waren die Lebensmittel noch wertvoll. Sie haben sie gebraucht und auch geachtet und geschätzt. Jetzt gibt es leider das Wort "Lebensmittelverschwendung". Warum? – Die Landwirtschaft hat den Auftrag, die Bevölkerung mit Eiweiß, mit Mehl, mit Proteinen, mit Fleisch zu versorgen, und das hat die Landwirtschaft leider zu gut erfüllt. Deswegen gibt es zum Teil Überproduktion. Weil ich auch ein ausgebildeter, gelernter Bauer bin, darf ich sagen: Wenn wir die letzten 30 Jahre so gearbeitet hätten, wie es prophezeit worden ist, dann wären wir heute alle nicht mehr hier. Das alleine zeigt es schon. Es war halt ein bisschen unglücklich, wie das formuliert wurde, und ich kenne viele Pfarrer und Bischöfe, die sich von der Aussage in diesem Papier distanzieren. Aber jeder von uns weiß: Ab und zu wird ein Papier veröffentlicht, das nicht in unserem Sinne ist, und das war eben so. Ich glaube, das bringen wir wieder auf die Reihe. Wenn ich schon bei der Kirche bin: Was war im Jahr 2019? – Moderner Ablasshandel! 1,8 Millionen Bayern haben beim Volksbegehren "Artenvielfalt" unterschrieben. Wer hat seine Lebensweise geändert? Wer kauft diese Biolebensmittel, die er damals gefordert hat? (Einige Abgeordnete heben die Hand) – Gut, dir glaube ich es sogar. (Heiterkeit bei der SPD und den GRÜNEN) Nehmen wir uns doch bei der eigenen Nase: Da wäre viel Luft nach oben. Ich habe leider nicht so viel Zeit. Wir müssen wirklich wieder zurückkommen zur Ernährungssicherheit. Wir haben eine schwierige Zeit hinter uns, sowohl die Pandemie als auch den Krieg in der Ukraine. Für uns war es so selbstverständlich, dass Lebensmittel immer und überall verfügbar sind. Wir haben das erste Mal erlebt, dass Regale leer waren. Das war für uns unvorstellbar. Wir haben vielleicht gejammert, wenn irgendein Lieblingsprodukt nicht verfügbar war. Jetzt braucht man aber wieder Ernährungssicherheit, die mit Energiesicherheit und Gesundheit für mich zu den drei wichtigsten Säulen im Leben eines Menschen gehört. Zur Ernährungssicherheit trägt nun einmal die heimische Landwirtschaft bei. Die Landwirte machen das gut und aus Überzeugung. Vorher wurde den Bauern vorgehalten, sie würden Geld verdienen. Logisch muss ein Bauer Geld verdienen. Ein Bauer ist ein Unternehmer. Er möchte und muss seine Familie ernähren, und er muss auch investieren. Die meisten anderen Unternehmer, die die Unternehmenskennzahlen eines Bauern anschauen, die Verzinsung des eingesetzten Kapitals, was die Bauern verdienen und was sie für einen Stundenlohn haben, Mindestlohn etc., würden es sein lassen. Bauer ist man aus Berufung, Landwirt aus Leidenschaft. Wir machen das seit Generationen. Der Boden ist das wichtigste Kapital, das der Bauer hat. Unsere Böden sind ertragsfähig, wenn sie gut behandelt werden. Anderenfalls hätten wir nicht diese guten Erträge, die wir momentan haben. Früher haben wir 40 Zentner Weizen vom Tagwerk weggefahren. Darüber lacht man heute. Natürlich gibt es auch neue und mehr Sorten. Energie hat die Landwirtschaft auch immer erzeugt; auch das ist ein Bestandteil von ihr. Es sind auch die Fördergelder angesprochen worden: Jeder würde gerne auf Fördergelder verzichten, wenn es möglich wäre; aber nach dem Agrarbericht stammt leider ein Großteil der Betriebseinkommen aus diesen Fördergeldern, weil man oft dem Weltmarkt unterliegt. Die normalen Weltmarktpreise stellen es nicht sicher, dass ein Bauer von seinem Grund und Boden, vom Bewirtschaften seiner Felder leben kann. Früher war ein Bauer mit 100 Tagwerk oder 100 Hektar Getreide ein gemachter Mann. Heute könnte er davon nur noch zur Imbissbude gehen. Die sieben Punkte werden von uns natürlich unterstützt. Sie sind alle sehr wertvoll. Was mir besonders gefallen hat: fachfremde Hürden. Abgesehen vom Fußballplatz ist, glaube ich, die Landwirtschaft der Bereich, in dem es die meisten "Spezialisten" in Deutschland gibt. Jeder kennt sich vermeintlich aus, nur nicht die, die diesen Beruf gelernt haben. Diesen fachfremden Leuten läuft man nach. Das tut mir persönlich leid; aber leider ist es in der Politik oft so, dass man den Lauten nachläuft und nicht den Sachlichen. Zusammenfassend: Wir stimmen den sieben Punkten zu. Im Landwirtschaftsausschuss werden wir einige Themen noch einmal behandeln. Ich bedanke mich für den Antrag, weil der mehr als überfällig war. Die Landwirtschaft gehört wirklich wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Zustimmung im Nachgang zu den Bauernprotesten zeigt, dass die Bauern bei der Bevölkerung momentan gut dastehen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN)
