Laura Weber
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Die ärztliche Versorgung auf dem Land geht uns alle an. Wir kümmern uns darum. Das ist ein wichtiges Anliegen, gerade von mir: Ich komme aus der nördlichen Oberpfalz; da ist das durchaus ein Riesenthema. Jede Maßnahme, die dazu beiträgt, junge Ärzte aufs Land zu bringen, dort sesshaft zu machen und dazu einen Beitrag zu leisten, ist begrüßenswert. Vorneweg will ich mit dem NC anfangen: Wir fordern schon wirklich lange, den NC abzuschaffen, die Zulassungsbeschränkungen für Studiengänge zu reformieren oder sich eben nicht mehr nur auf den NC zu fokussieren. Das begrüßen wir bei diesem Antrag ausdrücklich; das haben wir so wirklich nicht erwartet. Noch im letzten Jahr auf der Wissenschaftsministerkonferenz haben Sie das Festhalten am NC sogar bestärkt; deswegen: Hut ab. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Herr Seidenath, Sie haben es schon beschrieben: Ein anderes Zulassungsverfahren ist durchaus aufwendig. Ich hoffe, dass die Universitäten gut begleitet und einbezogen werden, damit der Aufwand nicht zu groß wird und das gut ablaufen kann. Nun zur Landarztquote: Als Einzelmaßnahme ist uns das zu wenig. Der Mangel an Fachärzten betrifft nicht nur Hausärzte, sondern in jedem Fachbereich haben wir zu wenige Ärzte auf dem Land. Mit der Landarztquote schaffen wir aber nicht einen einzigen Studienplatz mehr in der Summe. Deswegen ist uns das zu wenig. Quote hin, Quote her: Worüber müssen wir uns ganz besonders Gedanken machen? Wie bekommen wir die jungen Leute aufs Land, nicht nur junge Ärztinnen und Ärzte, sondern wie schaffen wir es, dass junge Familien, junge Menschen gerne auf dem Land leben und auf dem Land arbeiten? Wie können wir die Lebensrealität von jungen Menschen auf dem Land gut abbilden? Wir brauchen gute und flexible Kinderbetreuung, funktionierende Digitalisierung, ein schnelles, stabiles Internet, wir brauchen eine gute Infrastruktur insgesamt und einen gut ausgebauten ÖPNV. Laut dem Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene sind das östliche Niederbayern und gerade die nördliche Oberpfalz deutschlandweit Schlusslichter beim öffentlichen Nahverkehr. Das hat auch die Staatsregierung in Bayern zu verantworten. Auch hier hätte schon viel mehr getan werden müssen. (Zuruf) Darüber hinaus brauchen wir, wie ich schon sagte – die Landarztquote ist eine Maßnahme –, weitere Maßnahmen für eine gute Patientenversorgung auf dem Land, das heißt mehr Kooperationen und Programme mit ländlichen Kliniken, mehr Telemedizin und Digitalisierung, wo es möglich ist. Wir fordern Förderprogramme für Kommunen, für innovative Lösungen wie Arztbus, Arzttaxis und die Bereitstellung von Praxisräumlichkeiten. Auch aus einem weiteren Grund können wir diesem Antrag nicht zustimmen: Wir finden es überheblich, einen Appell an die anderen Bundesländer zu richten. (Zuruf) Wir haben genug in Bayern zu tun; machen wir hier unsere Hausaufgaben. Hier gibt es genug zu tun. – Zusammengefasst: Numerus clausus abschaffen, mehr Studienplätze schaffen, Infrastruktur in ländlichen Regionen ausbauen, innovative Ansätze mit Mut und ausreichend finanziellen Mitteln voranbringen – hierbei unterstützen wir gerne, aber nur die Landarztquote als die Lösung zu präsentieren, ist uns zu wenig. Deswegen enthalten wir uns bei diesem Antrag. (Beifall bei den GRÜNEN)
