Bernhard Seidenath
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Landarztquote ist eine Erfolgsgeschichte. Inzwischen studieren 558 junge Menschen über die Landarztquote Humanmedizin an einer der sieben medizinischen Fakultäten in Bayern. – 558! – 124 von ihnen haben gerade in diesen Tagen mit ihrem Studium begonnen. Das war inzwischen die fünfte Auswahlrunde. Die ersten frisch gebackenen Landärztinnen und Landärzte werden in sechs Jahren fertig werden und als Hausärztin oder Hausarzt in einer unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Region in Bayern tätig sein. Das ist ein wuchtiger Aufschlag gerade für die ländlichen Regionen. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Daneben haben wir noch eine Quote für den Öffentlichen Gesundheitsdienst; hier sind es weitere 71 junge Leute, von denen 21 just in diesen Tagen mit ihrem Medizinstudium beginnen. Hier war es die vierte Auswahlrunde seit dem Beginn des Programms 2021. Wir brauchen sie, wir brauchen jeden Einzelnen von ihnen. Die medizinische Versorgung und Pflege ist für die Menschen in Bayern nämlich das Topthema, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. 94 % der Menschen in Bayern sagen, dass dieses Thema für sie sehr wichtig oder wichtig ist. – 94 %, das sind so viele wie in keinem anderen Politikfeld. Aber es gibt eine dunkle Wolke am Horizont. Das ist der Fachkräftemangel. Er wird auch im Bereich der Ärztinnen und Ärzte jedes Jahr ausgeprägter. Dabei ist dieser Fachkräftemangel hausgemacht. Es gibt viel mehr Bewerberinnen und Bewerber um ein Medizinstudium, als wir zulassen. Auch für die Studienplätze im Bereich der Landarzt- und der Amtsarztquote bewerben sich deutlich mehr junge Menschen, als es Plätze gibt, allen Unkenrufen auch der Opposition hier im Hohen Haus zum Trotz. (Zuruf der Abgeordneten Ruth Waldmann (SPD)) – Ja, eine Unke hat gerufen. Bei der Auswahlrunde in diesem Jahr, 2024, gab es auf die 124 Studienplätze im Rahmen der Landarztquote 426 Bewerberinnen und Bewerber, also immer noch rund 3,5 Bewerber auf einen Studienplatz. Wir wollen diese Erfolgsgeschichte nun weiterschreiben. Wir haben die Landarztquote für die Allgemeinärzte bereits auf die angehenden Jugend- und Kinderärzte ausgeweitet. Nun müssen wir sehen, dass wir noch mehr Bewerberinnen und Bewerber in die Programme hineinbekommen. Das Problem dabei ist, dass die Vorabquoten zur Zulassung für ein Medizinstudium auf insgesamt 20 % begrenzt sind. Wir können diese Quoten nicht einfach beliebig erhöhen. Die Nachfrage nach diesen Studienplätzen ist aber hoch. Der Bedarf an Allgemeinmedizinern ist gerade in den von Unterversorgung bedrohten Gegenden ebenso groß. Wir müssen also einen Weg finden, beides zusammenzubringen. Die Lösung: Wir wollen die Vorabquote für ausländische Staatsangehörige auf 2 % senken und im Gegenzug die Land- und Amtsarztquote um die dann frei werdenden 3 % erhöhen. Wir wollen die Landarztquote also von 5,8 % auf 8 % und die Amtsarztquote von 1,0 % auf 1,8 % anheben. Nach den bisherigen Zahlen würde dies 17 zusätzliche Studienplätze für den Öffentlichen Gesundheitsdienst und 47 zusätzliche Studienplätze für angehende Landärzte bedeuten – und das Jahr für Jahr, Wintersemester für Wintersemester; also jedes Jahr 171 Studierende im Rahmen der Landarztquote und 38 Studierende im Rahmen der Quote für den ÖGD. Das ist spürbar, das ist wuchtig. (Beifall bei der CSU) Der besondere Charme der Auswahl über die Landarzt- und Amtsarztquote ist: Hier spielt die Note der Hochschulzugangsberechtigung – also die Abiturnote – keine Rolle mehr. Wenn Sie so wollen, gilt für die Landarzt- und die Amtsarztquote kein Numerus clausus. Stattdessen wird bei der Auswahl der Medizinstudierenden im Rahmen der Landarzt- und Amtsarztquote auf andere Dinge geachtet. Das zweistufige Auswahlverfahren wird vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit durchgeführt. In die engere Auswahl kommt, wer in einem Ranking am besten abschneidet. Von den maximal erreichbaren 100 Punkten gibt es, erstens, maximal 50 Punkte für das Ergebnis eines strukturierten fachspezifischen Studieneignungstests, also umgangssprachlich: für den Medizinertest. Zweitens gibt es maximal 30 Punkte für eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung in einem Gesundheitsberuf und dessen Ausübung. Drittens gibt es maximal 20 Punkte für ehrenamtliche Tätigkeit, die über die besondere Eignung für den Studiengang Medizin Aufschluss gibt. Noch einmal: Die Abiturnote spielt hier keine Rolle mehr, und das ist auch gut so. Denn nirgendwo ist in Stein gemeißelt, dass nur jemand mit einem 1,0-Abitur ein guter Arzt ist. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Das ist im Bereich der Vorabquote der Landarzt- und der Amtsarztquote so. In unserem Antrag fordern wir die Staatsregierung aber auch auf, zusammen mit den Universitäten zu klären, ob denn nicht das hochschuleigene Verfahren stärker nach diesem Vorbild ausgerichtet und der NC insgesamt abgeschafft werden könnte; denn die Hochschulen können sich ja ihre Studierenden selbst auswählen. Sie können also der Abiturnote auch von sich aus weniger Gewicht einräumen. In unserem Antrag ermuntern wir die medizinischen Fakultäten genau hierzu. Wir untermauern mit diesem Antrag zudem und ausdrücklich unsere dringende Aufforderung an die übrigen Bundesländer, mehr Studienanfängerplätze in Medizin zu schaffen. Bundesweit braucht es im Bereich der Humanmedizin mindestens 50 % mehr Studienanfängerplätze. Das ist unser großes Ziel. Der Freistaat Bayern geht hier mit gutem Beispiel voran. In Augsburg, in Bayreuth und in Niederbayern haben wir 2.700 Studienplätze geschaffen bzw. schaffen sie gerade. Das ist ein zentraler Baustein gegen den Ärztemangel und für die hochwertige medizinische Versorgung auch in der Zukunft. (Beifall bei der CSU) Bayern kann aber die Ausbildung der Medizinerinnen und Mediziner in Deutschland nicht alleine stemmen. Da sind nun bitte auch die übrigen Bundesländer gefragt. Sie können beispielsweise in Bremen weiterhin nicht Medizin studieren; das ist auch nicht in Sicht. In Brandenburg können Sie das im Moment auch nicht. In Cottbus wird gerade eine medizinische Fakultät aufgebaut. Es dauert aber noch zwei Jahre, bis dort die ersten Studierenden sein werden. Dann dauert es weitere zehn Jahre, bis diese zu Ärztinnen und Ärzten fertig ausgebildet sind. Wir in Bayern hingegen tun, was wir können. Mit dem vorliegenden Antrag legen wir noch mehr Augenmerk auf die Regionen in unserem Land, die unter einem Ärztemangel leiden; also auf die Gebiete, in denen jeder einzelne Arzt, der sich niederlässt und zusätzlich da ist, Gold wert ist. Ich bitte Sie deshalb herzlich, unserem Antrag zuzustimmen. Es geht um die Versorgung der Menschen jetzt und in Zukunft. – Vielen Dank. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)
