Barbara Fuchs
Sehr geehrte Frau Präsidentin, Kolleginnen und Kollegen! Ich weiß ehrlich gesagt nicht ganz genau, ob ich weinen oder lachen soll. Die SPD ruft ein wirklich elementar wichtiges Thema auf, will übers Handwerk sprechen. Und was machen hier alle Fraktionen? – Es geht nur gegeneinander. Jeder sagt, was er am allerbesten macht, am tollsten kann und am besten weiß. Aber wir reden nicht über die wirklichen Themen. Wir reden nicht darüber, was wir tun können. Der Bedarf ist aber da. Danke an die SPD für das Thema. Was machen die anderen Fraktionen? – Die einen sagen: Wieso redet die SPD überhaupt über das Handwerk? – Die Nächsten sagen: Ja, für den ländlichen Raum ist Ausbildung im Handwerk natürlich gut. – Wieso aber eigentlich nur im ländlichen Raum? Der Nächste weiß nicht, wie die Aufteilung zwischen Landes- und Bundesmitteln ist. Wieder der Nächste sagt, es ist genug Geld im Handwerk. – Das stimmt einfach nicht. Der Übernächste sagt: Wir haben den Meisterbonus eingeführt. – Ganz ehrlich, seit 2019 waren das meine Anträge, (Martin Wagle (CSU): Da haben Sie aber was falsch verstanden!) und zur Landtagswahl hat der Ministerpräsident den Meisterbonus eingeführt. Ein Rat an die CSU: (Martin Wagle (CSU): Da hast du nicht richtig zugehört!) Ihr habt den Präsidenten der Handwerkskammer in euern Reihen. Hättet ihr halt ihn reden lassen! Das wäre besser gewesen. (Beifall bei den GRÜNEN und der SPD) Ich möchte jetzt trotzdem auch über ein paar Themen sprechen. Sehr am Herzen liegt mir das Thema Ausbildung. Wir haben zu Beginn des Ausbildungsjahres im September 19.073 neue Berufsabschlüsse im Handwerk tätigen können. Aber es gibt immer noch 5.700 offene Stellen. Noch viel gravierender finde ich, dass rund 15 % der Jugendlichen zwischen 20 und 34 Jahren überhaupt keinen Berufsausbildungsabschluss haben. 5 % der bayerischen Schüler:innen verlassen die Schule ohne Schulabschluss. Um diese Themen müssen wir uns kümmern. Da haben wir auch ein Potenzial für die berufliche Bildung und die Ausbildung. Dazu müssen wir die Menschen und gerade die jungen Leute abholen und ihnen Brücken bauen. Wir müssen die Lehrpläne überarbeiten. Wir brauchen eine Modernisierung in den beruflichen Bildungsstätten, in den Berufsschulen. Insgesamt ist ein richtiger Satz gefallen: Wir brauchen Professionalisierung im Prüfungswesen; denn dies funktioniert nicht dauerhaft nur auf ehrenamtlicher Basis. Wir brauchen auch mehr finanzielle Mittel, um die Veränderungsprozesse im Handwerk zu stemmen. Das ist ganz wichtig, um Brücken für die jungen Leute zu bauen. Ein anderes großes Thema ist die Unternehmensnachfolge. In Bayern stehen 618.000 Arbeitsverhältnisse auf der Karte in Bezug auf Unternehmensnachfolgen. 618.000 Beschäftigte warten darauf, dass ihr Betrieb weitergeführt und übergeben wird oder eben nicht, wie das im Handwerk oft passiert. Hier müssen wir mit Förderprogrammen und vor allem mit Lotsen unterstützen, wie man den Betrieben helfen kann. Wir brauchen insgesamt – das braucht das Handwerk genauso, wie die kleineren und mittleren Betriebe aus Industrie und Handwerk es brauchen – eine bessere Infrastruktur und bessere Rahmenbedingungen. Dazu gehören dann natürlich auch Kinderbetreuungsplätze und Schulen – ein ganz wichtiges Thema –, und zwar alle Schularten. Wir müssen die Mittelschulen und die Realschulen unterstützen und eben nicht nur die akademische Bildung. Wir brauchen insgesamt einen Freistaat, der auf allen Ebenen funktioniert fürs Handwerk, für den Mittelstand. Das tut er nur bedingt. (Tanja Schorer-Dremel (CSU): Bayern funktioniert im Gegensatz zum Bund!) – Nein, da haben wir viel zu tun. – Wir haben nicht miteinander darüber gesprochen, was wir tun können. Wir haben nur gegeneinander gesprochen. Das verstehe ich nicht. Das werde ich auch im sechsten Jahr nicht verstehen, warum wir an der Stelle nicht konstruktiv arbeiten können. (Martin Wagle (CSU): Entscheiden muss man, und zwar richtig! Entscheiden, nicht nur reden!) Euer Ministerpräsident macht es euch vor. Er postet lieber fünfmal am Tag seine Mahlzeiten, statt über Themen zu reden. (Beifall bei den GRÜNEN und der SPD – Widerspruch bei der CSU)
