bayern.landtag.de ↗

Gabi Schmidt

FREIE WÄHLER 26.09.2024 Sitzungen 19/28

Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrter Herr Staatsminister, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich dachte, wir gehen mit einer Harmonie in diese großartige Gesetzgebung, weil das Vertrauen unserer Ehrenamtler bestätigt werden muss. Natürlich haben sich die Anforderungen im Ehrenamt gewandelt. Junge Menschen sind mobiler, sie sind nicht ewig in derselben Vereinigung, wir gehen absolut fit in den Ruhestand und können im Alter, was eigentlich kein Alter ist, noch gut ein Ehrenamt ausfüllen. Jetzt muss ich aber gleich auf Sie eingehen, Frau Lettenbauer: Wir haben sehr vieles gemacht. Wo ist denn im Bund die Anpassung des Vereinsrechts? Wo kommt denn da was? Wo sind denn Ihre Leute im Ehrenamt? Ich war neulich auf einem Kinder- und Jugendfeuerwehrtag. Die stellvertretende Landrätin von den GRÜNEN erzählte den Kindern: Es ist ja nett, dass ihr Feuerwehr macht, aber ihr könntet auch etwas Sinnvolles im Umweltschutz machen. – 14 Tage später hat die Dame ihre Karibikkreuzfahrt angetreten; dann muss man sagen: Das passt auch nicht zusammen. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Bei uns funktioniert nämlich gar nichts ohne Ehrenamt. Nein, wir sind so gut, weil wir alle im Ehrenamt sind. Ich freue mich über jeden Minister und jede Ministerin, der oder die ehrenamtlich tätig ist. Wir waren gestern auf einer Veranstaltung mit Herrn Herrmann. Ich würde mich freuen, wenn er die Reservisten ehrenamtlich vertreten würde. Das sind auch Leute, die in ihrer Freizeit bereitstehen. Er würde es auch können. Was spricht denn dagegen, Frau Lettenbauer? Haben Sie Angst – Minister sind ja weit weg –, dass keiner die Fähigkeiten hat? Bei uns wären sie da. Ich finde es sehr gut, dass man diese Erfahrung mitbringen kann, wenn man in der Politik verhaftet ist. Natürlich ist es wichtig, dass auch diese Erleichterungen, über die mein Kollege gerade alles gesagt hat, digital abrufbar sind. Es kann doch nicht sein, wenn ich heute Vereinsvorsitzende sein will, dass ich das in der Stadt nicht ohne große Wohnung machen kann, weil ich allein einen Raum voll Aktenordnern habe. Das haben Sie im Schützenbereich, das haben Sie bei der Feuerwehr, das haben Sie überall. Fangen wir einmal Sonntagfrüh in Bayern an: Meistens geht man in die Kirche, da geht es schon mit dem Ehrenamt los. Sie ist ohne Ehrenamtliche nicht einmal aufgesperrt. Mesner, Ministranten, Kirchenvorstände arbeiten alle ehrenamtlich. Dann geht es an die Feuerwehrübungen nach der Kirche. Das sind Menschen, die nicht nur ihre Zeit schenken, sondern auch ihre Gesundheit und ihre mentale Gesundheit aufs Spiel setzen, weil dieses Ehrenamt eben wirklich anspruchsvoller als früher ist. Früher ist eine Scheune abgebrannt, heute haben wir schlimme Verkehrsunfälle und Hochwasser. Ein Brand in einem landwirtschaftlichen Betrieb sieht ganz anders aus als noch vor hundert Jahren, weil wir Gefahrgüter haben. Da gilt es, Danke zu sagen und zu erleichtern. Natürlich muss sich auch die kommunale Familie zusammensetzen und schauen, was sie verändern kann. Ich glaube, wir haben allein bei mir in der Region 20 verschiedene Ausschankgebühren für Vereine, weil jede Gemeinde einen anderen Satz hat; auch daran muss man gehen. Es wurde Artikel 121 BV betont; ich kann Ihnen sagen: Es heißt ja, 39,5 % der Deutschen sind im Ehrenamt, aber in Bayern sind es noch viel mehr. Wir sind laut Statistik bei 41 %. Die meisten in Bayern haben mehr als ein Ehrenamt – allein wenn ich Sie frage, liebe Kolleginnen und Kollegen, wer mehr als ein Ehrenamt hat –, sei es die Pflege der Grünanlage nebenbei im Gartenbauverein, neben dem Elternbeirat und neben diesem und jenem. Ich glaube, wenn wir die Mehrfachehrenämter zählen, sind wir bei weit über 60 %. Es ist mir wichtig, das als Ehrenamtsbeauftragte der Staatsregierung über die nächsten Jahre sichtbar zu machen. Wir müssen dieses Gesetz jetzt anpacken, weil wir auch viele Menschen haben, die ihre Zeit lieber auf der Couch verbringen und sich dann an ehrenamtlichen Tätigkeiten reiben, dass die Feuerwehrübung zu laut ist, dass das Straßenfest vom Ortsverein zu laut ist, dass dieses und jenes nicht passt. Das sind aber meist die Menschen, die ihre Zeit gern ohne andere Menschen verbringen. Vor denen müssen wir unsere Ehrenamtlichen schützen und diese Menschen vielleicht irgendwann einmal von ihrem Sofa abholen; denn Bayern funktioniert nur mit dem großen Herzen des Ehrenamts. Ich könnte noch ewig weitermachen. Selbst in der Selbsthilfe, im Gesundheitssystem – überall haben wir Ehrenamtliche: Wir haben Besucherdienste für alte und kranke Menschen in den Krankenhäusern usw. Ich habe den Ehrgeiz, Ihnen das in den nächsten Jahren noch mehr aufzuzeigen. Ich wünsche uns gute Verhandlungen. Wir sind für alles offen, was dieses Gesetz noch verbessert. Ich bedanke mich bei der Regierungskoalition für die gute Zusammenarbeit. Ein "Vergelts Gott" an die Ehrenamtlichen, weil ich weiß: Heute sitzen ganz viele dort oben, stellvertretend für ganz Bayern. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU)

Alle Reden von Gabi Schmidt Protokoll ↗