Tanja Schorer-Dremel
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, werte Kolleginnen und Kollegen, verehrte Besucher! Ein Biosphärenreservat ist etwas ganz Besonderes. Es ist eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung, aber auch für Bildung und Forschung. Die Leitlinie eines Biosphärenreservats ist der Schutz und damit der Beitrag zur Erhaltung von Landschaft, Ökosystemen, von Artenvielfalt, genetischer Vielfalt. Weitere Ziele sind die Förderung einer menschlichen und wirtschaftlichen Entwicklung, einer soziokulturellen und ökologischen Nachhaltigkeit sowie eine logistische Unterstützung von Forschung, Umweltbildung und Umweltbeobachtung. In Deutschland gibt es derzeit 18 Biosphärenreservate, darunter zwei sehr erfolgreiche in Bayern, nämlich in der Rhön und im Berchtesgadener Land. Deshalb ist es sinnvoll, diese Einrichtung ein bisschen näher zu betrachten. Entscheidend ist, ein Biosphärenreservat geht immer vom Menschen aus: Mensch und Forschung, Mensch und Ökonomie, Mensch und Bildung für nachhaltige Entwicklung, Mensch und nationale Kooperation, Mensch und Tourismus, Mensch und Naturschutz sowie Mensch und Ökologie, aber auch Landwirtschaft, Wald und Jagd. Wir sollten uns vor Augen halten, dass der Spessart für die Menschen vor Ort enorm wichtig ist. Wir schützen und nützen ihn seit Jahrhunderten. Der Spessart stiftet Identität und gibt den Menschen Wurzeln. Unter diesen Gesichtspunkten haben sich die Menschen mit der Einrichtung eines Biosphärenreservats auseinandergesetzt. Dieser Prozess wird vor Ort von den Menschen auf unterschiedlichen Ebenen gestaltet und soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein. Das ist gut so, und das gilt es auch zu respektieren. (Beifall bei der CSU, den FREIEN WÄHLERN und der SPD) Für die CSU ist es daher wichtig, mit den Menschen zu reden. Wir müssen beide Positionen respektieren und wertschätzen, sowohl die Position der Menschen, die für die Einrichtung eines Biosphärenreservats sind, aber auch die Position der Menschen, die dagegen Bedenken haben, die die Holzrechte erhalten und die jahrhundertealte Tradition bewahren wollen. Diese beiden Positionen müssen wir aushalten und miteinander argumentieren. Ich habe vor Ort mitbekommen, dass das sehr gut gelingt. Das gelingt nicht zuletzt, weil die Staatsregierung, vertreten durch Frau Staatsministerin Kaniber, seinerzeit 2.000 Hektar Wald für eine Kernzone zur Verfügung gestellt hat. Werte SPD, mit Ihrem heutigen Dringlichkeitsantrag beschränken Sie die Entscheidungsfreiheit der Menschen vor Ort auf eine Seite. (Volkmar Halbleib (SPD): Nein!) Wir müssen respektieren, dass der Entscheidungsprozess für oder gegen dieses Biosphärenreservat weitergeht. Da darf es auch einmal vorkommen, dass sich die Staatsregierung in diese Diskussion einmischt. Über Form und Art können wir sehr gern diskutieren, das ist aber kein Thema für uns heute. Wir vertrauen den Menschen vor Ort. Wir respektieren die Entscheidung dieser Menschen, egal wie sie ausfallen wird; denn nur so wird ein Biosphärenreservat funktionieren. Die Menschen vor Ort müssen diesen Prozess selbst gestalten. Nur so kann ein Biosphärenreservat erfolgreich sein. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)
