Arif Taşdelen
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Spätestens ab morgen ist die gesamte Welt zu Gast in Deutschland. (Zuruf von der AfD: Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft?) – Europameisterschaft. (Zurufe von der AfD: Ah!) Ich bin froh, dass unsere Fußballnationalmannschaft mit dem Kapitän İlkay Gündoğan an der Spitze zurzeit zu Gast in Franken ist. (Zuruf des Abgeordneten Christoph Maier (AfD)) Ich werde morgen Abend natürlich mitfiebern, wenn sie das Eröffnungsspiel in der Allianz Arena bestreitet. Ich bin froh darüber, dass die AfD heute angekündigt hat, die Fußballeuropameisterschaft zu boykottieren. Es gibt mittlerweile selten Anlässe, bei denen man nicht einem AfDler begegnet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin froh, dass ich Fußballspiele beispielsweise beim Public Viewing anschauen kann, ohne einem AfDler zu begegnen. (Beifall bei der SPD, den FREIEN WÄHLERN und den GRÜNEN sowie Abgeordneten der CSU – Zurufe von der SPD und der AfD) Ich danke auch ausdrücklich unserem Nationaltrainer Julian Nagelsmann und vielen Spielern, die deutlich gemacht haben, dass Rassismus auf dem Fußballplatz keinen Platz hat und dass die Hautfarbe, Herkunft und Religion keine Rolle spielen. Ich füge hinzu: Auch außerhalb des Fußballplatzes hat Rassismus keinen Platz in Bayern und in Deutschland. (Beifall bei der SPD, der CSU, den FREIEN WÄHLERN und den GRÜNEN) Wir haben in Bayern rund 12.000 Sportvereine mit 4,7 Millionen Ehrenamtlichen, die sich in diesen Sportvereinen tagtäglich für die Gesellschaft einsetzen, circa 90.000 ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer sowie Übungsleiterinnen und Übungsleiter. An dieser Stelle möchte ich stellvertretend für alle, die sich im Sport ehren- und hauptamtlich engagieren, dem Präsidenten des Landessportverbands – jetzt muss ich spicken –Jörg Ammon ganz herzlichen Dank sagen. Lieber Jörg, gib diesen Dank bitte an alle Mitglieder weiter! (Beifall bei der SPD – Zuruf des Abgeordneten Klaus Holetschek (CSU)) – Ich habe in die Kamera geschaut. – Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir denken an den Sport, an die Europameisterschaft usw. Wer von uns denkt beispielsweise an den Behindertensport? – Wir hatten zum Beispiel vom 1. bis 8. Juni die Amputierten-Fußballeuropameisterschaft in Frankreich. Auch das ist natürlich ein Ereignis, das wir alle gemeinsam feiern können und müssen. Ich danke an dieser Stelle auch allen, die auf diesem Gebiet, beim Behindertensport, tätig sind. Das sind insgesamt 500 Vereine in Bayern mit 40.000 Mitgliedern, die sich aktiv für Bewegung von Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung einsetzen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern mit unserer ehemaligen Kollegin Diana Stachowitz an der Spitze. (Beifall bei der SPD) Der Fußball und der Sport insgesamt haben tatsächlich einen integrativen Auftrag. Diesem integrativen Auftrag kommen die Verantwortlichen sehr gut nach. Ich bin froh, dass unter den ehrenamtlich Aktiven sehr viele mit Migrationshintergrund sind und das Vereinsleben bereichern und am Leben halten, meine sehr verehrten Damen und Herren. Ich komme, weil ich nur noch eine Minute habe, zum Schulsport. Herr Innenminister, beim Schulsport könnten wir tatsächlich einiges ausbauen. Ich habe heute mit dem Präsidenten des Landesverbands Bayern des Deutschen Sportlehrerverbands, unserem ehemaligen Kollegen Günther Felbinger, telefoniert. Er hat beispielsweise gesagt, dass wir viel mehr Fachlehrkräfte für den Sportunterricht und auch viel mehr Lehrkräfte für den Schwimmunterricht bräuchten. Angesichts des Sanierungsstaus bei den Schwimmbädern in Höhe von rund 2 Milliarden Euro sind natürlich die 30 Millionen Euro, die wir für 2023 angesetzt haben, viel zu wenig. Auch da muss sehr viel passieren. Das heißt: Ich würde mir wünschen, dass alle unsere Schulhöfe, insbesondere der Grundschulen, nicht nur zum Ort der Begegnung, sondern auch der Bewegung werden. Da könnten wir auf alle Fälle besser werden. Ich wünsche mir auch, wenn ich mit meinen Töchtern zum Spielplatz gehe – da gibt es Länder, die das vormachen –, dass das ein Platz im öffentlichen Raum ist, wo sich auch Erwachsene niederschwellig sportlich betätigen können, ohne ins Fitnessstudio gehen zu müssen.
