Jenny Schack
Sehr geehrter Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Hierneis, ich gebe Ihnen ja in einem Punkt völlig recht: Der Eichelhäher ist mit seinen blauen Federn zugegebenermaßen ein ganz wunderschöner Vogel. (Florian von Brunn (SPD): Schöner als mancher Hahn!) Wenn Sie sich den – zumindest im Internet – mal angeschaut haben, dann kann man da schon gerne romantisieren. Leider wird auch romantisiert argumentiert, indem Sie aus der Luft gegriffene Zahlen und Hochrechnungen ohne Faktenbasis heranziehen. Tatsache ist: Dem Bestand geht es gut. Er kann schon einmal kein Argument für eine ganzjährige Schonzeit des Eichelhähers sein. (Zuruf: Doch!) Sie haben versucht, das auseinanderzunehmen; ich kann es auch einzeln auseinanderdividieren. Der neueste Brutvogelatlas sagt: Der Eichelhäher ist in Bayern ein sehr häufiger Brutvogel mit einem geschätzten Bestand von 105.000 bis 290.000 Tieren. (Martin Stümpfig (GRÜNE): Da kann man doch zehn Prozent abschießen!) Der langfristige Bestandstrend gilt als stabil; Sie haben es selbst gesagt. Der langfristige Trend wird besser, der kurzfristige Trend wird sogar als "zunehmend" beschrieben. Die Jagd, die von den GRÜNEN gerne mal negativ konnotiert wird, spielt in diesem Zusammenhang also inzwischen eine eher untergeordnete oder zunehmend untergeordnete Rolle. In den letzten Jahren haben wir – Sie habe es ja beschrieben – einen kontinuierlichen Rückgang der Abschusszahlen festgestellt. Das macht deutlich, dass unsere Jägerschaft bereits heute zielgenau jagt (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) und damit zur Stabilität der Population beiträgt. Schauen Sie sich die Zahlen doch mal genau an. Sie haben sie sich bestimmt herausgesucht. Sie haben es eben auch gesagt: Die Streckenliste zeigt, dass – fangen wir einfach mal bei 2008 an – damals noch rund 30.000 Eichelhäher im Jahr geschossen wurden, es im Jahr 2022 aber nur noch 11.660 waren. Das heißt, man kann ganz deutlich sehen, dass die Zahl der geschossenen Tiere zurückgeht. Das spricht auch dafür, dass die Jägerschaft hier mit Augenmaß handelt, meine Damen und Herren. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN – Toni Schuberl (GRÜNE): Warum schießen Sie ihn überhaupt?) Unabhängig davon muss man sich hier noch mal die Gesamtstrecke anschauen, da hier auch die gerupften Tiere berücksichtigt sind. Sie führen in Ihrer Begründung auch den Mehrwert des Eichelhähers an. Zum Thema Nachhaltigkeit: Der Eichelhäher – Sie haben das richtig gesagt – versteckt Eicheln und Nüsse, was helfen kann, dass mehr Bäume wachsen. Das Wörtchen heißt aber eben "kann"; es ist nicht sicher, dass das so viel bringt, wie Sie in Ihrem Antrag dargelegt haben oder versucht haben darzulegen. Es ist unbestritten, dass der Eichelhäher natürlich zu einem gewissen Teil zur Waldverjüngung beiträgt. Das bestreitet hier auch niemand. Ich habe mir die Rechnung, die Sie aufgemacht haben, angeschaut. Sie ist meines Erachtens völlig aus der Luft gegriffen. Werte Kolleginnen und Kollegen, ich lade Sie ein, das noch mal im Antrag nachzulesen. Vielleicht können Sie es mir dann erklären; ich versuche, es dann noch mal nachzuvollziehen. Noch mal zurück: Ob aus den Eicheln tatsächlich Bäume werden, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab. Das ist eben nicht sicher vorherzusagen. Sie haben mich zitiert, jetzt zitiere ich Sie aus Ihrem Antrag. Sie schreiben: Von 5.000 Eicheln, die er versteckt, finde er nur die Hälfte wieder. Der Rest könne dann zu kräftigen Bäumen wachsen. Bei einem Pflanzpreis von 2 Euro pro Eiche stelle der Häher dann einen Gegenwert von 1.000 Euro dar. (Heiterkeit bei der AfD) Bei allem Respekt: So eine Rechnung lässt völlig außer Acht, wie der Wald funktioniert. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Das ist eine unglaubliche Milchmädchenrechnung! (Thomas Huber (CSU): Die liebe Traumtänzerei!) Daraus wollen Sie dann eine Schadensumme kalkulieren, die Sie dann tatsächlich auch noch beziffern. Meine Damen und Herren, das Einzige, was an dieser Aufzählung realistisch bzw. nachweisbar ist, sind die 2 Euro für den Setzling. Der Rest sind bloße Mutmaßungen. Richten wir nun mal den Blick auf den Schaden, den der Eichelhäher verursacht: Zu etwa zehn Prozent seiner Nahrung schnappt sich der Eichelhäher Singvögel und frisst bzw. rupft sie gerade in den Monaten, in denen er teils nur zu unter dreißig Prozent Eicheln frisst. Das Problem, Sie hatten es angesprochen: Die Singvögel fehlen uns dann, gerade dann, wenn es darum geht, den Wald zu erhalten; denn sie fressen Schädlinge. Das haben Sie in Ihrer doch sehr einfachen Rechnung natürlich auch nicht einbezogen. In Bayern sind wir sehr lange sehr gut gefahren. Ich wüsste auch nicht, warum wir etwas ändern sollten. Sie hatten es übrigens selbst gesagt. Es ist mir nicht nachvollziehbar, warum wir etwas ändern sollten, wenn die Abschusszahlen eh zurückgehen und überhaupt keine Notwendigkeit besteht, hier irgendetwas zu ändern. Im Gegenteil ist bewiesen, dass die Jägerschaft sehr gut und sehr genau weiß, wo sie eingreifen muss. In Bayern fahren wir einen sehr ausgewogenen Weg. Dort, wo notwendig, können unsere Jäger den Eichelhäher entnehmen. Die Zahlen zeigen das: Unsere Jäger jagen nicht gedankenlos, sie jagen mit Maß, sie jagen mit Ziel, sie sind sich ihrer Verantwortung gegenüber den Tieren und der Natur natürlich stets bewusst. Noch einmal: In Bayern ist der Eichelhäher weit verbreitet. Der Bestand ist stabil, er wächst sogar. Die Forderung der GRÜNEN nach einer ganzjährigen Schonzeit ist auf Grundlage dieser Fakten – man muss es einfach sagen – rein ideologisch geprägt. Lassen Sie uns künftig bitte nicht mehr über vermutete und geschätzte, gewachsene oder doch nicht gewachsene Bäume reden, sondern bei den Tatsachen bleiben. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, auf Basis der aktuellen Zahlenlage und aus ökologischen Erkenntnissen lässt sich schlussfolgern, dass eine ganzjährige Schonzeit nicht notwendig ist, um den Bestand zu sichern oder zu fördern. Zugleich schützen wir unsere Singvögel. Ich bitte Sie: Verfolgen wir also den wissenschaftlichen Ansatz, um Entscheidungen im Einklang mit dem zu treffen, was die bayerische Natur tatsächlich benötigt: (Unruhe)
