Doris Rauscher
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrter Herr Minister, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Jahre der Pandemie waren eine Zeit voller Einschnitte, Beschränkungen und Herausforderungen. Vor allem der Alltag von Kindern, Jugendlichen und Familien wurde von heute auf morgen auf den Kopf gestellt. Schulen und Kitas wurden beinahe über Nacht wiederholt geschlossen, ebenso Sportvereine, Freizeiteinrichtungen und Jugendtreffs. Sogar Spielplätze waren anfangs – Sie erinnern sich – mit einem rot-weißen Flatterband abgesperrt. Soziale Kontakte waren nur noch sehr eingeschränkt möglich. Ja, zum damaligen Zeitpunkt waren sicherlich viele Entscheidungen richtig und wurden von der großen Mehrheit der Menschen in unserem Land getragen. Wir haben vor allem den Kindern, Jugendlichen, Familien und besonders den Frauen und Alleinerziehenden extrem viel zugemutet, zum Teil zu viel. Das Wegbrechen der gewohnten Strukturen und des sozialen Umfelds hat bei Kindern und Jugendlichen bis heute deutliche Spuren hinterlassen. Vor allem Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen waren überproportional betroffen, beispielsweise auch durch eine beengte Wohnsituation während der Isolation. Die starke Zunahme psychischer Erkrankungen wie von Angstzuständen und Depressionen ist erschütternd. Für viele ist die Pandemie auch heute noch nicht vorbei. Gerade auf Landesebene sind viele weitreichende und teilweise auch sehr strenge, einschneidende Entscheidungen getroffen worden. Deswegen müssen wir alle diese Entscheidungen auch auf Landesebene im Rahmen eines Bürgerrates unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, der Kinder und Jugendlichen aufarbeiten. Wieso wehren Sie sich so dagegen? (Beifall bei der SPD) Wir wollen das nicht anklagend, aber sensibel und verantwortungsvoll. Genau darum geht es. Es geht auch darum, verlorenes Vertrauen der Bevölkerung wiederzuerlangen. Ja, es war für uns alle die erste Pandemie. Es wäre wichtig, dass wir es bei einem zweiten Mal besser machen. (Beifall bei der SPD) Deshalb sind wir den Menschen in unserem Land, besonders auch den Kindern und Jugendlichen, eine ehrliche Aufarbeitung schuldig; denn Erfahrung ist nicht, was einem Menschen widerfährt, sondern was er daraus macht. (Beifall bei der SPD)
