Nicole Bäumler
Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! "Bewährte Strukturen erhalten – Keine Aushöhlung der beruflichen Ausbildung" – würde ich den Titel des vorliegenden Dringlichkeitsantrags der FREIEN WÄHLER und der CSU isoliert betrachten, würde mein Herz als Berufsschullehrerin vor Freude höher schlagen. Mein Herz würde deswegen vor Freude höher schlagen, weil ich als Berufsschullehrerin natürlich den hohen Wert der beruflichen Ausbildung erstens kenne, zweitens schätze und drittens nicht will, dass die berufliche Ausbildung in irgendeiner Form ausgehöhlt wird. (Beifall bei der SPD) Sie haben vielleicht bemerkt, dass ich im Konjunktiv spreche; denn der Dringlichkeitsantrag liegt nicht nur mit dem Titel, sondern auch mit einer Forderung und deren Begründung vor. Diese Forderung und diese Begründung hindern mich leider daran, mein Herz vor Freude höher schlagen zu lassen, sondern es stellt sich im Gegenteil Kopfschütteln ein; (Beifall bei der SPD – Zuruf von der CSU: Schade!) denn hier fehlt offensichtlich einiges an Hintergrundwissen zum Thema Validierung. Sie sind vielleicht überrascht, aber in Deutschland wird die Validierung bereits seit einigen Jahren thematisiert, und zwar im Modellversuch "ValiKom". Auch in Bayern ist das Thema berufliche Bildung im Zusammenhang mit Validierung keine Ausnahme. Ich habe für Sie alle eine gute Nachricht: Eine Aushöhlung der beruflichen Bildung ist weit und breit nicht in Sicht, sondern es läuft alles bestens. (Beifall bei der SPD) Am besten wenden Sie sich gerne an die Kammern, nämlich an die IHK und die Handwerkskammern. Vielleicht hätten Sie dies bezüglich der Validierung bereits vor dem Antrag machen sollen. An dieser Stelle sei auch Folgendes gesagt: Ich weiß, Sie haben manchmal etwas gegen Gesetze aus Berlin. Sie finden sie vielleicht doof. Aber weil wir das als bayerische SPD sehen und für uns "Leben und leben lassen" gilt, dürfen Sie sich natürlich dazu äußern und Ihre Meinung kundtun. Manchmal ist es eben fraglich, ob es dann der Wirklichkeit entspricht. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) Ich habe schon erwähnt, dass die Validierung als Modellversuch bereits seit einigen Jahren gut läuft. Was den neuen Gesetzentwurf betrifft, hat meine Kollegin Fuchs das weitere Vorgehen eben ausführlich dargelegt. Ich werde deswegen aus Zeitgründen nicht näher darauf eingehen, möchte allerdings dafür plädieren: Niemand, aber wirklich niemand, möchte die berufliche Ausbildung aushöhlen. Ich stehe als Sozialdemokratin, als Berufsschullehrerin und als Gewerkschafterin hier. Sie können mir also glauben, dass mir viel an einer guten Berufsausbildung liegt. (Beifall bei der SPD) Ja, auch ich sehe einige Details der Validierung im Moment noch kritisch. Aber es gibt Fachleute, die sich damit beschäftigen und Anmerkungen machen, beispielsweise der Landesausschuss für Berufsbildung. Hier sind konstruktive, sinnvolle Vorschläge gemacht worden. Denen schenke ich mein Gehör, diesem fachlich unfundierten Papier aber nicht. Deswegen stimmen wir nicht zu. (Beifall bei der SPD) Fünfter Vizepräsident Markus Rinderspacher: Vielen Dank, Frau Kollegin Bäumler. – Nächste Rednerin ist Frau Kollegin Martina Gießübel für die CSU-Fraktion.
