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Katharina Schulze

GRÜNE 13.03.2024 Sitzungen 19/13

Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben ein Problem. Dieses Problem liegt im Bildungssystem. Das haben die Pisa-Ergebnisse uns allen schmerzhaft vor Augen geführt. Es gibt Lücken beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Leidtragende sind die Kinder, die nicht die Unterstützung bekommen, die sie für einen guten Start ins Leben bräuchten. Was machen Sie als Regierung? – Sie streiten seit Wochen darüber, welches Fach gekürzt oder doch nicht gekürzt werden soll, ob die Ministerin von den FREIEN WÄHLERN die CSU-Abgeordneten vorab informierte oder nicht, und feilschen um Schulfächer. (Zuruf des Abgeordneten Bernhard Pohl (FREIE WÄHLER)) Ich sage dazu ganz klar: Das ist ein unwürdiges Schauspiel. (Beifall bei den GRÜNEN) Möglichst viele Inhalte in wenige Schulstunden zu pressen, das ist das alte Denken dieser Regierung; denn dieser Ansatz – ohne Mut zu Reformen in den letzten Jahren – hat Kinder, Eltern und Lehrkräfte erst in die aktuelle Drucksituation gebracht. Dabei gäbe es eine klare, einfache und sinnvolle Lösung. Diese Lösung heißt: mehr Zeit –mehr Zeit in der Grundschule, sodass alle Kinder die gleichen Startchancen haben. Diese haben sie im Moment noch nicht; denn es gibt Kinder in der ersten Klasse, die schon zählen können oder Buchstaben erkennen können. Manch einer kann sogar schon ein bisschen lesen. Andere Kinder sind noch nicht mit einem geregelten Alltag vertraut. Die Lehrerin oder der Lehrer muss bei solchen Kindern buchstäblich mit den Basics anfangen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist die Realität an bayerischen Grundschulen. Außerdem gilt in Bayern weiterhin der Satz: Sag mir, was deine Eltern arbeiten, und ich sage dir, auf welche Schule du mal gehen wirst. Ich finde, dass der Bildungserfolg der Kinder noch immer in großem Maße vom Elternhaus abhängt. Das kann und will ich nicht länger hinnehmen. (Beifall bei den GRÜNEN) Von mehr Zeit in den Grundschulen profitieren alle Kinder, besonders auch Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die zu Hause nicht so gefördert werden wie in der Schule. Deswegen gibt es von uns GRÜNEN ein klares Ja zu mehr Mathematik- und Deutschunterricht in der Grundschule. Das ist nötig. Es gibt von uns GRÜNEN ein klares Nein zum Zusammenkürzen von Musik, Kunst, Werken und Englisch; denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist fatal. (Beifall bei den GRÜNEN) Ich muss Sie fragen: Wie kommt man in der heutigen Zeit auf die Idee, so einen Vorschlag zu machen? Wir wissen doch alle aus unzähligen Studien, dass wir die Kreativität unsere Kinder fördern müssen, damit sie für ihre späteren Jobs in der digitalisierten und globalisierten Welt fit gemacht werden. Wir wissen doch auch, dass Kunst und Musik allen Kindern, allen Menschen zugänglich gemacht werden sollte, und zwar unabhängig vom Elternhaus, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern und der Unterstützung daheim. Wir wissen doch auch – darüber reden wir regelmäßig hier im Bayerischen Landtag –, dass wir dringend mehr Handwerkerinnen und Handerker brauchen; Sie aber streichen das Fach Werken zusammen. Das ist doch absurd und nicht zukunftsfähig. (Beifall bei den GRÜNEN) Der Vorschlag von uns GRÜNEN ist sehr klar: mehr Zeit in der Grundschule! Das bedeutet ganz konkret, dass in den Grundschulen ein bis zwei Schulstunden mehr pro Woche das neue Normal werden. Mit diesem Mehr an Zeit haben die Lehrkräfte die Möglichkeit, mit den Kindern zu üben und sie individuell zu fördern. Die Kinder bekommen dadurch eine Schulbildung, die sie bestmöglich auf ihr Leben und Berufsleben vorbereitet. Die Eltern, die in der Rushhour des Lebens sind, müssen dadurch zu Hause nicht noch Schule spielen oder viel Geld für Nachhilfe ausgeben. Warum sollten also in Bayern ein paar Stunden mehr nicht klappen, wenn Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen diesen Weg schon längst gehen? (Beifall bei den GRÜNEN) Ja, ich weiß schon, was die Rednerinnen und Redner nach mir sagen werden: Dafür braucht es Lehrkräfte, die haben wir nicht. – Aber ganz ehrlich: Das ist nicht das Problem von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Der Lehrkräftemangel trägt ebenfalls den Namen von Markus Söder und dieser Bayerischen Staatsregierung. (Beifall bei den GRÜNEN) Es gilt jetzt also, den Lehrerberuf endlich attraktiv zu machen und das Studium zu reformieren. Wir als GRÜNE sagen auch, weil wir an die Sache ja pragmatisch herangehen, dass unser Vorschlag für mehr Zeit in den Grundschulen stufenweise verwirklicht werden sollte, sodass er mit dem Mehr an Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern mitwachsen kann. Wenn wir schon über die vielen Probleme im Bildungssystem reden, möchte ich Sie hier noch einmal darauf aufmerksam machen, dass wir 2026 in Bayern das Recht auf Ganztagsbetreuung haben. Wir GRÜNE weisen seit Jahren im Bildungsausschuss und hier im Plenum darauf hin, dass Sie Ihre Hausaufgaben – die Vorbereitungen für das Recht auf Ganztagsbetreuung – immer noch nicht gemacht haben. Die Kommunen haben Fragezeichen im Auge. Die Vereine und Organisationen, die sich gerne einbringen wollen, wissen nicht genau, wie das funktioniert. An den Schulen ist unklar, was da eigentlich abläuft. Es ist Ihre Verantwortung, dass Sie das Recht auf Ganztagsbetreuung zum Gelingen bringen. Sie haben jetzt noch 30 Monate. Ich würde empfehlen, Sie machen sich mal an die Arbeit. (Beifall bei den GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Regierung, investieren Sie ins Bildungssystem! Investieren Sie in die Lehrkräfte! Kümmern Sie sich um den Ganztag! Verändern Sie das Lehramtsstudium, sodass junge Menschen überhaupt wieder Lust haben, diesen wichtigen und sinnvollen Beruf zu ergreifen, und gehen Sie an die Lehrpläne heran: Was brauchen unsere Kinder, um für die Welt, in die sie hineingeboren werden, fit zu sein? – Das sind doch die Fragen, auf die es von Ihnen Antworten braucht. Ich finde, Bayerns Kinder haben Ihre volle Aufmerksamkeit verdient. Meine Aufmerksamkeit haben sie. Sie haben immer die Aufmerksamkeit von meiner Fraktion. Wir werden nicht lockerlassen, bis das Bildungssystem in Bayern endlich auf neue Beine gestellt wird – für die Kinder, für die Menschen, die dort arbeiten, und für die Eltern! (Beifall bei den GRÜNEN)

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