Andrea Behr
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Kollegin Frau Rasehorn! In Bezug auf die vorhergehende Cannabis-Diskussion muss ich jetzt schon ein bisschen schmunzeln, wenn es um die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen geht. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Als approbierte Zahnärztin mit seit vielen Jahren eigener Praxis kann ich sagen, dass schädliche Weichmacher wie Di-n-hexyl-Phthalat laut Medizinproduktegesetz verboten sind. Alle Kolleginnen und Kollegen im Saal, die im medizinischen Bereich tätig sind, werden mir da recht geben. Die Schädigungen sind vielfältig, und deshalb ist diese Substanz in der EU bereits seit 2013 verboten. Es ist aber nicht auszuschließen, dass DnHexP noch in alten, in der EU produzierten Produkten enthalten ist. Momentan besteht eine große Gefahr durch die "Geiz ist geil"-Mentalität, Hauptsache billig, billig, billig, und durch das zunehmende Onlineshopping, bei dem sich Verbraucherinnen und Verbraucher auf irgendwelchen Internetplattformen wie zum Beispiel Amazon oder über die Werbung auf Social-Media-Seiten billigsten und minderwertigen Schrott aus Fernost bestellen können. Man weiß da eben nicht, welche gesundheitsschädlichen Stoffe enthalten sind. Allein im Jahr 2022 haben europäische Behörden bei stichprobenartigen Kontrollen in über 200 Spielzeugen verbotene Schadstoffe gefunden. Dabei stammen 90 % der identifizierten schadstoffhaltigen Spielzeuge aus China. Der Fasching ist gerade vorbei, und auch da wurde jede Menge bunter Billigware aus Fernost bestellt, die zum Teil nicht nur chemisch riecht, sondern auch gefährliche Substanzen enthält. Auch in Accessoires und Faschingsmasken aus weichem Plastik stecken zum Teil Lösungsmittel und Weichmacher. Diese Chemikalien sind insbesondere für Kinder gesundheitsschädlich. Man kann nur hoffen, dass sich Eltern nicht auch noch Schnuller, Babyflaschen und Trinksauger über irgendwelche dubiosen Internetseiten bestellen, bei denen man nicht weiß, woher die Ware genau kommt, anstatt gerade Gesundheits- und Medizinprodukte mit Güte- und Prüfsiegel vom Fachhandel vor Ort in Deutschland zu kaufen. Die gute deutsche Wertarbeit, Qualität Made in Germany, muss wieder etwas wert sein. Gerade auch im Gesundheitsbereich können Sie sich, liebe SPD, als Kanzlerpartei und Lauterbach-Partei auf Bundesebene dafür starkmachen. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Sie können sich auch dafür starkmachen, dass die Leistungserbringer in unserem Land wieder anständig entlohnt werden. Liebe SPD, machen Sie sich auch dafür stark, dass wir generell nicht mehr abhängig von Waren aus dem Ausland sind, und dafür, dass wieder mehr in Deutschland produziert werden kann. Liebe SPD-Fraktion, Sie sind mir mit Ihrem Antrag etwas zuvorgekommen; denn ich bereite gerade einen Antrag vor, in dem es um die Clear-Aligner-Therapie geht. Hiermit machen gewerbliche Anbieter Geschäfte im Internet. Dabei kann sich jeder irgendwelche Zahnschienen selbst ins Gebiss pappen. In den sozialen Medien wie Facebook, TikTok und dergleichen werben Influencer aggressiv für diese zweifelhaften und risikoreichen Methoden. Solche Selbstbehandlungsmodelle sind gefährlich. Solche Behandlungen gehören in die Hände von approbierten Zahnmedizinern. Telemedizin und kommerzielle Anbieter von digitalen Gesundheitsleistungen etablieren sich immer stärker. (Florian von Brunn (SPD): Zurück zum Thema!) Werbung für medizinische Leistungen aus Indochina oder Osteuropa, sei es Zahnersatz oder Brüste aus Silikon, ist in Deutschland erlaubt, und solche Leistungen werden teilweise sogar von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst. (Gülseren Demirel (GRÜNE): Was hat das mit dem Thema zu tun?) – Das hat damit zu tun, dass sich Ihr Gesundheitsminister, wenn er mal nicht bekifft ist, darum kümmern soll, (Lachen bei der CSU, den FREIEN WÄHLERN und der AfD – Widerspruch bei der SPD und den GRÜNEN) dass die Gesundheit der Bevölkerung geschützt wird. Das kann nur von der Bundesebene aus gemacht werden. (Widerspruch bei der SPD) – Jetzt lassen Sie mich doch einmal ausreden.
