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Anna Stolz

22.02.2024 Sitzungen 19/11

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin dankbar für den Dringlichkeitsantrag, weil er mir die Gelegenheit gibt, meine Pisa-Offensive Bayern hier im Landtag noch einmal vorzustellen. Das ist auch dringend erforderlich; denn wie der Antrag mir zeigt, ist noch nicht annähernd angekommen, was alles in dieser groß angelegten Offensive enthalten ist. Lassen Sie mich deswegen kurz zurückblicken auf das, was in den letzten Wochen alles passiert ist. Anfang Dezember kamen die Pisa-Ergebnisse heraus, wurden veröffentlicht. Ich habe es mehrfach gesagt: Die Ergebnisse haben mich nicht überrascht, aber sie haben mich alarmiert. Ich möchte noch einmal klarstellen: Pisa liefert bundesweite Ergebnisse, keine Ergebnisse für Bayern. Bayern steht bei den länderspezifischen Erhebungen immer mit an der Spitze. Das haben wir heute schon mehrfach gehört. Dennoch – das möchte ich auch betonen – wissen wir, dass wir auch in Bayern Leistungsrückgänge zu verzeichnen haben. Deswegen habe ich nicht gezögert. Ich habe sofort gehandelt. Ich habe mehrere Expertenrunden einberufen, viele Gespräche geführt mit der Schulfamilie, mit der Wissenschaft, mit der Wirtschaft; denn mein oberstes Ziel ist es, die Kinder in Bayern stark zu machen. Da bin ich einfach der festen Überzeugung: Lesen, Schreiben und Rechnen sind das Wichtigste, was unsere Kinder können müssen, meine Damen und Herren. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN und der CSU) Das Ergebnis ist ein umfassendes Maßnahmenpaket, die Pisa-Offensive Bayern. Erster wichtiger Teil des Maßnahmenpakets sind sechs Stunden mehr Zeit – sechs Stunden mehr Zeit für Lesen, Schreiben, Rechnen. Mich freut, dass Sie das im Antrag auch anerkennen. Sie verkennen aber, dass das Maßnahmenpaket sehr viel mehr ist als eben nur diese Zeit; denn Zeit allein bringt natürlich wenig. Entscheidend ist, diese gewonnene Zeit dann auch zielgerichtet zu nutzen. Deswegen gehört zweitens zum Paket, dass wir verbindliche Lesescreenings einführen, um den Lehrkräften noch besser Aufschluss über die Lesefähigkeit des einzelnen Schülers, der einzelnen Schülerin zu geben und zielgerichtete Diagnosen zu ermöglichen. Zweitens also Diagnostik. Drittens werden wir den Schulen innovative und wissenschaftsbasierte Programme und Materialien zur Verfügung stellen. Viertens wird es eine Fortbildungsoffensive für unsere Lehrkräfte geben; denn um einen an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierten Unterricht zu gewährleisten, brauchen unsere Lehrkräfte natürlich auch fortlaufend qualitativ hochwertige Fortbildungen. Fünftens gehört dazu, dass wir verpflichtende Sprachtests bei der Einschulung und damit einhergehend eine noch intensivere frühkindliche Förderung einführen. Sechstens ist es mir persönlich auch enorm wichtig, die Zusammenarbeit mit den Eltern und den Erziehungsberechtigten zu stärken; denn sie sind entscheidende Partner für eine gelingende Leseerziehung in der Schule. Siebtens und letztens gehört auch dazu, dass wir die Lehrpläne daraufhin überprüfen, wo mehr Raum für die Basiskompetenzen geschaffen werden kann. Das, meine Damen und Herren, ist die Pisa-Offensive Bayern und nicht weniger. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeordneten der CSU) Jedes Kind in seiner Persönlichkeit sowie mit seinen individuellen Fähigkeiten und Begabungen wahrzunehmen und dann entsprechend individuell zu fördern, darum geht es. Ich danke an dieser Stelle all unseren Lehrkräften in Bayern, die jeden Tag mit viel Herzblut und Engagement genau das an unseren Schulen tun. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeordneten der CSU) Ich möchte einen Satz aus dem Antrag der GRÜNEN besonders hervorheben. Dieser lautet: "Denn Pisa und andere Bildungsstudien zeigen auch, dass wir in Deutschland besonders schlecht sind, was die soziale Gerechtigkeit angeht." Liebe Kolleginnen und Kollegen von den GRÜNEN, zur Feststellung, dass wir in Deutschland besonders schlecht seien, möchte ich sagen: Wir sind hier zum Glück in Bayern und besonders gut. Ich bitte darum, dies auch einmal zur Kenntnis zu nehmen. Wir haben gehört, mehrere Studien haben gezeigt, dass gerade das Vermeiden von Bildungsarmut und besonders geringe Leistungsunterschiede zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungshintergrund zu den besonderen Stärken in Bayern zählen. Selbstverständlich haben auch wir Herausforderungen, aber ich verwahre mich dagegen, immer alles schlechtzureden. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeordneten der CSU) Jetzt noch zu dem nachgezogenen Dringlichkeitsantrag der SPD: Selbstverständlich werden wir unsere Förderangebote für die Kinder im Vorschulalter intensivieren. Ich habe es in meinem Maßnahmenpaket dargestellt. Selbstverständlich werden wir auch nicht einfach Fächer kürzen. Es geht darum, Fächer zu flexibilisieren und dadurch unseren Lehrkräften, den Profis vor Ort, mehr Freiräume zu geben. Selbstverständlich gibt es auch mehr Personal, Lehrkräfte, multiprofessionelle Teams, Verwaltungsangestellte und Schulassistenzen. 9.000 Stellen sind im Koalitionsvertrag vereinbart. Auch dies haben wir gehört. Hier baue ich schon jetzt auf Ihre Zustimmung zum Haushalt, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeordneten der CSU) Die Anträge verkennen somit die gesamte Tragweite der Pisa-Offensive Bayern. Sie verkennen die bereits vorhandenen und die geplanten Maßnahmen. Wir in Bayern sind schon wesentlich weiter. Bayern geht hier voran. Ich muss auch einmal fragen: Haben Sie denn schon einmal gehört, welche Maßnahmen in den anderen Ländern in Reaktion auf Pisa ergriffen werden? – Ich jedenfalls nicht. Die Anträge lehne ich ab. (Beifall bei den FREIEN WÄHLERN sowie Abgeordneten der CSU)

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