Gabriele Triebel
Sehr geehrtes Präsidium, verehrte Ministerin, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Morgen gibt es das Zwischenzeugnis. Viele Schülerinnen und Schüler zittern heute schon und werden heute Abend vielleicht gar nicht einschlafen können. Warum? – Sie fürchten sich davor, die schlechten Noten nach Hause zu bringen, sitzen zu bleiben (Widerspruch bei Abgeordneten der CSU und der FREIEN WÄHLER – Tanja Schorer-Dremel (CSU): Es gibt viele, die tolle Noten haben!) oder mit einem schlechten Zeugnis keinen Ausbildungsplatz zu finden. Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns gerade diesen Kindern und Jugendlichen einen positiven Blick auf ihre schulische und berufliche Zukunft schenken. (Beifall bei den GRÜNEN) Dass das deutsche und auch das bayerische Bildungssystem gerade schwachen Schülerinnen und Schülern zu wenig unter die Arme greift, haben einmal mehr die letzten Pisa-Ergebnisse gezeigt. Unser Bildungssystem verfestigt und verschärft momentan die sozialen Unterschiede. Wenn wir so weitermachen, wird die Gruppe der Abgehängten immer größer. Viele Lehrkräfte zerreißen sich jedoch förmlich, um sich diesem Trend entgegenzustellen, doch alleine können sie das gar nicht schaffen. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der CSU und den FREIEN WÄHLERN – vor allem bei Ihnen –, wir haben wieder einmal kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. (Beifall bei den GRÜNEN) Geplant sind jetzt zwar mehr Deutsch- und Mathestunden. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, doch der reicht nicht, gerade für Schülerinnen und Schüler, die in diesen Fächern wirklich zu kämpfen haben. Was gerade diese Kinder brauchen, ist mehr und gezielte Förderung. Führen Sie also endlich den schulgenauen Sozialindex ein. Erkennen Sie endlich an, dass es Schülerinnen und Schüler gibt, die mehr Unterstützung brauchen als andere. Geben Sie den Schulen mehr Ressourcen, die es wirklich nötig haben. Zünden wir doch endlich mal den Bildungsturbo auch hier in Bayern, (Beifall bei den GRÜNEN sowie Abgeordneten der SPD) für glückliche Schülerinnen und Schüler, entspannte Eltern, zufriedene Lehrkräfte und eine starke bayerische Wirtschaft. Diese Kinder werden die Handwerker, die Wissenschaftlerinnen, die Bäcker, die Metzger, die Ärztinnen, die Ingenieurinnen von morgen sein, wenn wir ihnen eine gerechte Chance geben. (Beifall bei den GRÜNEN sowie Abgeordneten der SPD) Durch Corona sind uns viele Schülerinnen und Schüler regelrecht verloren gegangen. Als Folge wurde das Programm "gemeinsam.Brücken.bauen" mit Unterstützung des Bundes aufgelegt; es soll dieses Schuljahr auslaufen. Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns dieses Programm verstetigen. Nutzen wir die bereits aufgebauten Strukturen. Geben wir den Schulen weiterhin die Möglichkeiten, Programme zur Lern- und auch zur Begabtenförderung weiterzuführen und auszubauen. Es geht bei "gemeinsam.Brücken.bauen" auch um die Fortführung der zusätzlichen Ferienprogramme, die der Bayerische Jugendring koordinierte. Im Sommer 2023 waren es über 23.000 zusätzliche Ferienplätze, sodass Kinder und Jugendliche Gemeinschaft erleben und neue Erfahrungen sammeln konnten. Welch ein Mehrwert für die Familien, den es weiterhin geben muss! Verehrte Kolleginnen und Kollegen, die Einführung des schulgenauen Sozialindex und die Weiterführung des Programms "gemeinsam.Brücken.bauen" sind zwei wichtige Maßnahmen für mehr Chancengerechtigkeit in unserem bayerischen Bildungssystem. Die Erkenntnis durch Pisa ist da. Wir brauchen jetzt entschlossenes Handeln. (Beifall bei den GRÜNEN) Aufstieg durch Bildung – das funktioniert, wenn wir die Weichen endlich richtig stellen. Aufstieg durch Bildung – das stärkt das Selbstbewusstsein unserer Kinder und Jugendlichen, das stärkt unsere Wirtschaft, und Bildung stärkt auch unsere Demokratie. (Beifall bei den GRÜNEN sowie Abgeordneten der SPD) Fünfter Vizepräsident Markus Rinderspacher: Vielen Dank, Frau Kollegin Triebel. – Nächste Rednerin ist für die SPD-Fraktion Frau Kollegin Nicole Bäumler.
