Bernhard Seidenath
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Kein Thema bewegt die Menschen so sehr wie die Gesundheit. Ein gesunder Mensch hat tausend Wünsche, ein kranker nur einen. Deshalb ist es am besten, wenn Krankheiten gar nicht erst entstehen. Prävention geht vor Therapie. Dazu haben wir uns klar bekannt, indem das Staatsministerium und der entsprechende Landtagsausschuss nun die Bezeichnung "für Gesundheit, Pflege und Prävention" tragen. Weil Gesundheit so wichtig ist, wollen wir Krankheiten, wenn sie entstanden sind, möglichst rasch und effektiv therapieren – gezielt, ohne Kollateralschäden, mit minimalinvasiven Eingriffen, mit Präzisionschirurgie, Nanomedizin, auf den einzelnen Menschen zugeschnitten, durch die 4-P-Medizin, mit den innovativsten Methoden, auch und gerade mit digitalen Tools. Dem dient die im Sommer noch vom damaligen Gesundheitsminister Klaus Holetschek und Wissenschaftsminister Markus Blume ausgerufene "Highmed Agenda". Wir sind ethisch verpflichtet, die Menschen am medizinischen Fortschritt teilhaben zu lassen. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Wir stehen deshalb zu unserer industriellen Gesundheitswirtschaft mit den Herstellern von Medizintechnik, mit der forschenden Pharmaindustrie. Wir stehen zu Forschung und Versorgung, die Hand in Hand gehen müssen. Für Forschung und Innovation sind unsere sechs bayerischen Uniklinika in besonderer Weise da. Doch letztlich geht es um die Versorgung gerade in der Fläche, für die unsere niedergelassenen Haus- und Fachärzte stehen und für die auch die Krankenhäuser in ländlichen Räumen unverzichtbar sind. Auch hier sind wieder die digitalen Anwendungen so wertvoll, in denen insgesamt die größten Innovationspotenziale stecken; denn mit ihnen wird es möglich, Spitzenmedizin auch in die Fläche zu bringen. Weitere Grundsätze für die gesundheitliche Versorgung in Bayern sind: Reha vor Pflege und ambulant vor stationär. – Bayern handelt schon immer nach diesen Maximen. Das ist unser Fundamentalsatz, das ist unser Anspruch und unser großes Ziel: Wir wollen eine flächendeckende, also wohnortnahe, qualitativ hochwertige und auf dem neuesten Stand der Wissenschaft befindliche Versorgung, passgenau mit ambulanten haus- und fachärztlichen sowie stationären Leistungen, Leistungen von Heil- und Hilfsmittelerbringern, Reha- und Pflegeeinrichtungen sowie von Apotheken in Stadt und Land gleichermaßen. Das ist das Ziel. (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Nun gibt es Hindernisse auf dem Weg zu diesem Ziel: Das sind der Mangel an Fachkräften, Lieferschwierigkeiten bei den Arzneimitteln und die Hürden bei der Einführung digitaler Tools. An diesen großen Themen arbeiten wir. Das sind wir den Menschen schuldig. Die Herausforderungen sind gewaltig, nicht zuletzt durch den demografischen Wandel, durch den immer weniger Fachkräfte nachkommen. Aber auch der Bedarf auf der Nachfrageseite wächst. Die Kerze brennt in diesem Bereich von beiden Seiten. In dieser Aktuellen Stunde können wir nur Schlaglichter setzen, was wir gemeinsam angehen müssen und werden. Auf die Situation der Krankenhäuser wird beispielsweise Kollege Thorsten Freudenberger eingehen, zur Arzneimittelsicherheit wird Kollegin Carolina Trautner sprechen, und die ambulante haus- und fachärztliche Versorgung wird Kollege Martin Mittag beleuchten. Die Herausforderungen sind gewaltig – bei den Reha-Einrichtungen, insbesondere in den geriatrischen Reha-Einrichtungen, in der ambulanten Pflege und wegen des Fachkräftemangels gerade in der Langzeitpflege. Hier geht es in nächster Zeit um nicht mehr und nicht weniger als darum, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Oben auf der Agenda steht deshalb der Kampf gegen den Fachkräftemangel. Wir müssen dort ansetzen, wo er hausgemacht ist: bei den Ärzten, den Hebammen und den Notfallsanitätern, weil wir dort weniger ausbilden, als wir Bewerberinnen und Bewerber haben. Wir haben schon einiges getan. Aber auf diesem Weg müssen und werden wir weitergehen. Darauf können Sie sich verlassen. Aber unser Augenmerk muss auch und gerade auf den Berufen liegen, in denen die Bewerberzahl zurückbleibt, zum Beispiel bei den medizinischen und zahnmedizinischen Fachangestellten oder im Bereich der Pflege. Wir wollen mehr junge Menschen für den Pflegeberuf ausbilden. Wir wollen Pflegekräfte in ihrem Beruf halten und Pflegefachkräfte zurückgewinnen. Wir wollen den Pflegeberuf aufwerten und Aufstiegsmöglichkeiten schaffen. Jeder und jedem Einzelnen, der sich in unserem Gesundheitswesen engagiert, sind wir außerordentlich dankbar. Vergelts Gott dafür! (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN) Dauerthemen sind der Abbau von Bürokratie, Förderung des Hospiz- und Palliativwesens oder Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Aber im Bereich von Gesundheit und Pflege sind die Herausforderungen so umfangreich, dass hier bitte alle an einem Strang ziehen sollten, um gemeinsam das Bestmögliche für die Menschen zu erreichen. Wir brauchen hier auch die Unterstützung von Bundesseite. Dort wird aber aktuell leider an falscher Stelle Priorität gesetzt. Das Ziel muss doch eine gute Versorgung sein, nicht die Legalisierung von Cannabis zu Rauschzwecken! (Beifall bei der CSU und den FREIEN WÄHLERN)
