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Andreas Keith

AfD 04.06.2025 Sitzungen 18/96

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Zuerst einmal vielen Dank, Herr Rasche. Immerhin, Sie haben den Antrag gelesen, ganz anders als Herr Nettekoven. Na ja, das muss man schon sagen, denn Nachwuchstrainer ist nicht gleich Trainertarif. Also, das haben Sie schon mal verwechselt. Und Frau Durdu, wenn Sie gleich genau zuhören bei meiner Rede, werden Sie feststellen, dass ich Ihnen erkläre, woher wir die 3 Millionen – um mehr geht es ja gar nicht – dann auch nehmen wollen. Ich bitte Sie aber, sich zuerst einmal ein wenig zu konzentrieren, sich zu entspannen. Lehnen Sie sich zurück und versuchen Sie sich Folgendes vorzustellen: Sie sind Landestrainer in Nordrhein-Westfalen, hochqualifiziert, mit einer A-Lizenz, sportwissenschaftlichem Studium, mehrjähriger Erfahrung und verdienen kaum mehr als ein Berufseinsteiger im Schuldienst – und das bei Arbeitszeiten jenseits der 50-Stunden-Woche, häufig ohne Überstundenausgleich, mit befristeten Verträgen und ohne Aussicht auf berufliche Sicherheit. Würden Sie unter diesen Bedingungen arbeiten wollen? Wohl kaum. Das müssen Sie als Landtagsabgeordneter mit einer Diät von über 13.000 Euro brutto, die sich durchschnittlich jährlich wie von Zauberhand um 3,5 % erhöht, inklusive einer luxuriösen Altersvorsorge und einer großzügigen Übergangsregelung beim Ausscheiden aus dem Landtag aber auch nicht. Das sind alles Rahmenbedingungen, die mit dem Alltag von Trainern im Spitzensport nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Dort sieht die Lage nämlich ganz anders aus. In der Anhörung des Sportausschusses im Dezember hat sich dieses Bild bestätigt, vorgetragen von den Sachverständigen aus dem Landessportbund, der Trainerakademie Köln und dem Berufsverband der Trainer. Die Fakten sind nicht neu, aber sie zeigen die massiven Probleme in diesem Berufsfeld. Wie diese Debatte begonnen hat, zeigt, wie Sie sie ignorieren. Nur 18 % der Trainer würden ihren Beruf jungen Kollegen empfehlen. Mehr als zwei Drittel leisten regelmäßig Überstunden, oft zwischen 10 und 30 Stunden wöchentlich, ohne Vergütung oder Ausgleich. Über die Hälfte der Verträge sind befristet oder gar Kettenverträge – eine Zumutung für Menschen mit Familie. Währenddessen verliert Deutschland bei Olympia weiter an Boden – nicht weil unsere Athleten schlechter geworden wären, sondern weil der wichtigste Faktor im Leistungssport, nämlich der Trainer, systematisch vernachlässigt wird. Das hat dann eben Folgen. Nur ein Beispiel von vielen: Richard Trautmann, ein deutscher Top-Trainer im Judo, wechselte vor einigen Jahren nach Aserbaidschan. Warum? (Zuruf von der SPD: Weil es da die AfD nicht gibt!) 04.06.2025 Weil er dort nicht nur 500.000 Euro Prämie pro Goldmedaille erhält, sondern auch hervorragende Arbeitsbedingungen vorfindet. Dieser Trend ist brandgefährlich – nicht nur für den Spitzensport, sondern auch für unseren Nachwuchs. Es wäre geradezu absurd, anzunehmen, dass wir bei Gehältern und Prämien mit den finanzstärksten, ölreichsten Ländern der Welt mithalten können. In dem Rennen kann man nur verlieren. Was wir aber sehr wohl können, ist, mit Hilfe von fairen Arbeitsverträgen für die berufliche Planungssicherheit und angemessene Entlohnung zu sorgen. Allein das würde schon dem ein oder anderen Trainer reichen, um hier zu bleiben und nicht nach China oder in die Wüste auszuwandern. Das sollte eigentlich auch die Landesregierung wissen. Im Koalitionsvertrag zumindest haben CDU und Grüne für Trainer im Nachwuchsleistungssport schließlich einen Tarifvertrag angekündigt. Herr Nettekoven, das war vor drei Jahren. Wenn Sie so weitermachen, können Sie mit dem Thema gegebenenfalls einen neuen Wahlkampf 2027 organisieren. Passiert ist aber, wie in dieser Landesregierung üblich – das ist jetzt mehrfach angesprochen worden –, überhaupt nichts. Dabei haben Landessportbund und Staatskanzlei ein vergütungsnahes Modell vorgelegt. Dieses Modell wird bislang aber nicht umgesetzt, weil – Zitat – das Geld fehlt. Frau Durdu, vielleicht hören Sie ganz kurz zu, bevor Sie hier große Reden schwingen. Jetzt sage ich Ihnen, woher wir das Geld nehmen können, und zwar 3 Millionen Euro in einem Landeshaushalt von 100 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das Wuppertal-Institut für Klima, Quatsch und Hokuspokus, das im Auftrag von Organisationen wie Fridays for Future zweifelhafte Studien zur Klimaneutralität erstellt, erhält vom Land dieses Jahr über 5 Millionen Euro, obwohl es von finanzstarken Geldgebern wie der GLS-Bank mitfinanziert wird. Das Geld ist also da, nur ist Ihnen Ihre Klima-Ideologie wichtiger als die Trainer und Menschen da draußen. Wir von der AfD sagen: Schluss damit, Schluss mit der Finanzierung von immer mehr fragwürdigen Netzwerken, Beiräten, Kommissionen, Beauftragten und Clustern, die der Vernetzung von irgendwelchen zwielichtigen Akteuren dienen, am Ende aber nichts anderes sind als steuerfinanzierte Geldtöpfe für die eigene, Ihre Klientel. Schluss mit immer mehr Meldestellen, die allein in Nordrhein-Westfalen jedes Jahr über eine halbe Million Euro verschlingen, ohne messbaren Nutzen. Wenn Sie endlich den Rotstift ansetzen würden, wäre auch wieder genug Geld für die Trainer da. Der von uns eingebrachte Antrag fordert einen echten Tarifvertrag für Leistungstrainer. Ein echter Tarifvertrag würde nicht nur für gerechte Bezahlung sorgen, sondern auch verbindliche Regelungen zu Arbeits-Landtag zeiten, Vertragslaufzeiten und soziale Absicherung schaffen. Andere Länder gehen längst voran: Niedersachsen, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt haben tarifähnliche Modelle bereits eingeführt. Warum also nicht in NRW? Wir haben die Talente, die nötig sind, um im Spitzensport zukünftig wieder erfolgreich zu sein. Nicht Öl, sondern diese Talente sind unsere Ressourcen. (Beifall von der AfD) Das geht allerdings nur, wenn wir sie auch davon überzeugen, hier bei uns zu bleiben, in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland. Darum fordern wir eben neben dem Tarifvertrag auch schon länger eine höhere Übungsleiterpauschale, damit die Vereine wieder mehr Trainer und Schwimmausbilder gewinnen können. Denn mit jeder vakanten Stelle am Olympiastützpunkt, mit jedem Burnout eines Trainers, mit jedem Wechsel ins Ausland verlieren wir viel mehr als nur Leistung: Wir verlieren Vorbilder, Mentoren, Identifikationsfiguren für unseren Sport und unsere Olympiasieger von morgen. Es ist höchste Zeit, den Menschen, die unsere Sportler zu Medaillenkandidaten und zu Vorbildern formen, endlich den Stellenwert zu geben, den sie verdienen. Denn ohne Trainer keine Erfolge – auch nicht in Nordrhein-Westfalen. – Herzlichen Dank. (Beifall von der AfD)

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