Zacharias Schalley
Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Die FDP will wieder der Zeit voraus sein und malt uns ein futuristisches Szenario über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Schweinestall. Schweine in der Matrix? Ich glaube, so weit sind wir Gott sei Dank noch nicht. Die Problemanalyse teilen wir durchaus. Die industrialisierte Massentierhaltung geht mit Problemen einher, derer man bisher nicht abschließend Herr werden konnte. Schwanzbeißen bei Schweinen als nur eines dieser Probleme entsteht durch ein Zusammenspiel von Überbelegung, unzureichender Beschäftigung und ungünstigem Stallklima. Doch all diese Probleme entstehen erst, weil ein Schweinehalter nicht anders wirtschaften kann, ja die Tiere nicht anders halten kann, wenn der Betrieb finanziell halbwegs rentabel sein soll. Platt gesagt: Er muss den möglichst kleinen Stall mit möglichst vielen Schweinen vollpacken, damit er wirtschaftlich über Wasser bleiben kann. Investitionen in mehr Mitarbeiter oder schlicht Auslauf, die Möglichkeit zum Wühlen und Suhlen draußen, ja selbst eine engmaschigere Anwesenheit im Stall ist angesichts von Personalkosten, Investitionsdruck, Verwaltungsaufwand oder schlicht Flächenpreisen einfach nicht drin. Die Politik verlangt von der Landwirtschaft die Quadratur des Kreises: günstige Lebensmittel bei immer höheren Tierwohlstandards. „Die Zukunft ist jetzt, alter Mann“, ruft die FDP also dem traditionsreichen Bauernstand entgegen und meint: „Digitalisiere oder 04.06.2025 weiche.“ Doch tatsächlich reden wir hier lediglich von Symptombekämpfung. Was für den geistig Unbedarften wie eine tolle und sinnvolle Innovation erscheint, verkennt die Probleme hinter solch einem Verständnis von Landwirtschaft. Brauchen – oder vielmehr: wollen – wir wirklich den Great Reset im Stall? Oder forcieren wir damit nicht eine Tendenz, die Martin Heidegger in seinem Vortrag über die Allmacht der Technik kritisch als „das Gestell“ bezeichnete? Wollen wir eine Landwirtschaft, eine Viehhaltung, die sich vom bäuerlichen Familienbetrieb zur biologischen Industrie wandelt? Wollen wir Bauernhöfe oder Agrarfabriken? In der Agrarfabrik wird das Tier als reine Umwandlungsmaschine von nicht verkäuflichen Gütern in verkäufliche Ware angesehen. Der Wert eines Tieres ist dann hoch, wenn es mit möglichst wenig Futter, möglichst geringem Arbeitsaufwand und möglichst günstigen Investitionen bei gleichzeitig wenig Platzbedarf und in möglichst schneller Zeit umso mehr Kilo Fleisch, umso mehr Liter Milch und möglichst viele Eier produziert. Ist die KI im Stall vor diesem Hintergrund nicht nur ein weiteres Mittel, um möglichst viel aus den Tieren herauszuholen? Und was bedeutet das eigentlich für die Tiere? Dann sind die Zuchtkriterien nicht mehr nur „Leistungssteigerung“ oder „effiziente Futterverwertung“, die schon jetzt zur Entartung bei vielen industriellen Nutztierrassen geführt haben. Genannt sei hier nur beispielhaft die Beinschwäche von Masthühnern, welche dadurch verursacht wird, dass das junge Skelett nicht mit dem enormen Muskelwachstum mithalten kann. Mit dem vermehrten Einsatz von KI werden weitere Kriterien hinzukommen, die ebenso unnatürlich für die Tiere sind. Wie verträglich sind die Tiere mit der KI und der Sensorik nicht nur am Tier, sondern auch im Tier? Verträgt die Kuh den Sensor in ihrem Verdauungstrakt? Reißen sich die Tiere die Sensorik herunter? Oder wie verhalten sich die anderen dem verdrahteten Artgenossen gegenüber? Das alles sind ethische Fragen und Fragen des Tierschutzes, auf die die FDP keine Antwort gibt – was ja auch logisch ist, weil sie sich nicht einmal diese Fragen stellt. In naivem Progressismus glauben Sie an digitalisierte und technisierte Lösungen für Probleme, die Sie selbst erst geschaffen haben. KI ist kein neutrales Werkzeug mehr, sondern ein Dogma. Wer darauf setzt, wie die FDP es tut, reduziert alles – Tiere, Pflanzen, Landschaften – lediglich auf Funktion, Effizienz und Verfügbarkeit. In dieser Welt des Heidegger’schen „Gestells“ ist alles zur entseelten Verfügungsmasse degradiert. Das Nutztier unter dem KI-Regime wird endgültig zum reinen Bestand, seiner eigenen Natur, seinem Eigenwert, ja seiner Würde als Lebewesen beraubt. All diese vermeintlichen Lösungen sind Symptome für Landtag die Entkoppelung des Menschen von der Natur und seinen natürlichen Lebensgrundlagen. Die Endstufe der Transformation im Stall ist das Schnitzel aus der Petrischale. In der schönen neuen Welt wird das Euter nicht mehr an der Kuh hängen, sondern in einer biochemischen Apparatur. Und der Landwirt ist nicht mehr Bauer, sondern Informatiker oder Bioingenieur. Wollen wir das ernsthaft? Wir als AfD sagen: Ein Bauer gehört in den Stall und nicht in den Serverraum. Was wir brauchen, ist ein Ausbruch aus diesem technischen „Gestell“, vor dem schon Heidegger warnte. Wir brauchen eine Kehre, die den Menschen wieder mit seinen natürlichen Lebensgrundlagen versöhnt. Darum stimmen wir der Überweisung natürlich zu. Aber inhaltlich lehnen wir diesen Antrag ab. Und wer von dieser Kehre lesen möchte, der abonniert das gleichnamige Magazin. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
