Bianca Winkelmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass wir hier im Landtag über das wichtige Thema „Zukunft der Landwirtschaft“ sprechen, freut uns immer sehr. Denn keine andere Branche sorgt für die Lebensgrundlage aller Menschen in Nordrhein-Westfalen, in Deutschland und weltweit wie die Landwirte. Sie sorgen im wahrsten Sinne des Wortes für unser täglich Brot, und das an 365 Tagen im Jahr. (Beifall von der CDU) Daher waren wir zunächst auch sehr erfreut über einen Antrag zur Tierhaltung. Bei näherer Betrachtung des FDP-Antrags stellt sich aber die Frage: Was soll uns dieser Antrag sagen? Was soll er erreichen? In welche Richtung soll es gehen, in die wir nicht schon längst unterwegs sind? Liebe Kolleginnen und Kollegen, fangen wir hinten an. Die Erläuterungen in der Prosa beschreiben ja richtig, was im Moment schon an vielen Stellen in der Landwirtschaft entsteht und weiterentwickelt wird. Schauen wir also auf die Forderungen. Unter anderem fordern Sie, gezielt Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur KI-gestützten Prävention von Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen zu unterstützen, insbesondere in Zusammenarbeit mit Hochschulstandorten. Liebe Kolleginnen und Kollegen der Freien Demokraten, ihr seid offenbar schon länger nicht mehr auf Haus Düsse gewesen. Stichwort „KISS“, das Kürzel steht für „KI gegen Schwanzbeißen bei Schweinen“ und ist in Bad Sassendorf von Frau Dr. Dahlhoff in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Landtag Informationstechnik etabliert worden. Und die Forschung geht weiter. Im Projekt KISS wurde ein Supportsystem konzipiert und entwickelt, das anhand des Verhaltens von Schweinen bei drohendem Schwanzbeißen warnt. Hierfür kommen Verfahren des Deep Learning zum Einsatz, KI pur sozusagen. Mithilfe des Früherkennungssystems sollen Tierhalterinnen und Tierhalter gewarnt werden und ein frühzeitiges Eingreifen ermöglicht werden, um das Tierwohl zu steigern, Verletzungen zu verhindern und auch ökonomische Verluste zu reduzieren. (Ralf Witzel [FDP]: Was haben Sie denn dage- gen? – Zuruf von der CDU: Nichts, gibt es halt schon alles!) – Das, was Ihr fordert, gibt es halt schon alles. Zuhören! In Kooperation unter anderem mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Osnabrück als führendem Projektpartner zeichnet sich das Haus Düsse auch verantwortlich für das Projekt smartMILC, Smart Multisensor Integration for Livestock Care. Hier werden mithilfe von speziellen Kameras im Kuhstall verschiedene Anwendungsfälle aus den Bereichen „Tierwohl“, „Management“ und „Arbeitsorganisation“ analysiert. Während die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Haus Düsse aufgrund der Ausstattung sicher den eher fachlich-praktischen Teil verantworten, arbeitet man auf der anderen Seite also bereits seit Langem mit Wissenschaft und Forschung zusammen. Die Impulspapierreihe der Kompetenzplattform KI.NRW setzt ebenfalls schon lange auf das Thema „Landwirtschaft“. Auch diese Forderungen im Antrag sind in NRW also schon längst in die Praxis umgesetzt worden. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft DLG stellte bereits im Sommer 2024 fest, dass jeder zehnte Betrieb jetzt schon KI einsetzt. Schon heute kommen in Schweineställen zunehmend KI-basierte Systeme zum Einsatz, die die Gewichtserfassung von Schweinen, die Überwachung von Geburten sowie die Analyse von Lautäußerungen der Tiere ermöglichen. Bereits seit 2020 fördert das BMEL die Themen des KI-Einsatzes in der Landwirtschaft, vom Einsatz im Pflanzenbau über die Nutztierhaltung bis hin zum Thema „Lebensmittelüberwachung“. Diese Beispiele zeigen, dass wir in Nordrhein-Westfalen bereits vieles angestoßen haben. Ich will den Antrag aber nicht schlechtreden, hat er mir doch die Gelegenheit gegeben, den Kolleginnen und Kollegen hier im Hohen Haus aufzuzeigen, was bereits alles passiert und was sich in der Umsetzung befindet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wir glauben, dass die Landwirtschaft vor einer KI-Revolution steht. Gerade deshalb sollten wir uns mehr denn je zur Freiheit im Denken, Forschen und Handeln bekennen. 04.06.2025 Starre Förderprogramme würden doch zum jetzigen Zeitpunkt Innovationen ausbremsen. Das gilt es unbedingt zu verhindern. Ich denke, da sind wir uns auch einig. Lassen Sie uns also gerne im Ausschuss weiter diskutieren. Die Bäuerinnen und Bauern in Nordrhein-Westfalen haben es verdient. Wir werden uns weiterhin mit aller Kraft für die Zukunft der Landwirtschaft einsetzen. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
