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Tülay Durdu

SPD 04.06.2025 Sitzungen 18/96

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sport im Verein macht Spaß, ist gesund und stiftet Zusammenhalt. Gerade jetzt erleben wir einen echten Sportboom. Über 5 Millionen Menschen in NRW sind Mitglied im Sportverein – mehr als je zuvor. Es könnte eine Erfolgsgeschichte werden, aber es gibt einen Haken. Denn unsere Sportstätten sind vielerorts marode und sanierungsbedürftig. Das Deutsche Institut für Urbanistik hat im Auftrag der KfW bundesweit Kommunen befragt. 59 % sehen bei Sporthallen einen gravierenden oder nennenswerten Investitionsrückstand; bei Hallenbädern sind es sogar 62 %. Über 40 % der Kommunen müssen Sportangebote absagen, weil die Infrastruktur versagt. Im Durchschnitt wollen die befragten Kommunen in den nächsten drei Jahren 16 % der Freibäder, 15 % der Eissporthallen und 14 % der Hallenbäder schließen. Auch der Präsident des Landessportbunds, Stefan Klett aus dem schönen Oberbergischen Kreis und CDU-Mitglied dort im Rat, hat diese Ergebnisse für NRW bestätigt. Landtag Besonders dramatisch ist die Lage bei den Bädern. Im Jahr 2001 gab es in NRW noch 1.401 Hallen-, Frei- und Kombibäder, 2015 waren es 842, 2025 sind es nur noch 714. Das ist ein Rückgang um fast 50 %. Und was kommt vom Land? Fünf Schwimmcontainer für ganz NRW, fünf Container, die kein einziges Bad ersetzen. Ich habe mir eben die Zahlen herausgeschrieben. Nach dem Statistischen Landesamt für Nordrhein-Westfalen gibt es zurzeit 700.000 Grundschüler. (Christian Loose [AfD] führt ein Gespräch.) – Herr Loose, können Sie Ihre Gespräche vielleicht draußen führen? Es stört tierisch. Sorry. (Beifall von der SPD, den GRÜNEN und Matthias Kerkhoff [CDU]) Für diese 700.000 Grundschüler wurden zur Lösung fünf Container zur Verfügung gestellt. Ohne Schwimmflächen lernt niemand schwimmen. Ohne Bolzplätze kommt kein Ball ins Tor. Ohne Sportstätten gibt es keinen Sport, keine Gemeinschaft und keine Gesundheit. Das dürfen wir nicht zulassen. (Beifall von der SPD – Christian Loose [AfD] führt weiterhin ein Gespräch.) – Der redet einfach weiter. Das ist ein sportpolitischer Offenbarungseid. Das Schicksal der Sportstätten ist direkt mit der katastrophalen finanziellen Lage unserer Kommunen verknüpft. Nur 16 von 430 Kommunen in NRW konnten im Jahr 2024 ihre Ausgaben mit eigenen Einnahmen decken. Das landesweite Finanzierungsdefizit beträgt 6,8 Milliarden Euro. Dieser historische Höchststand hat Folgen: Der Fußballplatz wird zur Wiese, das Schwimmbad schließt, und in die Sporthalle regnet es herein. Denn investiert wird schon lange nicht mehr. Schon im Jahr 2023 hat der Städte- und Gemeindebund NRW ausgerechnet, dass für die Modernisierung der Sportstätten 13 Milliarden Euro gebraucht würden. Doch den Kommunen fehlt das Geld, und die Sportpauschale des Landes reicht bei Weitem nicht aus. Die Folge: Wir zehren 2025 im Breitensport noch immer von den Sportstättenoffensiven der 60er- und 70er-Jahre. Die Substanz ist aufgebraucht. Das ist auch Ihre Verantwortung, Herr Wüst. Das Land muss die Kommunalfinanzierung vom Kopf endlich wieder auf die Füße stellen. Erst vergangene Woche hat NRW seine Bewerbung für die Olympischen Spiele vorgestellt – ein ambitioniertes Projekt, das verpflichtet. Ministerpräsident Wüst hat versprochen, den Breitensport mitzudenken. Wir nehmen Sie beim Wort, Herr Wüst. 04.06.2025 Erstens. Legen Sie das Förderprogramm „Moderne Sportstätte“ wieder auf, und öffnen Sie es für kommunale Anlagen. (Vereinzelt Beifall von der SPD) Zweitens. Starten Sie eine umfassende Erhebung des Sanierungsbedarfs in ganz NRW. (Zuruf von Dr. Gregor Kaiser [GRÜNE]) Drittens. Geben Sie dem Breitensport das zurück, was er verdient: Planbarkeit, Infrastruktur und echte Wertschätzung. Herr Wüst, durch das überfällige Sondervermögen des Bundes erhält auch NRW viel Geld. (Ralf Witzel [FDP]: Ist noch gar nicht da!) Nutzen Sie es für die Kommunen und den Sport. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)

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