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Carmen Emigholz

07.10.2025 Sitzungen 21/28

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr geehrter Herr Abgeordneter Humpich! Für den Senat beantworte ich die Anfrage wie folgt: Zu Frage 1: Es gibt mehrere komplex zusammenhängende Gründe für die deutliche Überschreitung des planmäßigen Verbrauchs der vor allem während der Pandemie aufgebauten Rücklagen. Insbesondere liegen die Umsätze weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. Zudem wurde die Zahl der Beschäftigten erhöht, und es fielen hohe Kosten für Fremdpersonal und Aushilfen an, einerseits zur Kompensation von Krankheitsfällen im Orchester, mit denen die Spielfähigkeit gesichert wurde, andererseits fallweise Orchesterverstärkungen bei großem Repertoire für die Verpflichtung hochklassiger und damit preisintensiver Solistinnen und Dirigentinnen. Zudem lagen weitere inflationsbedingte Kostensteigerungen erheblich über dem noch im Jahr 2022 prognostizierten Niveau. Mit dem Umzug in das Tabakquartier war zudem die Erwartungshaltung verbunden, die Umsätze durch die vorgesehenen Inhousekonzerte und weitere Veranstaltungen zu steigern. Nach dem Weggang des früheren Intendanten im Herbst 2022, der maßgeblich diese Idee verfolgt hat, hat sich die Nachfrage nach Konzerten und Fremdveranstaltungen jedoch erst zögerlich und noch nicht wie im ursprünglichen Maße angedacht eingestellt. Außerdem musste, um Eigenveranstaltungen und Hausvermietungen zu ermöglichen, zunächst Personal im Organisationsbereich, Technik und Hausmeister eingestellt werden. Die erhoffte Nachfrage stellt sich erst mit einiger Verzögerung ein. Die Bemühungen, vor allem im Bereich der Eigenveranstaltungen, sollen ausgebaut werden. Um künftig derartige Planabweichungen zu vermeiden, haben die Bremer Philharmoniker Maßnahmen definiert, deren positive Auswirkungen beginnend mit der Spielzeit 2025/2026 erwartet werden. So werden die Personalzahlen im Rahmen der rechtlichen und praktischen Möglichkeiten unverzüglich angepasst. Zudem wird die eigentlich mittelfristig avisierte Anschaffung von neuer EDV-Technik und orchesterspezifischer Planungssoftware auf das kommende Haushaltsjahr vorgezogen. Zudem werden interne Prozesse weiter optimiert, Besetzungsgrößen in Konzerten und Opernvorstellungen angepasst und Sachkosten reduziert. Um daneben die Einnahmen zu steigern, wurden die Eintrittspreise erhöht und eine umfassende Marketingkampagne aufgesetzt. Zu Frage 2: Die ab 2026 erforderlichen Mittel wurden für den Haushalt entsprechend zusätzlich berücksichtigt und sinken in der Folge von Spielzeit zu Spielzeit ab. Kürzungen an der Stelle zugunsten der Philharmoniker werden nicht vorgenommen. Die Bremer Philharmoniker haben sich zur Rückführung der überplanmäßigen Überschreitungen bereit erklärt, diese soll auch nach erfolgreicher Konsolidierung in angemessenen Stufen mittelfristig erfolgen. Der Senator für Kultur beabsichtigt, hierzu wie auch in der Vergangenheit eine verlässliche Zielvereinbarung – vormals hieß das Instrument Kontrakt – mit den Bremer Philharmonikern abzuschließen. Zu Frage 3: Der Senat bekennt sich gleichermaßen zu den Bremer Philharmonikern als Staatsorchester mit mehr als einer 200-jährigen Tradition und zur vielfältigen bremischen Kulturlandschaft. Die Zuschüsse im Haushalt sind berücksichtigt und gehen schon deshalb nicht zulasten anderer Kultureinrichtungen und -akteure. Die strukturelle Verschiedenheit zwischen staatlichen und freien Kulturträgern ist ein wesentlich befruchtendes Merkmal einer bremischen Kulturlandschaft. Die Bremer Philharmoniker haben sich in dieser Hinsicht immer solidarisch gegenüber der freien Szene gezeigt, werden deshalb ihre Planüberschreitungen schrittweise zurückführen und in eigener Verantwortung dafür sorgen, die notwendigen internen Veränderungsprozesse zu gestalten. Der Senator für Kultur wird diesen Weg eng begleiten und die Interessen der anderen Einrichtungen und Akteure dabei jederzeit im Blick behalten. – So weit die Antwort des Senats!

Alle Reden von Carmen Emigholz Protokoll (PDF) ↗