Dr. Claudia Schilling
sehr geehrten Damen und Herren! Für den Senat beantworte ich die Anfrage wie folgt: Zu Frage 1: Über die Zahl obdachloser Jugendlicher oder Sofahopper in Bremen liegen dem Senat keine Erkenntnisse vor. Der Senat geht davon aus, dass Jugendliche aus dieser Gruppe oftmals eine Meldeadresse haben, aber keinen festen Aufenthaltsort. Bekannt ist die Zahl minderjähriger Hilfesuchender bei der Zentralen Fachstelle Wohnen, ZFW. Sie liegt konstant niedrig bei einer bis zwei Personen im Jahr. Deutlich mehr sind es in der Altersgruppe 18 bis 20. Bei den Frauen waren es 67 im Jahr 2023 und 47 im Jahr 2024. Unter den jungen Männern haben 75 Personen im Jahr 2023 um Unterstützung bei der ZFW gebeten, im Jahr 2024 waren es 68. Zu Frage 2: Die Streetworkteams des Vereins zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit und die Drogenhilfe treffen nur vereinzelt auf Jugendliche und Heranwachsende, die zu Hause nicht mehr leben können oder wollen, vornehmlich auf junge Männer. Minderjährige werden dabei selten angetroffen, sie gelten als schwer erreichbar für die Straßensozialarbeit. Eine geschlechtsspezifische Ausrichtung der Angebote findet einzelfallbezogen statt und betrifft die Beratung wie auch medizinische Versorgung. Statistische Daten liegen dazu nicht vor. Das vorhandene Angebot an Notschlafstellen und Unterkünften wird von männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden häufig gemieden, weil sie nicht mit Älteren gemeinsam untergebracht werden wollen. Mädchen und junge Frauen geraten in Notlagen oft in Abhängigkeit oder verbleiben eher in belastenden Familiensituationen, als sich an die ZFW oder ein Frauenhaus zu wenden. Die medizinische Grundversorgung ist in Bremen grundsätzlich gesichert, zum Beispiel über das Gesundheitsamt oder den Verein zur medizinischen Versorgung Obdachloser. Psychosoziale Angebote stehen zwar zur Verfügung, sind jedoch nicht immer altersgerecht oder unmittelbar zugänglich. Zu Frage 3: Statistiken zum Drogenkonsum minderjähriger Obdachloser existieren nicht. Drogenhilfeangebote in Bremen stehen auch jungen Menschen offen. Für junge Frauen gibt es ein spezialisiertes Angebot, das medizinische Hilfe mit sozialer Beratung verbindet. Im Jahr 2024 hat die Jugendambulanz „Escape“ sieben Minderjährige wegen riskanten Drogenkonsums beraten. In keinem dieser Fälle wurde Obdachlosigkeit festgestellt. – So weit die Antwort des Senats!
