bremische-buergerschaft.de ↗

Dr. Franziska Tell

GRÜNE 23.09.2026 Sitzungen 21/37

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleg:innen! Wir haben jetzt schon viel gehört. Aber was diskutieren wir eigentlich heute? Wir diskutieren über die Bildung in Bremen, wir diskutieren, wie gesagt wird, wie immer über den letzten Platz. Wir diskutieren – das wurde heute auch schon dargestellt – über Daten, über die wir auch an anderen Stellen schon immer wieder diskutiert haben, weil es keine neuen Daten sind. Natürlich ist es nicht überraschend, dass die Daten aus den letzten Jahren, die in den letzten Jahren schon den letzten Platz ergeben haben, jetzt immer noch den letzten Platz ergeben. Von daher möchte ich jetzt gar nicht so sehr darauf eingehen, sondern finde ich viel wichtiger, dass wir auch mal nicht immer nur über die Defizite, sondern über Lösungen sprechen, über das, was wir angehen müssen, das, was wir angegangen haben, aber eben auch über die Schritte, die vor uns liegen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Qualitätsoffensive, die wurde jetzt auch schon kurz angesprochen. Es wurde auch schon angesprochen, dass auch die Bundesministerin das durchaus anerkennt, dass es diese Qualitätsoffensive gibt und dass da viele gute Punkte drinstecken. Da stecken eben viele gute Punkte drin, die jetzt natürlich in die Umsetzung kommen müssen. Wir haben da in den letzten Jahren den richtigen Weg eingeschlagen, wie ich finde, aber natürlich sind wir noch lange nicht am Ziel. (Abgeordnete Yvonne Averwerser [CDU]: Seit 25 Jahren!) Der Bereich der Qualitätsentwicklung ist hier in meinen Augen ein ganz entscheidender. Das Institut für Qualität in Bremen ist jetzt endlich am Start. Es wurde vor einigen Jahren gegründet, es wird auch weiter ausgebaut und erhält jetzt auch immer mehr Kompetenzen und die Befähigung, die Daten auch in die Umsetzung zu bringen. Denn wir wissen, wie die Situation ist, wir wissen den Stand der Schüler:innen und wir wissen auch aus einigen Schulen, dass es Projekte gibt, dass es Methoden gibt, die dafür sorgen, dass die Schüler:innen wirklich Bildungserfolge erfahren können. Genau dieses Wissen müssen wir jetzt an anderen Schulen in die Anwendung bringen, damit es eine Breite erhält, um wirklich alle Schüler:innen zu unterstützen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Auch im Bildungsmonitor werden übrigens die Chancen, die darin stecken, benannt, ebenso die Chancen, die in der Sprachförderung stecken. Auch hier haben wir uns in den letzten Jahren ganz klar auf den Weg gemacht, haben immer mehr Fokus darauf gelegt, die Sprachförderung von Anfang an zu starten, haben das jetzt auch noch einmal gestärkt, dass es wirklich noch stärker verpflichtend ist mit der Kitasprachförderung bei entsprechenden Testergebnissen, und haben hier natürlich ganz großes Potenzial, dadurch, dass es jetzt ausreichend Kitaplätze gibt für alle Kinder, die angemeldet sind, und müssen jetzt noch mehr dafür tun, dass wirklich alle Kinder auch in die Kita kommen, und zwar so früh wie möglich. Denn natürlich reicht es nicht, wenn ein Kind bei entsprechendem Sprachtest ein Jahr vor Beginn der Schule in die Kita kommt, sondern es muss so früh wie möglich, drei, vier Jahre vor der Einschulung, in die Kita kommen. Da müssen wir dringend noch mehr nachlegen, dass wir wirklich alle Kinder erreichen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, Die Linke) Auch im FDP-Antrag, den wir hier prinzipiell debattieren, der aber gerade in der Debatte doch eher hinten runtergefallen ist, wird aufgemacht, dass es eine Lösung gibt, um die Förderung voranzubringen, und ich finde den Gedanken, der dahintersteht, gar nicht schlecht. Aber Herr Voigt, Sie haben in Ihrer Rede auch gesagt, dass es gar keine Ressourcen braucht, und das finde ich ehrlich gesagt bei einem Antrag, in dem steht, dass überall mehr Förderung eingebracht werden soll, dass das alles wissenschaftlich evaluiert werden soll, und zwar sehr intensiv, eine etwas schräge Darstellung. Von daher finde ich die Idee, die dahintersteckt, gut, aber in der aktuellen Haushaltslage ist das eben nicht einfach so mal eben zu leisten, (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Das geht ja sonst auch nicht!) sondern der Fokus muss erst einmal darauf liegen, das, was wir auch schon diskutiert haben, das Personal in die Schulen zu bringen, (Abgeordneter Ole Humpich [FDP]: Aber eine LADS einsetzen für 500 000 Euro!) um einen guten Unterricht zu gewährleisten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD) Ich möchte zum Abschluss auch noch mal den Hinweis geben, dass wir, wenn wir uns diesen Bildungsmonitor angucken, durchaus auch alles in den Blick nehmen sollen, dass nicht nur gesagt wird, was alles schlecht läuft, sondern dass dort auch dargestellt wird: Bremen ist in der MINT- und Hochschulbildung total gut. Bremen ist übrigens auch, was den Betreuungsschlüssel in Schulen angeht, was die Klassengrößen angeht, ziemlich gut aufgestellt. Das ist eine gute Voraussetzung, um die Qualitätsentwicklung jetzt dort gezielt voranzutreiben, damit wir dann in Zukunft von diesem letzten Platz wegkommen. – Vielen Dank! (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, Die Linke)

Alle Reden von Dr. Franziska Tell Protokoll (PDF) ↗