Holger Fricke
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Der aktuelle Bildungsmonitor ist eine Katastrophe. Unser Bundesland ist mal wieder auf dem letzten Platz. Kein anderes Bundesland fällt in dem Bildungsranking so stark zurück wie Bremen. Unser Bildungslevel ist im freien Fall. Doch was sind die Gründe dafür, meine Damen und Herren? In Bremen herrscht eine Armutsquote von über 33 Prozent. Das heißt, 194 000 Bremerinnen und Bremer bekommen weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens. Für Alleinstehende sind es unter 1 446 Euro im Monat. Mit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 wanderten Menschen aus bildungsfernen Schichten in unser Bundesland ein, unter ihnen besonders viele Menschen aus Syrien, aus Afghanistan, aus dem Irak. Viele der oft strenggläubigen Muslime weigern sich, ihre Kinder in die Kita zu bringen, weil es dort Räume für frühkindliche Sexualität geben soll und weil dort Transsexuelle regelmäßig die Kleinsten über ihr Sexualleben informieren sollen – Legenden, die in der muslimischen Community die Runde machen, die das Misstrauen gegen staatliche Früherziehung der Kleinen schüren. Mitarbeiter der Sozial- und Bildungsbehörde leisten besonders in den Stadtteilen mit hohem Migrationsanteil Schwerstarbeit, um diese Gerüchte auszuräumen. Doch 1 700 Kitaplätze sind in Bremen nicht besetzt. Leidtragende sind die Kinder. 49 Prozent der Erstklässler in Bremen haben erhebliche Sprachprobleme. In Bremerhaven sind es über 58 Prozent der Vorschulkinder. Der PRIMO-Sprachtest mit einer gesetzlich verpflichtenden Sprachförderung soll Abhilfe schaffen. Hoffentlich. Ein weiteres Problem: Immer weniger junge Menschen haben Lust auf den Lehrerberuf. Schon jetzt fehlen rund 200 Lehrkräfte in unserem Land. Allein in Bremerhaven herrscht ein akuter Mangel von 100 Lehrkräften. Außerdem gibt es einen hohen Krankenstand. Viele Pädagogen leiden unter Burnout, weil sie mit der Situation überfordert sind und weil ihnen der Rückhalt fehlt. Meine Damen und Herren, ein weiterer Grund ist die Inklusion. Die ideologische Gleichmacherei aller Schüler ist in Bremen krachend gescheitert. 5 900 Bremer Schüler haben einen Förderbedarf. (Zuruf Abgeordneter Tim Sültenfuß [Die Linke]) Demgegenüber fehlen Schulassistenten und persönliche Begleiter für die betroffenen Kinder, die es zu einem Erfolg machen sollen. Im letzten Jahr blieben 180 Stellen unbesetzt. Herr Staatsrat, wir von der BA-Gruppe appellieren an Sie: Kehren Sie zurück zur Förderschule! Kehren Sie zurück zu geschützten Orten für die betroffenen Schüler, für die dringend erforderlichen Pädagogen. Machen Sie die Schulen zu Orten, an denen sich alle wohlfühlen, damit der Lehrerberuf wieder attraktiv wird! Mit dem ideologischen Festhalten an den Gegebenheiten bleiben wir leider ewiges Schlusslicht. Dem Antrag der FDP werden wir zustimmen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall BA-Gruppe)
