bremische-buergerschaft.de ↗

Christine Schnittker

23.09.2026 Sitzungen 21/37

Meine Damen und Herren, bevor wir weitermachen, möchte ich auf der Besuchertribüne ganz herzlich die Klasse 9d der Oberschule Findorff begrüßen. Wer ist das? – Seid herzlich willkommen! (Beifall) Als Nächste hat jetzt das Wort die Abgeordnete Julia Tiedemann. Abgeordnete Julia Tiedemann (BIW): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kollegen, liebe Gäste! Als Allererstes ein ganz wichtiger Appell voraus: Sichern Sie zunächst die Schulbildung! Holen Sie unsere Kinder bitte endlich aus dem Bildungsghetto heraus! (Beifall BIW) Warum sage ich das so deutlich? In jeder Bürgerschaftssitzung haben wir mindestens ein Thema, das sich mit unserem schlechten Bildungssystem beschäftigt. Wir reden hier und reden hier und reden hier. Wir appellieren an Sie: Es gibt Statistiken, Gutachten, Bildungsmonitore ohne Ende. Wir schneiden immer schlecht ab, und trotzdem, trotzdem bleiben Sie dabei, einem riesigen Wust an Programmen, statt sich dem Kernproblem zu widmen. Ein riesiger Wust an Geldausgaben ohne wirkliche Priorisierung, ein Wust an Systemprojekten hier und Schulversuchen da, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was bisher funktioniert hat. (Abgeordneter Piet Leidreiter [BIW]: Genau! – Beifall BIW) Heute ist es der INSM-Bildungsmonitor. Immer wieder hört man von Ihnen: Ja, in Bremen, da gibt es schwere Voraussetzungen, wir haben es hier halt nicht leicht, wir haben mit Problemen zu kämpfen, und die kriegen wir nur sehr schwer in den Griff, weil das Ganze ist, wie es ist. Da können Sie in der Bildungsdeputation schauen oder hier in die Protokolle, das ist hier eigentlich ein Standardsatz. Wenn man sich allerdings mal den INSM-Bildungsmonitor anschaut, stellt man fest, dass wir sogar bei einigen Bereichen gar nicht so schlecht abschneiden. Betreuungsbedingungen: Platz 1. Bereich Hochschule, MINTFächer: Platz 2. Digitalisierung: Platz 4. Zeiteffizienz: Platz 5. Aber Schulqualität und Bildungsarmut jeweils letzter Platz, meine Damen und Herren. Die vorhandenen Ressourcen kommen nämlich nicht so an, wie sie ankommen müssten. Ja, die soziale Lage muss anerkannt werden, aber sie kann nicht weiterhin als Ausrede dienen, meine Damen und Herren. (Beifall BIW) Bei den Grundschulen ist es zum Beispiel so, dass von dem Geld etwa 85,9 Prozent in Bremen ankommen, beim Bund sind es 107,4 Prozent. Wir sind also auch da wieder mal unter dem Durchschnitt. Das greift das auf, was ich eben sagte: Das Geld wird nicht effektiv und sinnvoll ausgegeben, sondern es wird zu sehr gestreut. Es wird zu sehr mit der Gießkanne gearbeitet, anstatt zu schauen, was funktioniert. Und, das machen wir ja auch schon eine ganze Weile nicht mehr, es wird nichts – –, sinnlos neue Programme, neue Projekte, neue Modellvorhaben, neue Stellen automatisch fortschreiben und so weiter und so fort. Von daher finden wir den Antrag der FDP auch gut und den werden wir auch unterstützen, denn es geht darum zu schauen, was funktioniert: Es hat sich bereits in einem anderen Bundesland bewährt? Wir wollen schauen, ob wir das hier entsprechend adaptieren können, und dafür machen wir nicht gleich Knall auf Fall – –. Wir setzen das hier nicht eins zu eins um und dann gucken wir mal, wie das dann mit allen Schülern in ein paar Jahren ausschaut, sondern nein, wir gucken, ob das passt. Können wir das bei uns überhaupt so anwenden, hat das einen Sinn für uns hier in Bremerhaven und Bremen? Dann wird evaluiert. Das ist nämlich das größte Problem bei all den Projekten und Maßnahmen, die wir haben: Das meiste wird gar nicht evaluiert und das ist reinste Geldverschwendung, meine Damen und Herren. (Beifall BIW) Was ebenfalls wichtig ist, ist, die Grundschule mehr zu stärken, nämlich den Lehrern, den Eltern, den Schulleitern den Rücken zu stärken. Schüler müssen vor Antritt in die Schule ausreichende Deutschkenntnisse haben, meine Damen und Herren, sonst ist jede Stunde, die sie im Unterricht sitzen, absolut vergeudet. Ihre Zukunft wird damit festgeschrieben, bevor sie überhaupt begreifen, worum es beim Unterricht geht, denn sie verstehen nicht ein Wort. (Beifall BIW) Von daher kommen Sie bitte weg von der Symbolpolitik und orientieren Sie sich bitte an dem, was wir wollen: an den Zielen, an den zu wünschenden Ergebnissen und nicht daran, was auf dem Papier nett aussieht, irgendeine neue Offensive, irgendein neues Konzeptpapier und, und, und. Es braucht keine schönen Papiere, es braucht Lesen, Schreiben, Rechnen. Es braucht vergleichbare Diagnostiken in den zentralen Jahrgängen. Es braucht individuelle Förderpläne bei festgestellten Defiziten und, und, und. Wir brauchen sehr viel, aber bitte stellen Sie doch auch mal die Ziele in den Vordergrund und nicht nur die Maßnahme selbst, meine Damen und Herren! (Beifall BIW) Seit Jahren hören wir immer wieder dieselben Phrasen: Bildung habe höchste Priorität, man werde nachsteuern, man habe ein Konzept vorgelegt, man starte ein neues Programm, man setzte eine Arbeitsgruppe ein. Dann kommt die nächste Studie, der nächste Bericht, die nächste Aktuelle Stunde mit denselben ernüchternden Ergebnissen. Von daher, mein letzter Satz jetzt, bitte ich Sie inständig, helfen Sie unseren Kindern! – Vielen Dank! (Beifall BIW)

Alle Reden von Christine Schnittker Protokoll (PDF) ↗