Dr. Claudia Schilling
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Die Debatte hat uns eines deutlich vor Augen geführt: Kinder, die mit einem psychisch erkrankten oder suchterkrankten Elternteil aufwachsen, erleben oftmals besondere Herausforderungen im familiären Alltag. Dazu gehören beispielsweise Phasen der Unsicherheit, Belastungen oder auch sozialer Rückzug. Eine bedarfsgerechte Unterstützung ist daher von besonderer Bedeutung, und ich glaube, da sind wir uns alle einig. Die jungen Menschen erleben Belastungen, die für ihre Entwicklung gravierend sein können. Nicht immer gelingt es uns, mit unseren Institutionen sie alle zu erreichen, zu stärken und zu stützen. Die Große Anfrage der Koalition wirft ein Schlaglicht auf diese Kinder und ihre Familien und dafür möchte ich den Fragesteller:innen ausdrücklich danken. Es ist wichtig, dass wir hier im Parlament den Blick auf diejenigen richten, die in besonderer Weise unserer Unterstützung und Aufmerksamkeit bedürfen. Im Land Bremen gibt es – und das haben wir hier heute auch schon mehrfach gehört – eine große Vielfalt von Angeboten, die durch Professionalität, das Fachwissen und die Erfahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geprägt ist, von den „Frühen Hilfen“ über sozialpädagogische Angebote bis hin zu spezifischen Projekten, auch die wurden schon genannt, wie „Kidstime“ oder „Locke-Gruppe“. Aber wir haben auch deutlich feststellen können: Die bestehenden Unterstützungsstrukturen stoßen an ihre Grenzen, insbesondere dort, wo eine enge Verzahnung über Zuständigkeitsgrenzen hinweg erforderlich wäre. Gerade in Zeiten wachsender psychischer Belastungen, sozialer Unsicherheiten und gesellschaftlicher Krisen sind Kinder und ihre Familien aber auf eine verlässliche und gut erreichbare Unterstützung angewiesen. Solche Angebote sind kein Selbstzweck, sie sind auch kein Nice-to-have. Sie sind ein wichtiger Akt gesellschaftlicher Solidarität und eine Investition in ein gesundes Aufwachsen der nächsten Generation, die unsere Gesellschaft in Zukunft tragen und weiterentwickeln soll. Wir wissen, wenn sie wirksam sein soll, muss Prävention frühzeitig ansetzen. Hilfe muss niedrigschwellig und alltagsnah gestaltet sein. Daran arbeiten wir ressortübergreifend, etwa beim Aufbau regionaler Präventionsketten, und beziehen neue wissenschaftliche Erkenntnisse mit ein. Wir wissen aber auch: Dabei ist Schnittstellenarbeit zwischen Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Suchthilfe und Bildung notwendig. Uns ist bewusst, dass wir hier noch relativ am Anfang stehen. Wir müssen Lücken schließen und bestehende Hilfen in den unterschiedlichen Systemen wirkungsvoller miteinander verknüpfen. Das geht nicht von heute auf morgen, das geht nicht zum Nulltarif. Aber wir haben eine klare Vorstellung, wohin die Reise gehen muss. Unser gemeinsames Ziel ist es, Kindern aus belasteten Familiensystemen wie allen anderen ein sicheres Aufwachsen, Schutz sowie gute Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Dafür bleibt es unsere Aufgabe, die vorhandenen Strukturen zu stärken, Zugangshürden abzubauen und neue Wege der Unterstützung zu entwickeln. – Vielen Dank! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke)
