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Heike Kretschmann

SPD 10.09.2025 Sitzungen 21/25

liebe Abgeordnete und liebe Gäste! „Ausgebrannt im Bovi-Land“: Herr Fricke, ich weiß um Ihre journalistische Ausbildung. Ich weiß auch, dass man solche Überschriften gerne provokativ oder emotional gefärbt anwendet. Ich muss ganz ehrlich sagen: Dieses „Wir sind Papst“-Niveau wird dem Thema an überhaupt keiner Stelle gerecht. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke - Zuruf Abgeordneter Jan Timke [BÜNDNIS DEUTSCHLAND]) Im Gegenteil ist es völlig unangebracht und untergräbt geradezu die Ernsthaftigkeit der Situation. (Abgeordneter Jan Timke [Beifall BÜNDNIS DEUTSCHLAND]: Nee!) Wir stehen hier vor einer doppelten Herausforderung, wie die jüngst vorgestellte Verbleibstudie des Instituts Arbeit und Wirtschaft deutlich bestätigt. Wir müssen nicht nur mehr Fachkräfte für unsere Kitas gewinnen, wir müssen sie auch im Beruf halten. Denn nur gut ein Drittel der Erzieherinnen bleibt zehn Jahre nach Berufseinstieg in der Kindertagesbetreuung im Land Bremen tätig. (Abgeordneter Jan Timke [BÜNDNIS DEUTSCHLAND]: Schlimm!) Das ist zu wenig! Die Gründe, die zur Umorientierung der Fachkräfte führen, wurden deutlich herausgearbeitet. Dabei handelt es sich um äußerst komplexe Problemlagen: hohe Arbeitsbelastung, schwierige Arbeitsbedingungen, Konflikte im Team, Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Wunsch nach beruflicher Weiterentwicklung, um nur die wichtigsten zu nennen. Das heißt aber nicht per se, dass die Fachkräfte dem Sozialwesen den Rücken kehren. Sie wechseln zum Teil auch in andere Bildungsbereiche. Viele machen das im Übrigen ganz gezielt und geplant, wobei die Weiterbildung zur Erzieher:in lediglich einen Zwischenschritt auf dem Weg der beruflichen Entwicklung bildet. Viele wechseln auch nach Niedersachsen ins unmittelbare bremische Umland, weil sie sich dort bessere Bedingungen versprechen, (Abgeordneter Heiko Strohmann [CDU]: Weil sie die da haben!) oder weil sie dort zu Hause sind und sich in Bremen haben ausbilden lassen. Im Unterausschuss für frühkindliche Bildung – Herr Voigt, ich habe Sie da letzte Woche vermisst – wurde uns vorgestellt, dass Bremen im Bereich der Fachkräftegewinnung in den letzten fünf Jahren umfangreiche Maßnahmen umgesetzt hat. (Abgeordneter Holger Fricke [BÜNDNIS DEUTSCHLAND]: Das reicht aber noch nicht!) Vollzeit, Teilzeit, berufsbegleitend, Quereinstieg, Anerkennung ausländischer Qualifikationen, das alles gibt es schon. Ende 2024 befanden sich gut 2 700 Personen in Aus- und Weiterbildung. Doch die Ausbildung muss trotzdem deutlich attraktiver, flexibler und auch modularer gestaltet werden. Zum Kitajahr 2026 soll mit der Integrierten Regelausbildung, InRA, ein Format umgesetzt werden, das Theorie und Praxis deutlich verzahnt und die Auszubildenden damit besser auf das Berufsfeld mit all seinen Vielfältigkeiten und Bedarfen vorbereitet. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke) Die Arbeitnehmerkammer schlägt vor, das Projekt „Bleib dran!“ auszuweiten, das über Ausbildungscoaches, Beratung und Vermittlung bei allen Konflikten und Problemen, die eine erfolgreiche Berufsausbildung behindern, unterstützt. Junge Menschen benötigen Unterstützung, das ist ganz klar. Hochwertige Anleitung ist entscheidend für den Erfolg einer Ausbildung. Deshalb werden auch die Fortbildungen für die Praxisanleitungen überarbeitet und passgenau gestaltet. Auch die Fachkräfte, die bereits im System arbeiten, benötigen Unterstützung. Besonders kritisch werden von ihnen fehlende Wertschätzung durch Politik und Öffentlichkeit, mangelnde Vertretungsreserven oder auch die ungleiche Verteilung von Kindern mit Förderbedarf und die Gruppengrößen bewertet. Um bessere Arbeitsbedingungen in den Kitas zu erreichen, schlägt die Arbeitnehmerkammer vor, Vertretungsreserven etwa durch einen übergeordneten Springerpool einzurichten. Das wäre gerade für kleinere Einrichtungen interessant, würde den Druck auf die Fachkräfte verringern und auch Ausfallquoten senken. Natürlich wäre auch die Einführung eines Modellprojekts mit kleineren Gruppengrößen in besonders belasteten Einrichtungen sehr sinnvoll. Allerdings – und das wissen wir alle – herrscht eben gerade in diesen Quartieren auch der größte Bedarf an der Unterbringung von Kindern in Kitas. Die Gewerkschaften haben bereits Verbesserungen in Bezug auf Aufwertung des Berufs und bessere Vergütung erkämpft. Dennoch sind auch unzureichende Bezahlung und mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung häufig genannte Antworten in der Studie. Es ist gut, dass die Verbleibstudie mit klaren Handlungsempfehlungen vorliegt und eine Grundlage für weitere Schritte bietet, die es nun zu entwickeln gilt. Unser Ziel ist dabei klar: Jedes Kind soll Zugang zu frühkindlicher Bildung haben und unsere Fachkräfte sollen unter Bedingungen arbeiten, die ihnen Freude an ihrem Beruf bereiten. (Beifall SPD) Dafür werden wir uns in der Koalition weiterhin einsetzen, denn unsere Kinder verdienen Zukunft. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Diese Zukunft beginnt mit den Menschen, die tagtäglich in den Kitas arbeiten. Ihnen gilt unser Dank und Ihnen gilt unser politisches Handeln. – Vielen Dank! (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke)

Alle Reden von Heike Kretschmann Protokoll (PDF) ↗