Miriam Strunge
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Fast täglich können wir in den Zeitungen lesen, dass Fachkräfte in den Erziehungsberufen gesucht werden. In den Kitas, in den Schulen, da ist der Fachkräftemangel leider schon Alltag mit erheblichen Folgen. In Bremen haben wir aktuell die Situation, dass wir fast 2 000 Kindern mehr einen Kitaplatz anbieten könnten, wenn denn die Fachkräfte da wären. Denn im Kitabau sind wir einen erheblichen Schritt vorangegangen. Jetzt bleibt aber in den Gebäuden das Licht aus, weil die Erzieherinnen fehlen. Das ist dramatisch, denn wir alle wissen, dass die Lücke zwischen dem Bedarf an Kitaplätzen und dem aktuellen Angebot viel zu hoch ist. Deshalb arbeiten wir hier mit Hochdruck an kurzfristigen Lösungen, über einen Quereinstieg, aber auch über eine temporäre Qualitätsabsenkung, wenn es um die Qualifikationen der Personen geht, die in den Kitas arbeiten. Das ist nicht schön, aber notwendig, denn die Kinder, die jetzt keinen Kitaplatz haben, die können ja nicht warten, bis wir ausreichend fertig ausgebildete Erzieherinnen haben, denn dann sind diese Kinder schon längst in der Grundschule. Wir können uns aber eben auch nicht dauerhaft damit zufriedengeben, dass wir zu wenig Fachpersonal haben, sondern wir müssen jetzt dafür die Sorge tragen, dass eine temporäre Qualitätsabsenkung in der Kita auch temporär bleibt. Das bedeutet, wir müssen die Ausbildungen bei den Erzieherinnen verdoppeln, wir müssen die Praxis integrierte Ausbildung vervierfachen. Das steht im Koalitionsvertrag, und hier müssen wir dringend liefern. (Beifall DIE LINKE, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) Junge Menschen gehen aber nach der Schule nicht sofort in die Erzieherinnenausbildung, denn sie brauchen eine andere Ausbildung als Voraussetzung, um überhaupt die Erzieherinnenausbildung zu machen. Eine Voraussetzung ist die sozialpädagogische Assistenz oder die Kinderpflegerin. Eine Ausnahme ist das Abitur, dann kann man auch direkt den Einstieg in die Erzieherinnenausbildung machen. Das war jetzt eine relativ lange, aber doch nötige Vorrede, bis ich zu dem eigentlichen Antrag von uns komme, der Koalition, der heißt: „Den Ausbildungsweg zur/zum Erzieher:in von Anfang an vergüten – durch Ausbildungsvergütung für sozialpädagogische Assistentinnen (SPA) und Kinderpflegerinnen den Kitaplatzausbau vorantreiben.“ Denn wenn wir die Erzieherinnenausbildung verdoppeln wollen, dann machen wir eigentlich den zweiten Schritt vor dem ersten. Denn als ersten Schritt müssen wir die Ausbildungen ausweiten, die überhaupt dazu befähigen, eine Erzieherin oder ein Erzieher werden zu können. (Beifall DIE LINKE, SPD) Wir müssen es schaffen, dass die Ausbildungsbedingungen so attraktiv sind, dass sich hier auch ausreichend Bewerberinnen finden. Mit diesem Antrag heute wird der Senat beauftragt, ein Konzept zur Vergütung dieser beiden Ausbildungen, der sozialpädagogischen Assistenz und der Kinderpflegerin aufzulegen, damit wir sicherstellen können, dass alle, die sich auf den Weg machen wollen in Richtung Erzieherinnenausbildung, ab dem allerersten Tag eine finanzielle Vergütung bekommen. (Beifall DIE LINKE, SPD) Ich halte das aus zwei Gründen für absolut notwendig: Erstens, wir müssen in einer Situation des erheblichen Fachkräftemangels alles dafür tun, dass Ausbildungsberufe in den Erziehungsberufen mindestens genauso attraktiv sind wie andere Ausbildungsberufe, und das muss selbstverständlich heißen, dass Personen in der Ausbildung auch finanziell abgesichert sind und nicht irgendwie draufzahlen müssen, wenn sie sich für so einen wichtigen Beruf entscheiden. (Beifall DIE LINKE) Zweitens ist es auch ein Akt der Wertschätzung und der Aufwertung dieses Berufes, wenn eine angemessene Bezahlung auch in der Ausbildung ermöglicht wird. Erzieherinnen und sozialpädagogische Assistentinnen wie Kinderpflegerinnen, die leisten täglich wirklich wertvolle Arbeit. Wir vertrauen ihnen unsere Kinder an, sie fördern die Kinder in der frühkindlichen Bildung, sie stärken das soziale Miteinander, sie zeigen sprachlich, spielerisch, fördern kognitiv die motorischen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Kitas werden zu Recht als der Ort gesehen, der die Grundlage bildet für mehr Bildungsgerechtigkeit, denn hier können Kinder durch frühkindliche Förderung der Fachkräfte das aufholen, was sie vielleicht zu Hause nicht in dem Umfang mitbekommen, wie wir es uns wünschen würden. Natürlich ist es auch für Eltern wichtig, eine gute Betreuung durch Fachkräfte für ihre Kinder zu haben, um selbst überhaupt arbeiten gehen zu können. Es ist also auch ein Wirtschaftsfaktor, wenn wir gute Kitaplätze mit gutem Fachpersonal schaffen. Ich finde, die gesellschaftliche Bedeutung des Erzieherinnenberufes sollten wir deshalb in einer entsprechenden (Glocke) Wertschätzung abbilden, die damit beginnt, dass die Ausbildungswege zur Erzieherin wirklich von Anfang an, vom ersten Tag an, vergütet werden. – Herzlichen Dank! (Beifall DIE LINKE, SPD)
