Elske Hildebrandt
Herr Vizepräsident! Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Liebe Zuschauende! Ich gehe als Sprecherin für frühkindliche Bildung abschließend noch einmal auf die Punkte im Antrag und auch in der Diskussion, die die Kita betreffen, ein. Was funktioniert schon gut? Was muss verändert, was muss gestärkt werden? In fast allen Kitas – wir haben es gehört – wird mit den „Meilensteinen der Sprachentwicklung“ gearbeitet. Damit Sie einmal eine Vorstellung bekommen, worum es geht: Da wird die Sprachentwicklung jedes Kindes ab dem Alter von 24 Monaten nach einem festen Raster im Alltag im Blick behalten, beobachtet und jährlich dokumentiert. Das führt dann zu den Förderbedarfen der Kategorie Rot, Gelb oder Grün. Was folgt daraus? Ein klarer Befund der Bildungswissenschaft ist, dass Bildungsprozesse – auch die Sprachbildung betreffend – besonders dann wirksam und nachhaltig sind, wenn sie an den Alltag und an die Themen und Interessen der Kinder anknüpfen bzw. aus ihnen entwickelt werden; das wurde auch im Fachgespräch deutlich. Es ist aber sehr anspruchsvoll, aus dieser Beobachtung Schlüsse zu ziehen und Sprachanregungen im Alltag systematisch zu planen. Dabei spielt natürlich die Ausbildung eine große Rolle. Die Erweiterten Grundsätze der elementaren Bildung wurden genau deshalb so umgestellt. Bildungsanregungen sind nach den Schlüsselsituationen wie Anziehen, Waschen, Essen usw. aufgebaut. Bei den Kindern, die nach dem Beobachtungssystem der „Meilensteine“ auffällig sind, wird der Sprachstand im letzten Kitajahr genau festgestellt. Dann gibt es die kompensatorische Sprachförderung mit dem Programm „Handlung und Sprache“; das wird zwölf Wochen lang gemacht, das ist im Kita-Gesetz verankert. Ich will noch einmal sagen: Brandenburg hat genau aus solchen Gründen – weil es sehr anspruchsvoll ist – eine sehr hohe Fachkraftquote. Das muss und soll auch so bleiben, das darf nicht aufgeweicht werden. (Beifall SPD sowie vereinzelt BSW) Nun kurz zu den Änderungen im System – ich habe nicht viel Zeit –, die von der Fachpraxis schon lange gefordert wurden und die wir jetzt angehen; es wurde schon gesagt: Der Sprachtest ist neu, die kompensatorische Sprachförderung soll vorgezogen und die Alltagsintegrierung gestärkt werden; von dem Modellprojekt hat der Minister gerade gesprochen. Mich wundert, dass Ihnen nicht klar ist, welche Vorteile es hat, wenn sowohl die Sprachstandsfeststellung ein Jahr vorgezogen als auch die anschließende Förderung ausgeweitet wird. Erstens: Wir haben ja eine Betreuungsquote von 97, 98 % bei den Drei- bis Sechsjährigen. Jetzt fragt man sich natürlich immer: Was passiert mit den 2 %, die nicht in die Kita gehen? Gerade da spielt die Sprachstandsfeststellung eine große Rolle. Wenn sie wie bis jetzt im Jahr vor der Einschulung durchgeführt wird, müssen auch diese Kinder in die Kita kommen und dann, falls sie förderbedürftig sind, auch die kompensatorische Sprachförderung in der Kita machen. Stellen wir uns einmal vor, wir ziehen das ein Jahr vor. Dann kommen diese 2 % schon im vorletzten Kitajahr in die Kita. Das kann man auch nutzen, um dort Verbindungen zu den Familien aufzubauen, um auch diese Kinder noch mit der Kita zu erreichen. Ich finde, das ist ein ganz, ganz wichtiger Schritt, der auch schon in der AG II der Kitarechtsreform vor vielen Jahren genauso vorgeschlagen wurde. Es ist ein gutes Zeichen, wenn wir diesen Schritt jetzt gehen. Der andere Schwerpunkt liegt auf der Erhaltung und Stärkung der Fach- und Praxisberatung. Das ist für die Vernetzung und für die Unterstützung der Kitas bei Fort- und Weiterbildungen wahnsinnig wichtig. Und ja, das will ich auch noch sagen: Für all das – Bindung; Beobachtung; individuelle Bildungsprozesse in Gang setzen; kompensatorische Sprachförderung; Fort- und Weiterbildung; gute Teamarbeit; Elternarbeit, vor allen Dingen bei den Kindern mit Deutsch als Zweitsprache; bei den Kindern ist das meistens kein Problem, Kinder lernen die Sprache spielend, sie müssen in Sprache gebadet werden, man braucht da eine gute Interaktion; anspruchsvoll ist aber die Elternkommunikation – brauchen wir in unseren Krippen und Kitas einen guten Personalschlüssel. Mich wundert, dass Sie nicht in diese Kerbe geschlagen haben, da hätten Sie mich vielleicht sogar erwischt. Wir müssen am 01.01.2027 unbedingt den versprochenen Schritt der Schlüsselverbesserung in der Krippe von 1 : 4 gehen, und wir müssen uns auch Gedanken machen, was es für Kinder bedeutet, die länger als acht oder zehn Stunden die Kita besuchen. Gerade in dieser ganz frühen Zeit ist ausreichendes und sehr gut qualifiziertes Personal besonders wichtig. Noch ein Punkt: Machen wir uns klar, in welcher Welt wir leben und unsere Kinder aufwachsen. Es mangelt häufig an Zeit, Ruhe, an gemeinsamer Interaktion, an Joint Attention, wie es Entwicklungspsychologen nennen. Genau darauf kommt es aber an. Es muss anregungsreicher mit Kindern gesprochen werden …
