Kristy Augustin
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Sprache ist der Schlüssel zur Welt. – Dieser Satz, den wir sicherlich alle schon oft bewusst oder unbewusst gehört, vielleicht auch schon selbst verwendet haben, ist eigentlich eine Verkürzung oder eher der Umkehrschluss eines Satzes Ludwig Wittgensteins – wir sind ja bei den Philosophen angekommen, liebe Frau Kollegin Poschmann –, einem der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Mit seinem Satz „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ verdeutlicht er, wie stark Sprache unsere Wahrnehmung der Realität prägt. Der Spracherwerb ist von Beginn an eine wichtige Grundlage, daher bin ich dankbar, dass mit der Debatte über den vorliegenden Antrag der Blick auf die Sprachbildung und die Sprachförderung der Kleinsten gerichtet wird – von der Kita bis zur Schule. Wie im Antrag erwähnt gab es dazu ein sehr umfangreiches Fachgespräch im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport – und dass das Feld sehr umfangreich debattiert werden kann, wenn die Zielstellung eines Fachgesprächs nicht konkretisiert wird, haben wir in der Sitzung am 6. November gemerkt. Aber auch damit wird deutlich, was Sprache kann und dass das präzise Formulieren von Erwartungen – oder in diesem Fall: die eindeutige Formulierung des Themas – entscheidend sein kann. Sehr geehrte Damen und Herren, nunmehr wissen wir, warum das Fachgespräch am 6. November mit etwas Zeitdruck recht rasch angesetzt wurde: um den heute diskutierten Antrag zu untermauern. (Heiterkeit des Abgeordneten Dennis Hohloch [AfD]) Eigentlich ist der vorliegende Antrag die in Aussicht gestellte Erfüllung des Koalitionsversprechens, die Sprachstandsfeststellung um ein Jahr vorzuziehen. Diese Forderung findet sich auch im Antrag, allerdings – das muss ich anmerken – mit sehr vielen Einschränkungen. Dort steht: „im Rahmen der vorhandenen Ressourcen (Haushaltsmittel und Stellen) […] frühestmöglich, spätestens aber zum 1. August 2027 […]“ und dann eben auch noch: „[…] und dabei die Möglichkeit zu prüfen, im Bedarfsfall eine erneute, zweite Sprachstandserhebung vor der Einschulung durchzuführen“. Ich muss sagen, konkrete Forderungen und Zielstellungen sehen anders aus – aber auch hier ist die Sprache, sind die gewählten Worte entscheidend. Dennoch: Die Forderung, das Vorhaben unterstützen wir; es ist auch in unserem Sinne als CDU-Fraktion. Rechtzeitig vor Schuleintritt den Sprachstand zu kennen, ist und bleibt eine wichtige Grundlage für den Bildungserfolg. Die Expertin eines Kitaträgers führte im Fachgespräch zu Recht aus, dass die Sprachfeststellung und -förderung für ihren Träger, der sich diesem Aspekt intensiv widmet, nicht erst im Alter von vier oder fünf Jahren, sondern bereits dann beginnt, wenn das Kind in die Krippe oder Kita kommt. Auch zu den weiteren Punkten im Antrag gibt es von unserer Seite Zustimmung, ob in Bezug auf den Übergang von der Kita in die Schule, der im besonderen Fokus steht, oder zum in Punkt 2 ausgeführten Aspekt, dass die Expertise weiterer Fachkräfte zur frühkindlichen Sprachbildung auch in der Grundschule genutzt werden kann. Hoffen wir nur, dass das nicht den aktuellen Kürzungsmaßnahmen zum Opfer fällt, wie sie nunmehr zahlreiche Schulen – besser gesagt: gerade auch die Kinder – zum Beispiel in Bezug auf den gekürzten Förderunterricht erfahren. Diese Sorge habe ich schon, wenn ich auf den Antrag blicke. Ich stolpere auch über Punkt 9 und bin gespannt, warum Folgendes gerade dort erfasst wird: „Die Flexibilisierung der Stundentafel in der Grundschule [soll] zugunsten der Fächer Mathematik und Deutsch unter besonderer Berücksichtigung des Englischunterrichts [geprüft werden].“ (Dennis Hohloch [AfD]: Eine sehr gute Forderung!) Ich bin wirklich gespannt, was der Minister dazu ausführen wird. Das Mantra, das er bei wirklich jeder Debatte wiederholt hat, ist ja, dass die Stundentafel gesichert sein muss. Das steht dem ein wenig entgegen, dass wir jetzt flexibilisieren wollen, aber was das konkret umfassen soll, führt der Minister ja vielleicht noch aus. Sehr geehrte Damen und Herren! Wir dürfen auch die Begleitumstände nicht aus dem Blick verlieren, die wir im Fachgespräch zumindest andiskutiert haben: Die Schule wird nicht alles auffangen können, was an Grundlagen im frühkindlichen Alter nicht vermittelt werden konnte. Ein Aspekt, der in dem Fachgespräch nur einen kleinen Teil ausmachte, der mir aber sehr wichtig ist, ist die Frage: Sind die Eltern überfordert? Können sie es nicht? Es war im Fachgespräch ganz deutlich zu hören, dass es nicht immer böser Wille ist. Tatsächlich ist es so: Familien fühlen sich oft alleingelassen und schaffen es nicht, alle Grundlagen abzusichern, bevor das Kind in die Krippe, Kita oder gar Schule kommt. Ich finde, auch die Familienpolitiker sollten den wichtigen Bereich Sprachförderung, Sprachbildung unter dem Aspekt der Familienpolitik näher betrachten und ihn vielleicht noch einmal auf die Tagesordnung setzen – aber das ist ein anderes Thema. Ich habe es gesagt: Ich finde diesen Antrag so, wie er vorliegt, gut – und die CDU-Fraktion stimmt zu. – Herzlichen Dank. (Beifall CDU und SPD sowie des Abgeordneten Falk Peschel [BSW])
