Elske Hildebrandt
Herr Hohloch, erstens möchte ich Sie fragen: Ist Ihnen klar, dass es bei dem, was in unseren Kitas passiert, einen Unterschied zwischen Sprecherziehung und Sprachbildung gibt? Dass es hier nicht um Phonetik, Stimmbildung oder Artikulationsübungen, sondern um Kommunikation, um anregungsreiche Interaktion geht, haben Sie offensichtlich noch nicht begriffen. Es geht auch nicht um Logopädie; es geht hier nicht um Stottern, Lispeln oder Gendern. Es geht um anregungsreiche Interaktion! Sie sind durch Ihren Antrag gehechelt. Wenn Sie „die Meilensteine der Sprachentwicklung“ – darauf werde ich in meiner Rede noch eingehen – präzisieren wollen, dann frage ich Sie: Haben Sie sich diese überhaupt einmal angeguckt? Da findet man Lexik, Grammatik, Kommunikation und Literalität. Das ist ein ganz klares Raster, das ab 24 Monaten eingehalten wird. Auch zur Mehrsprachigkeit in der Kita ist Ihr Wissen relativ beschränkt. Sie sagten soeben noch einmal, Migration sei die Hauptursache für die Sprachschwierigkeiten. 5 % der Kinder tauchen mit Sprachauffälligkeiten bei der Schuleingangsuntersuchung auf. Das ist keine schöne Prozentzahl, aber sie ist seit vielen Jahren konstant. Es gibt eine Vielzahl von Gründen. Diese sind eher sozialer Natur und im soziokulturellen Raum zu finden. Das hat nichts mit dem Erst- oder Zweitspracherwerb zu tun. Darauf werde ich in meinem Redebeitrag noch weiter eingehen; das waren bloß die ersten Punkte, bei denen ich Sie korrigieren wollte. (Beifall SPD sowie der Abgeordneten Dr. Jouleen Gruhn und Falk Peschel [BSW])
