parlament-berlin.de ↗

Harald Laatsch

AfD 27.02.2025 Sitzungen 19/62

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir alle haben solche Orte der Erinnerung, an denen wir uns mit Freunden trafen und schönste Momente unseres Lebens verbrachten, auf dem Garagenhof, im Partykeller, im Park, im Schrebergarten, am Strand oder auf der Tanke. Manche machten Musik, andere tranken einfach nur ein Bier oder schraubten an ihren Autos oder Motorrädern. Wie kommen Sie eigentlich auf die krude Idee, dass Menschen im Westen solche Orte nicht hatten? Der Unterschied ist, dass die Menschen im Osten im Kollektivismus hier einen scheinbaren Fluchtort hatten. [Katina Schubert (LINKE): Sie müssen es ja wissen!] Aber das ist doch völlige Tarnung, Sie hatten doch auch da Ihre Spitzel. Das ist doch klar. [Heiterkeit bei der AfD] Haben wir also nicht alle solche Orte verloren, weil sich die Welt ändert, die Freunde in alle Richtungen davonstrebten, heirateten, Kinder bekamen, neue, wichtige Momente im Leben hatten? Das Leben ist Veränderung. Kaum jemand hat so große Veränderungen durchlebt wie die Menschen in Ostdeutschland – das muss man hier noch einmal in aller Klarheit sagen –, [Zuruf von Katalin Gennburg (LINKE)] die sich von heute auf morgen in einem neuen System zurechtfinden mussten, ihre Arbeit oder liebe Freunde verloren haben oder selbst noch einmal die Schulbank drücken mussten. Das ist nicht nur Verlust, auch wenn es zunächst so scheint, es ist auch Gewinn. Die neue Erfahrung, die mich zwar zwingt, mich von alten Gewohnheiten zu verabschieden, mir aber auch neue Erlebnisse bringt, die ich ohne diesen Zwang zur Veränderung nie gehabt hätte. Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich mich selbst weiterentwickle oder ob ich durch Umstände zur Weiterentwicklung gezwungen werde. Das Vergangene, Verlorene wirkt als Erinnerung umso leuchtender, umso schöner, desto mehr der Verlust mit Zwang verbunden ist. [Tobias Schulze (LINKE): Haben Sie einen Philosophen gefrühstückt?] Aber was ist jetzt Ihr Rezept? – Wollen Sie Gemeinschaftsräume in Neubauten errichten? – Glauben Sie ernsthaft, das könnte den Charme der schmuddeligen Garage, die Erinnerungen vergangener Jahre, vergangener Jugend, ersetzen, bestenfalls noch mit einem Sozialarbeiter besetzt, der die Menschen im Stuhlkreis von den Schmerzen des Verlustes therapiert und bei der Gelegenheit an die gute alte Zeit des Sozialismus erinnert? [Beifall bei der AfD – Jeannette Auricht (AfD): Wunderbar!] Ach, wie schön es doch war! Ach, wie schön es doch war, als morgens endlos der Anlasser des Trabis jaulte, bis endlich ein paar Nachbarn zum Schieben kamen und der Trabi stotternd ansprang, um sich mit einer blauen Wolke über die Nachbarschaft zu entladen – zusammen mit dem Geruch der Braunkohleverbrennung eine liebgewonnene Erinnerung! Das Leben ist Veränderung, sonst wäre es keins. Eine der wichtigsten Lektionen des Lebens ist es, zu lernen, loszulassen und nicht bis ins hohe Alter den Träumen der Jugend nachzuhängen, sondern zu akzeptieren, dass sich das Leben weiterdreht, [Tobias Schulze (LINKE): Wenn die Ossis wüssten, wie Sie drauf sind, würden die Sie nicht wählen!] dass man älter wird, dass auf uns alle neue Aufgaben und Freuden warten. Früher war alles besser, denn wir waren jünger. – Herzlichen Dank! [Beifall bei der AfD]

Alle Reden von Harald Laatsch Protokoll ↗