Katrin Seidel
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Pflegefamilien bieten Kindern ein Zuhause, eine Familie, oft bis ins Erwachsenenalter hinein. Sie sind ein zentraler Teil unseres Jugendhilfesystems, und das quasi ehrenamtlich. Pflegeeltern leisten umfassendes bürgerschaftliches Engagement. Sie verdienen unseren Respekt und unseren Dank. Das haben viele der Vorredner auch schon gesagt. Wie Pflegekinder und ihre Familien gestärkt werden können, ist schon lange Thema in diesem Hause. Spätestens seit der Veröffentlichung einer vom Senat beauftragten Studie mit konkreten Handlungsempfehlungen 2021 und auch seitdem der Bundesgesetzgeber im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz die Verbesserungen für Pflegefamilien in den Fokus genommen hat, ist der Handlungsbedarf deutlich. Es gibt klare Vorgaben. Ihr Antrag, liebe Koalition, greift einige der vorliegenden Vorschläge auf. Das kann man machen, ist aber nichts Neues. Die Kollegin Burkert-Eulitz hat es auch schon oft gesagt. Sie wissen ja auch, dass seit neun Monaten, seit 1. September 2023, eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe zuzüglich eines breit aufgestellten Beirats arbeitet, um genau diese Themen zu bearbeiten – spät begonnen, aber immerhin. Wir hoffen auf zeitnahe Ergebnisse, denn seit zehn Jahren hat sich für Berliner Pflegefamilien nichts getan, weder qualitativ noch finanziell, und wir sind damit das Schlusslicht im Bundesgebiet, und das, während Pflegefamilien ohnehin meist besondere Herausforderungen bewältigen müssen. Viele Kinder kommen mit sehr komplexen Problemlagen, haben erhöhten Betreuungsbedarf. Die Betreuung von Pflegekindern führt beispielsweise nicht selten zu beruflichen Einschränkungen oder stellt höhere Anforderungen an Wohnraum. Eine Pflegefamilie zu gründen, birgt nicht selten ein Armutsrisiko, und es geht so nicht weiter. An Unterstützung mangelt es auch. Die Anzahl der Pflegefamilien in Berlin geht auch aus diesen Gründen stetig zurück. Die Situation ist dramatisch, Herr Simon hat es gesagt. Währenddessen warten circa 700 Kinder auf einer Warteliste auf die Unterbringung, also muss sich was ändern. Pflegefamilien brauchen Beratung und Entlastung, Supervision, klare Zuständigkeiten in allen Bezirken, Elterngeld, bedarfsgerechte, dynamisierte Pauschalen für die Kinder, um nur einige Beispiele zu nennen. Wir haben umfassende Kataloge dazu liegen, was alles an vielen Ecken und Enden gemacht werden muss. Es braucht unterm Strich eine rechtssichere und nachhaltige Umgestaltung des Pflegekinderwesens in Berlin, finanziell und strukturell. Das passiert gerade. Es geht auch um eine neue Anerkennungskultur, wie die Expertin des Deutschen Vereins Frau Trapp im Ausschuss bei der Anhörung sagte. Auf die Frage, welche die drei wichtigsten Faktoren zur Verbesserung des Pflegekinderwesens in Berlin seien, sagte sie: Wertschätzung, Wertschätzung und Wertschätzung –, und ich denke, damit können wir auf jeden Fall nebenbei schon mal anfangen. – Vielen Dank! [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN]
