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Christian Gräff

CDU 23.05.2024 Sitzungen 19/48

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als die DDR-Staats- und -Parteiführung damals die Bauakademie abreißen wollte – da waren noch die ersten Ideen –, hat in einem Brief an Otto Nagel Max Taut Folgendes geschrieben und sich für den Erhalt der Bauakademie eingesetzt: „Wir sind der Ansicht, daß dieses baugeschichtlich so hochinteressante und unersetzliche Gebäude in seiner äußeren Form unbedingt erhalten bleiben müßte, da es ein Alterswerk von Schinkel ist und überraschenderweise eine Abkehr vom Neoklassizismus bedeutet und in seiner großartigen Einfachheit wegweisend unsere heutige Entwicklung vorausgeahnt hat. Es scheint mir außerdem sehr reizvoll, diesen Außenbau mit einem den heutigen Bedürfnissen und Erkenntnissen entsprechenden zeitgenössischen Innengehäuse zu versehen.“ Ich finde, diesen Satz oder dieses Schriftstück von Max Taut an Otto Nagel kann man eins zu eins auf die heutige Zeit übertragen, [Beifall bei der CDU – Beifall von Andreas Geisel (SPD)] dass wir nämlich in einem Gebäude mit einer ganz modernen Fassade zu dieser Zeit ein Innenleben und eine innere Haltung und auch das, was dort inhaltlich passieren soll, übernehmen, in die heutige Zeit übertragen. Deswegen schlagen wir Ihnen als Koalition diesen Antrag vor, der sich in der Tat unterscheidet mit der Herstellung der historischen Fassade. Herr Kollege Otto! Sie haben es ja nicht so richtig gesagt; ich wäre da radikaler als im Osten Deutschlands Aufgewachsener: Ich hätte dieses Berliner Schloss nicht gebraucht. Und ich finde, dass auch ein Palast der Republik zur Geschichte dieses geteilten Landes gehört hat. [Vereinzelter Beifall bei der SPD, den GRÜNEN und der LINKEN – Zuruf von Carsten Ubbelohde (AfD)] Dazu kann man, glaube ich, stehen. Aber wenn dieses Schloss nun mal so dasteht – und da sind wir unterschiedlicher Auffassung – und wenn wir an diesem Platz die wirklich Schinkel’sche Bauakademie auch mit den Inhalten, nämlich des Widerstands des Bürgertums gegen die preußischen Herrscher, dort stehen haben und dort in der Tat über die Frage von Baukultur, von Bauformen, von all diesen Inhalten sprechen, von neuem und modernem Bauen, dann bin ich auch in der Tat dafür, dass das in der historischen Fassade übernommen wird, weil es ehrlicherweise – das müssen Sie auch mal zugeben – [Zuruf von Werner Graf (GRÜNE)] andernfalls überhaupt nicht passen würde in einen solchen Kontext, weder architektonisch noch aus meiner Sicht historisch. [Werner Graf (GRÜNE): Ein bisschen mehr Fantasie!] Was ich mir am allermeisten wünsche, ist in der Tat das, was auch Herr Kollege Dr. Kollatz an dieser Stelle gesagt hat: dass der Senator hier vom Parlament in Berlin einen Auftrag, auch eine Unterstützung mitbekommt, dass das passiert. Ich sehe überhaupt nicht – gar nicht –, dass im Moment im Bund sich jemand dafür wirklich interessiert. Es gibt da eine Stiftung, die ehrlicherweise, und das entnehme ich jetzt nur mal aus den Zeitungsartikeln und aus den Medienmeldungen, etwas verwirrte Vorstellungen davon hat, was da passieren soll, auch keine einheitlichen; da kommen auch immer wieder viele neue Ideen. Aber aus meiner Sicht braucht es beim Bund, und vielleicht gelingt es ja ab Herbst des nächsten Jahres, noch mal einen Schub, damit die Bauakademie in Berlin realisiert wird. Das teile ich, denn sie gehört ins Zentrum dieser Stadt, dieser deutschen, wiedervereinigten Hauptstadt. Und das wollen wir, soweit es geht, in der historischen Fassade tun. Und letzter Satz: Sollte das nicht gelingen, werden wir nicht zulassen, dass dort irgendein Ufo landet. Ich glaube, da sind wir uns wahrscheinlich sogar alle einig: Das sollte auf gar keinen Fall passieren, sondern es sollte etwas sein, was hier hinpasst. – Vielen Dank! [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD]

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