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Louis Krüger

GRÜNE 23.05.2024 Sitzungen 19/48

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Erlauben Sie mir, mit einer kleinen Vorbemerkung zu starten: Wenn das hier alles ist, was die Koalition bildungspolitisch zu bieten hat, na dann gute Nacht! Vorhaben der Bildungsverwaltung hier im Parlament abzufeiern, wäre mir als selbstbewusster Abgeordneter, ehrlicherweise, ziemlich peinlich. Aber zum Antrag: Da muss ich einmal loben, Frau Günther-Wünsch, das ist wirklich ein guter Ansatz. Als Opposition darf man ja auch mal sagen, wenn was richtig gemacht wird, kommt nicht so oft vor, aber wenn, dann muss man es feiern. Wir haben es nämlich mit einem Ungleichgewicht zu tun. Bei den Funktionsstellen an den Grundschulen haben wir nur drei, während wir an den Gymnasien bis zu 13 haben, und dass das jetzt angegangen wird, ist gut, denn es gibt drei Gründe. Erstens ist es gut, in die frühkindliche Bildung zu investieren. Das wissen wir alle. Das, was man dort schon richtig legt, muss man später nicht wieder ausbügeln. Und da freuen sich dann auch die weiterführenden Schulen. Zweitens aus dem Grund, den Frau Khalatbari schon gesagt hat: Es findet die Arbeit auch in den Grundschulen statt. Es gibt Fachkonferenzen und so weiter, es wird nur nicht wertgeschätzt. Es gibt keine Anerkennung. Dass wir da mit den weiterführenden Schulen gleichziehen, ist, glaube ich, nur fair. Und drittens ist es auch aus gleichstellungspolitischer Sicht interessant. An den Grundschulen arbeiten besonders viele Lehrerinnen, also Frauen. Die haben bisher vergleichsweise wenig Aufstiegsmöglichkeiten. Da schaffen wir jetzt was mit den Fachleitungen, und das ist auch gut so! Es gibt aber – ich bin ja trotzdem Opposition – dann doch einen kleinen Kritikpunkt. Für mich ist das natürlich eine Verengung des Bildungsbegriffs auf Deutsch und Mathematik. Klar, es wurde gesagt, Lesen, Schreiben, Rechnen sollte am Ende der Grundschule und auch am Ende der weiterführenden Schule stehen. Und trotzdem ist klar, dass Lesen, Schreiben, Rechnen nicht nur im Deutsch- und Matheunterricht stattfindet. Wenn man Comics im Kunstunterricht zeichnet, wenn man sich mit dem Dreivierteltakt im Musikunterricht beschäftigt, dann ist klar, dass diese Dinge auch in anderen Fächern gelernt werden. Und wenn wir uns darüber beschweren, dass bei den Jugendlichen immer mehr rechte und rechtsextreme Tendenzen sichtbar werden, dann verwundert es mich schon, wenn bei den Basiskompetenzen Demokratiekompetenz und Demokratiebildung nie auftauchen. Für mich gehört das zu einem breiten Bildungsverständnis und zu den Aufgaben von Schule mit dazu. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Das zeigt sich auch, wenn man in das Schulgesetz schaut. Da sind nämlich 16 Bildungs- und Erziehungsziele formuliert. Und wenn ich Lesen, Schreiben, Rechnen zähle, dann habe ich drei. Da ist also noch ein bisschen was übrig. Dazu gehört zum Beispiel auch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, Freude am Leben zu haben und zu entwickeln. Ich finde, auch dafür sollte die Grundschule da sein. Insofern ein guter erster Schritt, und wir sollten aber schauen, wie wir die Grundschule auch weiter in der Schulentwicklung stärken. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN]

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