Sandra Khalatbari
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Schedlich! Sehr geehrte Zuhörende! Der Antrag von Ihrer Fraktion Bündnis 90/Die Grünen „Gelingende Berufsorientierung: Perspektivenjahr statt Pflichtschuljahr!“ kann unsererseits als CDU-Fraktion in dieser Form der Formulierung keine Zustimmung erhalten. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, ist uns als CDU-Fraktion eine Verbindlichkeit für die Schülerinnen und Schüler in dieser Stadt wichtig. Gerade diejenigen, die am Ende der 10. Klasse ohne konkrete Orientierung darauf verbleiben, wie es mit ihnen nach dem Ende der bisherigen verpflichtenden Schulzeit von zehn Jahren weitergehen kann, brauchen kein weiteres sogenanntes Perspektivenjahr, wie Sie es gerne nennen wollen, mit Maßnahmen beziehungsweise Perspektiven, die schon vorher nicht gegriffen haben. [Beifall bei der CDU] Ihr Antrag stellt zugegebenermaßen einige nachvollziehbare und wichtige, sinnvolle Forderungen auf, die allerdings entweder bereits schon umgesetzt worden sind oder bei der aktuellen Planung zur neuen Schulgesetznovelle bereits Berücksichtigung finden. Ihr Antrag missachtet jedoch grundlegend, dass eine Verlängerung der Schulpflicht alle Schülerinnen und Schüler betrifft, zum Beispiel auch diejenigen, die ganz regulär die gymnasiale Oberstufe mit dem Ziel des Erwerbs der allgemeinen Hochschulreife besuchen. Deshalb wird auch kein Perspektivenjahr ausgerufen, sondern verbindlich, neben der allgemeinen Schulpflicht bis zur Jahrgangsstufe 10, eine zusätzliche Schulpflicht in der Sekundarstufe II eingeführt. In unserem eigenen Koalitionsantrag mit dem Wortlaut „11. Pflichtschuljahr – durchdacht und langfristig angelegt im Sinne eines Berufs-Chancenjahres einführen!“ geht es um die Einführung eines langfristig angelegten Konzeptes an Berufsschulen beziehungsweise Oberstufenzentren, um gerade den anfangs angesprochenen circa 30 000 Jugendlichen einen gelungenen Übergang in qualifizierte, passende, vorzugsweise duale berufliche Ausbildung zu ermöglichen. Mit der Einführung des 11. Pflichtschuljahres werden diese Schülerinnen und Schüler zusätzlich im System Schule verortet. Ziel ist es, dieser Gruppe von Menschen im Bildungsgang einen hohen Anteil an Praxisorientierung zu ermöglichen. Da sind wir uns auf jeden Fall sehr einig. Folgende Eckpunkte sind hierbei für uns als CDU-Fraktion im Fokus: der Nachweis der Erfüllung des 11. Pflichtschuljahres, die Weiterentwicklung der Integrierten Berufsausbildungsvorbereitung, sprich IBA – Sie hatten es auch erwähnt –, der Berufs- und Studienorientierung, sprich BSO, und der Berufsbildungsbegleitung, die Einführung eines einheitlichen Datensystems beziehungsweise die Optimierung der bestehenden Systeme sowie das Zusammenführen von Unterstützungsangeboten im Übergang in Verbindung mit der Schaffung von einheitlichen Verwaltungsstrukturen. Wenn das bisherige System gerade diesen Jugendlichen nicht oder nur unzureichend gerecht werden konnte, so hat das vielfältige und vielschichtige Ursachen. Denen zielgenau, verpflichtend und vernetzt das entgegenzusetzen, wird die Aufgabe der verschiedenen Akteure aus dem Bildungs- und Beratungsbereich sowie der Unternehmen sein, auf deren Kompetenz und Expertise wir an dieser Stelle setzen.
