Dr. Stefan Taschner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im April letzten Jahres wurde mit dem Abschalten der letzten deutschen AKWs das Ende der deutschen Atomkraftära ein für alle Mal besiegelt. Stattdessen bauen wir eine klimafreundliche und risikoarme Energieversorgung aus Wind und Sonne auf. Von diesem einzig vernünftigen und sinnvollen Weg werden wir uns auch von der in Energiefragen rückwärtsgewandten AfD nicht abbringen lassen. Dieser Weg macht uns nämlich nicht nur unabhängiger, sondern er ist auch wirtschaftlich vernünftig. Denn entgegen der von der AfD weit verbreiteten Erzählung ist Kernkraft weder günstig noch risikoarm. Atomkraft ist und bleibt eine Hochrisikotechnologie. Die vielen Zwischenfälle weltweit, aber insbesondere die schrecklichen Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima und deren furchtbare Folgen für Mensch und Natur, haben uns das mehr als deutlich gezeigt. Aber auch der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine führt uns deutlich vor Augen, welche Gefahr von AKWs ausgeht. Kein Atomkraftwerk weltweit ist auf kriegerische oder terroristische Angriffe vollständig vorbereitet und ausreichend geschützt. Auch deswegen hat der Atomausstieg unser Land sicherer gemacht. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Niklas Schrader (LINKE)] Hartnäckig hält sich auch immer noch der Mythos, Atomkraft sei besonders günstig. Das Gegenteil ist der Fall: Atomkraft verursacht hohe Kosten – vom Bau über den Betrieb bis hin zum Rückbau und zur Endlagerung des Atommülls, also über die gesamte Lebensdauer hinweg. Zudem sind die Kosten einer Kilowattstunde aus Atomstrom bis zu viermal höher als die Kosten einer Kilowattstunde aus erneuerbaren Energien. Diese Schere geht immer weiter auseinander: Während die Kosten für erneuerbare Energien sinken, steigen die Kosten für den Bau von Atomkraftwerken ins Unermessliche. Schauen Sie sich doch einmal die Kosten und die Zeitverzögerungen der letzten AKW-Projekte in Europa an: In Flamanville gibt es elf Jahre Verzögerung und viermal so hohe Kosten. Nicht anders sieht es beim finnischen Meiler Olkiluoto aus, und auch, wenn wir nach Großbritannien schauen, wo mit Hinkley Point C ein neuer Atomkraftreaktor gebaut wird, zeichnet sich dasselbe ab. Und wer zahlt zum Schluss die hohen Kosten? – Die Verbraucherinnen und Verbraucher, nämlich über hohe Atomstromkosten. Wer die Zukunft vielleicht in sogenannten Mini-AKWs sah, wurde ebenfalls erst kürzlich von der Realität eingeholt. Ein Vorzeigeprojekt in den USA wurde erst kürzlich gestoppt. Grund dafür: Die Baukosten sind einfach zu hoch, und – welch Überraschung! – Solar- und Windenergie sind deutlich günstiger und schneller zu haben. Aber auch mit dem fortschreitenden Klimawandel werden Atomkraftwerke zunehmend schwieriger zu betreiben, da sie für die Kühlung immens viel Wasser brauchen. 2022 musste Frankreich aufgrund von Wassermangel Umweltauflagen massiv außer Kraft setzen, beziehungsweise wurden einige Reaktoren sogar gedrosselt. Für eine nachhaltige Energiepolitik brauchen wir eben keine Atomkraft, sondern günstige und vor allem klimakrisensichere Erzeugung von Strom. Die gute Nachricht ist: Mit Wind- und Solarenergie gibt es bereits eine Lösung, und die werden wir in Zukunft massiv ausbauen. Keiner braucht Atomkraft! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Beifall von Sebahat Atli (SPD) und Lars Düsterhöft (SPD)]
