Klara Schedlich
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer aktuell eine Ausbildung in Berlin macht oder beginnen möchte, hat verständlicherweise viele Fragezeichen im Kopf: Woher kommt die bezahlbare Wohnung mit kurzen Anfahrtswegen zur Arbeit? Wie komme ich mit dem geringen Azubigehalt im Monat aus? Wie unterschreibt man Verträge? Muss ich mich vielleicht noch um Versicherungen kümmern? Und welche Rechte habe ich? – Und vor allem auch: An wen kann ich mich mit all diesen Fragen wenden? Eine zentrale Anlaufstelle für Azubis gibt es in Berlin zur Zeit nicht, sie wird aber dringend benötigt. Deswegen fordern wir in unserem Antrag ein Auszubildendenwerk oder kurz Azubiwerk. Analog zu und in enger Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk kümmert es sich um die Auszubildenden und ihre Anliegen. In Hamburg und München gibt es dies bereits, und die Angebote der Werke werden viel genutzt. In Berlin haben wir die gleichen Probleme und Bedarfe. Wer sich um Fachkräfte von morgen sorgt, muss die Azubis von heute unterstützen. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Damiano Valgolio (LINKE)] In erster Linie soll das Azubiwerk Auszubildenden günstige Wohnheimplätze anbieten, Beratungsangebote zur Sicherung ihrer Ausbildung machen und zur Steigerung der Attraktivität von Ausbildungsberufen beitragen. Konkrete Aufgaben wären also nun: die bessere und flächendeckende Versorgung mit preiswertem Wohnraum sicherzustellen, denn ohne bezahlbare Wohnungen können künftige Auszubildende oft nicht einmal mit der Wunschausbildung beginnen. Das Azubiwerk soll auch eigene Mensen und Cafeterien betreiben und in enger Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk gegenseitige Zugänge ermöglichen. Auszubildende sollen sich auch bei Problemen im Betrieb oder in der Berufsschule an die Beratungsstellen des Azubiwerks wenden können. Es soll auch eine Sozial- und Rechtsberatung und eine psychologische Beratung für Auszubildende angeboten werden. In diesen Beratungsstellen gibt es dann Unterstützung, insbesondere auch für Auszubildende mit Inklusionsbedarfen, für Azubis mit Kindern und für geflüchtete Auszubildende, aber auch für alle, die im Betrieb unglücklich sind und erfahren wollen, welche Möglichkeiten es gibt, den Betrieb zu wechseln. Dadurch sinkt die Abbruchquote, da die passenden Betriebe gefunden werden können. Das Auszubildendenwerk soll den Austausch Auszubildender untereinander und auch international fördern. Oft wissen Azubis gar nicht, dass sie die Möglichkeit haben, mal einen Austausch im Ausland zu machen. Hierbei kann das Azubiwerk ebenfalls beraten. Nicht alle jungen Menschen haben ein Umfeld, welches sie bei der Ausbildung unterstützen kann. Diese Lücke soll das Azubiwerk schließen. Im Sinne der Chancengerechtigkeit ist es dafür höchste Zeit. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Damiano Valgolio (LINKE)] Azubis brauchen genauso Unterstützung wie Studierende und alle jungen Menschen. Sie haben ein Recht auf gute, unterstützende Angebote. Sie sollen motiviert werden, ihre Ausbildung abzuschließen, und sie sollen überhaupt erst einmal gute Bedingungen vorfinden und diese Ausbildung dann mit Motivation und Spaß absolvieren können. Azubis verdienen Ansehen und Anerkennung, ihnen muss zugehört werden. Wer schlechte Rahmenbedingungen und lebensentscheidende Sorgen hat, der kann sich nicht auf den Berufsschulalltag und die Arbeit fokussieren. Bessere Ausbildungsbedingungen sind ein Schlüssel, um mehr Azubis und so natürlich auch Fachkräfte zu gewinnen. Aber erlauben Sie mir auch folgende Anmerkung: Selbst, wenn wir keinen Fachkräftemangel hätten, hätten diese jungen Menschen verdient, dass wir alles tun, um ihnen gute Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Das Azubiwerk ist ein Baustein, um Ausbildungen besser zu machen. Es soll vom Beginn bis zum Ende der Ausbildung den Auszubildenden zur Seite stehen. Unterstützen wir unsere Azubis und gründen ein Azubiwerk für sie! Wir hoffen auf Ihre Unterstützung für unseren Antrag. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN]
