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Lars Düsterhöft

SPD 15.12.2022 Sitzungen 19/23

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! „Mindestmaß an Würde bei ordnungsbehördlichen Bestattungen ermöglichen“ – zugegeben, das Thema dieses Antrags klingt schon etwas skurril für eine Sitzung des Abgeordnetenhauses, erst recht für eine Priorität, handelt es sich hier doch um Verstorbene, über die wir reden. Machen wir nicht eigentlich Politik für die Lebenden? – In dieser Debatte geht es um das Leben, um den Wert des Lebens, um Würde, um Anstand, um Respekt. Es geht um die Frage, wann das Leben endet, woran wir glauben und worauf wir hoffen. Es geht darum, wie wir die Menschen aus unserer Mitte verabschieden und ihnen das letzte Geleit geben. Diese Fragen treiben die Lebenden um. Wir alle wünschen uns einen schmerzfreien und würdevollen Tod, und niemand will allein sterben. Keine Kultur der Welt verscharrt ihre Toten einfach in der Erde oder verbrennt sie achtlos. Alle Kulturen der Welt haben gemeinsam, dass sie sich von ihren Liebsten mit Trauer verabschieden. Trotzdem feiern wir das Leben, auch über den Tod hinaus, und hoffen darauf, dass es unseren verstorbenen Liebsten gutgeht, egal wo und ob sie sind. Dafür braucht man nicht einmal einen Glauben zu haben. Wohl auch die meisten Atheisten hoffen darauf, dass der Tod nicht das Ende ist. Den Ort für unsere sterblichen Überreste suchen sich die meisten Menschen selbst aus. Er soll zu ihnen passen, schließlich soll er ihrer Seele Frieden geben. Wir suchen uns Orte, an denen wir Abschied nehmen können, ob es nun eine Grabstelle ist, das Meer oder ein Stern. Wir Menschen brauchen Ereignisse, um den Verlust unserer Liebsten zu verarbeiten. Auch Menschen ohne Angehörige, ohne Familie und ohne Freunde wünschen sich eine würdevolle und friedvolle Beerdigung. Auch ihnen muss das Recht zustehen, ihre Beerdigung, den Ort für ihre sterblichen Überreste zu planen und auszusuchen. Auch Menschen ohne Geld haben dies verdient. Menschen, die ganz ohne Angehörige sterben oder deren Angehörige es nicht selbst leisten können, bekommen eine Sozialbestattung. Kurz und knapp werden die Menschen beerdigt. Kostengünstig soll es sein. Der Haushalt sieht nicht viele Mittel vor, und wohl nur wenige Haushälter haben Verständnis, wenn dieser Haushaltstitel deutlich überzogen wird, obwohl es nicht mehr Bestattungen gab. Unsere zuständigen Bezirke verstehen unter solchen Bestattungen teils unterschiedliche Dinge. In Treptow-Köpenick und Pankow, ich glaube, es wurde eben schon gesagt, gibt es zum Beispiel noch etwas Blumenschmuck, in den anderen zehn Bezirken nicht, nicht einmal eine Blume gibt es zum Abschied. Doch genügt uns diese sparsame, kosteneffiziente Bestattung? Welchen Respekt bringen wir den einsam Verstorbenen entgegen? Wie viel Würde haben die Ärmsten verdient? Waren sie nicht auch ein Teil von uns? Hatten Sie nicht auch erfüllte Leben, in denen sie geliebt und gelacht haben? Wir wollen, dass wir den Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Vermögen, ihrem Glauben oder ihrer Lebensgeschichte den Respekt und die Anerkennung entgegenbringen, die ausnahmslos jeder Mensch verdient hat. Mit diesem Antrag wollen wir, dass zum nächsten Doppelhaushalt die entsprechenden Mittel zur Verfügung gestellt werden und die entsprechende Ausführungsvorschrift so weiterentwickelt wird, dass wir unseren eigenen moralischen Ansprüchen gerecht werden. Das werden allerdings keine Haushaltsmittel sein, mit denen wir etwas Neues schaffen können, aber es sind Mittel, die dafür sorgen, dass etwas Tolles, nämlich das Leben eines jeden Menschen, einen guten Abschluss findet. Egal ob an dem Grab eine trauernde Person steht oder nicht, wir als Gesellschaft haben uns mit Würde und Anstand von jedem Menschen zu verabschieden. – Ich danke Ihnen! [Beifall bei der SPD, den GRÜNEN, der CDU, der LINKEN und der FDP]

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